网站首页 (Homepage)                       欢   迎   访   问  谢  国  芳 (Roy  Xie) 的  个  人  主  页                    返回 (Return)
                    
Welcome to Roy  Xie's Homepage                   





                       ——
  外语解密学习法 逆读法(Reverse Reading Method)   解读法(Decode-Reading Method)训练范文 ——                 

解密目标语言:德语                                解密辅助语言:汉语
              Language to be decoded:  German            Auxiliary Language :  Chinese  

  
         
解密文本:《一 个 陌 生 女 人 的 来 信》  [奥] 茨威格 著          
 
Brief einer Unbekannten
 von  Stefan Zweig

 

                  Letter from an Unknown Woman            
                                                                         by  Stefan Zweig    
                                                                

     

 
               
德汉对照(German & Chinese)                                   德英对照(German & English)                             英汉对照(English & Chinese)               


  


Als der bekannte Romanschriftsteller R. frühmorgens von dreitägigem erfrischendem Ausflug ins Gebirge wieder nach Wien zurückkehrte und am Bahnhof eine Zeitung kaufte, wurde er, kaum daß er das Datum überflog, erinnernd gewahr, daß heute sein Geburtstag sei. Der einundvierzigste, besann er sich rasch, und diese Feststellung tat ihm nicht wohl und nicht weh. Flüchtig überblätterte er die knisternden Seiten der Zeitung und fuhr mit einem Mietautomobil in seine Wohnung. Der Diener meldete aus der Zeit seiner Abwesenheit zwei Besuche sowie einige Telephonanrufe und überbrachte auf einem Tablett die angesammelte Post. Lässig sah er den Einlauf an, riß ein paar Kuverts auf, die ihn durch ihre Absender interessierten; einen Brief, der fremde Schriftzüge trug und zu umfangreich schien, schob er zunächst beiseite. Inzwischen war der Tee aufgetragen worden, bequem lehnte er sich in den Fauteuil, durchblätterte noch einmal die Zeitung und einige Drucksachen; dann zündete er sich eine Zigarre an und griff nun nach dem zurückgelegten Briefe.

Es waren etwa zwei Dutzend hastig geschriebene Seiten in fremder, unruhiger Frauenschrift, ein Manuskript eher als ein Brief. Unwillkürlich betastete er noch einmal das Kuvert, ob nicht darin ein Begleitschreiben vergessen geblieben wäre. Aber der Umschlag war leer und trug so wenig wie die Blätter selbst eine Absenderadresse oder eine Unterschrift. Seltsam, dachte er, und nahm das Schreiben wieder zur Hand. »Dir, der Du mich nie gekannt«, stand oben als Anruf, als Überschrift. Verwundert hielt er inne: galt das ihm, galt das einem erträumten Menschen Seine Neugier war plötzlich wach. Und er begann zu lesen:

Mein Kind ist gestern gestorben – drei Tage und drei Nächte habe ich mit dem Tode um dies kleine, zarte Leben gerungen, vierzig Stunden bin ich, während die Grippe seinen armen, heißen Leib in Fieber schüttelte, an seinem Bette gesessen. Ich habe Kühles um seine glühende Stirn getan, ich habe seine unruhigen, kleinen Hände gehalten Tag und Nacht. Am dritten Abend bin ich zusammengebrochen. Meine Augen konnten nicht mehr, sie fielen zu, ohne daß ich es wußte. Drei Stunden oder vier war ich auf dem harten Sessel eingeschlafen, und indes hat der Tod ihn genommen. Nun liegt er dort, der süße arme Knabe, in seinem schmalen Kinderbett, ganz so wie er starb; nur die Augen hat man ihm geschlossen, seine klugen, dunkeln Augen, die Hände über dem weißen Hemd hat man ihm gefaltet, und vier Kerzen brennen hoch an den vier Enden des Bettes. Ich wage nicht hinzusehen, ich wage nicht mich zu rühren, denn wenn sie flackern, die Kerzen, huschen Schatten über sein Gesicht und den verschlossenen Mund, und es ist dann so, als regten sich seine Züge, und ich könnte meinen, er sei nicht tot, er würde wieder erwachen und mit seiner hellen Stimme etwas Kindlich-Zärtliches zu mir sagen. Aber ich weiß es, er ist tot, ich will nicht hinsehen mehr, um nicht noch einmal zu hoffen, nicht noch einmal enttäuscht zu sein. Ich weiß es, ich weiß es, mein Kind ist gestern gestorben – jetzt habe ich nur Dich mehr auf der Welt, nur Dich, der Du von mir nichts weißt, der Du indes ahnungslos spielst oder mit Dingen und Menschen tändelst. Nur Dich, der Du mich nie gekannt und den ich immer geliebt.

Ich habe die fünfte Kerze genommen und hier zu dem Tisch gestellt, auf dem ich an Dich schreibe. Denn ich kann nicht allein sein mit meinem toten Kinde, ohne mir die Seele auszuschreien, und zu wem sollte ich sprechen in dieser entsetzlichen Stunde, wenn nicht zu Dir, der Du mir alles warst und alles bist! Vielleicht kann ich nicht ganz deutlich zu Dir sprechen, vielleicht verstehst Du mich nicht – mein Kopf ist ja ganz dumpf, es zuckt und hämmert mir an den Schläfen, meine Glieder tun so weh. Ich glaube, ich habe Fieber, vielleicht auch schon die Grippe, die jetzt von Tür zu Tür schleicht, und das wäre gut, denn dann ginge ich mit meinem Kinde und müßte nichts tun wider mich. Manchmal wirds mir ganz dunkel vor den Augen, vielleicht kann ich diesen Brief nicht einmal zu Ende schreiben – aber ich will alle Kraft zusammentun, um einmal, nur dieses eine Mal zu Dir zu sprechen, Du mein Geliebter, der Du mich nie erkannt.

Zu Dir allein will ich sprechen, Dir zum erstenmal alles sagen; mein ganzes Leben sollst Du wissen, das immer das Deine gewesen und um das Du nie gewußt. Aber Du sollst mein Geheimnis nur kennen, wenn ich tot bin, wenn Du mir nicht mehr Antwort geben mußt, wenn das, was mir die Glieder jetzt so kalt und heiß schüttelt, wirklich das Ende ist. Muß ich weiterleben, so zerreiße ich diesen Brief und werde weiter schweigen, wie ich immer schwieg. Hältst Du ihn aber in Händen, so weißt Du, daß hier eine Tote Dir ihr Leben erzählt, ihr Leben, das das Deine war von ihrer ersten bis zu ihrer letzten wachen Stunde. Fürchte Dich nicht vor meinen Worten; eine Tote will nichts mehr, sie will nicht Liebe und nicht Mitleid und nicht Tröstung. Nur dies eine will ich von Dir, daß Du mir alles glaubst, was mein zu Dir hinflüchtender Schmerz Dir verrät. Glaube mir alles, nur dies eine bitte ich Dich: man lügt nicht in der Sterbestunde eines einzigen Kindes.

Mein ganzes Leben will ich Dir verraten, dies Leben, das wahrhaft erst begann mit dem Tage, da ich Dich kannte. Vorher war bloß etwas Trübes und Verworrenes, in das mein Erinnern nie mehr hinabtauchte, irgendein Keller von verstaubten, spinnverwebten, dumpfen Dingen und Menschen, von denen mein Herz nichts mehr weiß. Als Du kamst, war ich dreizehn Jahre und wohnte im selben Hause, wo Du jetzt wohnst, in demselben Hause, wo Du diesen Brief, meinen letzten Hauch Leben, in Händen hältst, ich wohnte auf demselben Gange, gerade der Tür Deiner Wohnung gegenüber. Du erinnerst Dich gewiß nicht mehr an uns, an die ärmliche Rechnungsratswitwe (sie ging immer in Trauer) und das halbwüchsige, magere Kind – wir waren ja ganz still, gleichsam hinabgetaucht in unsere kleinbürgerliche Dürftigkeit – Du hast vielleicht nie unseren Namen gehört, denn wir hatten kein Schild auf unserer Wohnungstür, und niemand kam, niemand fragte nach uns. Es ist ja auch schon so lange her, fünfzehn, sechzehn Jahre, nein, Du weißt es gewiß nicht mehr, mein Geliebter, ich aber, oh, ich erinnere mich leidenschaftlich an jede Einzelheit, ich weiß noch wie heute den Tag, nein, die Stunde, da ich zum erstenmal von Dir hörte, Dich zum erstenmal sah, und wie sollte ichs auch nicht, denn damals begann ja die Welt für mich. Dulde, Geliebter, daß ich Dir alles, alles von Anfang erzähle, werde, ich bitte Dich, die eine Viertelstunde von mir zu hören nicht müde, die ich ein Leben lang Dich zu lieben nicht müde geworden bin.

Ehe Du in unser Haus einzogst, wohnten hinter Deiner Tür häßliche, böse, streitsüchtige Leute. Arm wie sie waren, haßten sie am meisten die nachbarliche Armut, die unsere, weil sie nichts gemein haben wollte mit ihrer herabgekommenen, proletarischen Roheit. Der Mann war ein Trunkenbold und schlug seine Frau; oft wachten wir auf in der Nacht vom Getöse fallender Stühle und zerklirrter Teller, einmal lief sie, blutig geschlagen, mit zerfetzten Haaren auf die Treppe, und hinter ihr grölte der Betrunkene, bis die Leute aus den Türen kamen und ihn mit der Polizei bedrohten. Meine Mutter hatte von Anfang an jeden Verkehr mit ihnen vermieden und verbot mir, zu den Kindern zu sprechen, die sich dafür bei jeder Gelegenheit an mir rächten. Wenn sie mich auf der Straße trafen, riefen sie schmutzige Worte hinter mir her und schlugen mich einmal so mit harten Schneeballen, daß mir das Blut von der Stirne lief. Das ganze Haus haßte mit einem gemeinsamen Instinkt diese Menschen, und als plötzlich einmal etwas geschehen war – ich glaube, der Mann wurde wegen eines Diebstahls eingesperrt – und sie mit ihrem Kram ausziehen mußten, atmeten wir alle auf. Ein paar Tage hing der Vermietungszettel am Haustore, dann wurde er heruntergenommen, und durch den Hausmeister verbreitete es sich rasch, ein Schriftsteller, ein einzelner, ruhiger Herr, habe die Wohnung genommen. Damals hörte ich zum erstenmal Deinen Namen.

Nach ein paar Tagen schon kamen Maler, Anstreicher, Zimmerputzer, Tapezierer, die Wohnung nach ihren schmierigen Vorbesitzern reinzufegen, es wurde gehämmert, geklopft, geputzt und gekratzt, aber die Mutter war nur zufrieden damit, sie sagte, jetzt werde endlich die unsaubere Wirtschaft drüben ein Ende haben. Dich selbst bekam ich, auch während der Übersiedlung, noch nicht zu Gesicht: alle diese Arbeiten überwachte Dein Diener, dieser kleine, ernste, grauhaarige Herrschaftsdiener, der alles mit einer leisen, sachlichen Art von oben herab dirigierte. Er imponierte uns allen sehr, erstens, weil in unserem Vorstadthaus ein Herrschaftsdiener etwas ganz Neuartiges war, und dann, weil er zu allen so ungemein höflich war, ohne sich deshalb mit den Dienstboten auf eine Stufe zu stellen und in kameradschaftliche Gespräche einzulassen. Meine Mutter grüßte er vom ersten Tage an respektvoll als eine Dame, sogar zu mir Fratzen war er immer zutraulich und ernst. Wenn er Deinen Namen nannte, so geschah das immer mit einer gewissen Ehrfurcht, mit einem besonderen Respekt – man sah gleich, daß er Dir weit über das Maß des gewohnten Dienens anhing. Und wie habe ich ihn dafür geliebt, den guten alten Johann, obwohl ich ihn beneidete, daß er immer um Dich sein durfte und Dir dienen.

Ich erzähle Dir all das, Du Geliebter, all diese kleinen, fast lächerlichen Dinge, damit Du verstehst, wie Du von Anfang an schon eine solche Macht gewinnen konntest über das scheue, verschüchterte Kind, das ich war. Noch ehe du selbst in mein Leben getreten, war schon ein Nimbus um Dich, eine Sphäre von Reichtum, Sonderbarkeit und Geheimnis – wir alle in dem kleinen Vorstadthaus (Menschen, die ein enges Leben haben, sind ja immer neugierig auf alles Neue vor ihren Türen) warteten schon ungeduldig auf Deinen Einzug. Und diese Neugier nach Dir, wie steigerte sie sich erst bei mir, als ich eines Nachmittags von der Schule nach Hause kam und der Möbelwagen vor dem Hause stand. Das meiste, die schweren Stücke, hatten die Träger schon hinaufbefördert, nun trug man einzeln kleinere Sachen hinauf; ich blieb an der Tür stehen, um alles bestaunen zu können, denn alle Deine Dinge waren so seltsam anders, wie ich sie nie gesehen; es gab da indische Götzen, italienische Skulpturen, ganz grelle, große Bilder, und dann zum Schluß kamen Bücher, so viele und so schöne, wie ich es nie für möglich gehalten. An der Tür wurden sie alle aufgeschichtet, dort übernahm sie der Diener und schlug mit Stock und Wedel vorsichtig den Staub aus jedem einzelnen. Ich schlich neugierig um den immer wachsenden Stoß herum, der Diener wies mich nicht weg, aber er ermutigte mich auch nicht; so wagte ich keines anzurühren, obwohl ich das weiche Leder von manchen gern befühlt hätte. Nur die Titel sah ich scheu von der Seite an: es waren französische, englische darunter und manche in Sprachen, die ich nicht verstand. Ich glaube, ich hätte sie stundenlang alle angesehen: da rief mich die Mutter hinein.

Den ganzen Abend dann mußte ich an Dich denken; noch ehe ich Dich kannte. Ich besaß selbst nur ein Dutzend billige, in zerschlissene Pappe gebundene Bücher, die ich über alles liebte und immer wieder las. Und nun bedrängte mich dies, wie der Mensch sein müßte, der all diese vielen herrlichen Bücher besaß und gelesen hatte, der alle diese Sprachen wußte, der so reich war und so gelehrt zugleich. Eine Art überirdischer Ehrfurcht verband sich mir mit der Idee dieser vielen Bücher. Ich suchte Dich mir im Bilde vorzustellen: Du warst ein alter Mann mit einer Brille und einem weißen langen Bart, ähnlich wie unser Geographieprofessor, nur viel gütiger, schöner und milder – ich weiß nicht, warum ich damals schon gewiß war, Du müßtest schön sein, wo ich noch an Dich wie einen alten Mann dachte. Damals in jener Nacht und noch ohne Dich zu kennen, habe ich das erstemal von Dir geträumt.

Am nächsten Tage zogst Du ein, aber trotz allen Spähens konnte ich Dich nicht zu Gesicht bekommen – das steigerte nur meine Neugier. Endlich, am dritten Tage, sah ich Dich, und wie erschütternd war die Überraschung für mich, daß Du so anders warst, so ganz ohne Beziehung zu dem kindlichen Gottvaterbilde. Einen bebrillten gütigen Greis hatte ich mir geträumt, und da kamst Du – Du, ganz so, wie Du noch heute bist, Du Unwandelbarer, an dem die Jahre lässig abgleiten! Du trugst eine hellbraune, entzükkende Sportdreß und liefst in Deiner unvergleichlich leichten knabenhaften Art die Treppe hinauf, immer zwei Stufen auf einmal nehmend. Den Hut trugst Du in der Hand, so sah ich mit einem gar nicht zu schildernden Erstaunen Dein helles, lebendiges Gesicht mit dem jungen Haar: wirklich, ich erschrak vor Erstaunen, wie jung, wie hübsch, wie federnd-schlank und elegant Du warst. Und ist es nicht seltsam: in dieser ersten Sekunde empfand ich ganz deutlich das, was ich und alle andern an Dir als so einzig mit einer Art Überraschung immer wieder empfinden: daß Du irgendein zwiefacher Mensch bist, ein heißer, leichtlebiger, ganz dem Spiel und dem Abenteuer hingegebener Junge, und gleichzeitig in Deiner Kunst ein unerbittlich ernster, pflichtbewußter, unendlich belesener und gebildeter Mann. Unbewußt empfand ich, was dann jeder bei Dir spürte, daß Du ein Doppelleben führst, ein Leben mit einer hellen, der Welt offen zugekehrten Fläche, und einer ganz dunkeln, die Du nur allein kennst – diese tiefste Zweiheit, das Geheimnis Deiner Existenz, sie fühlte ich, die Dreizehnjährige, magisch angezogen, mit meinem ersten Blick.

Verstehst Du nun schon, Geliebter, was für ein Wunder, was für eine verlockende Rätselhaftigkeit Du für mich, das Kind, sein mußtest! Einen Menschen, vor dem man Ehrfurcht hatte, weil er Bücher schrieb, weil er berühmt war in jener andern großen Welt, plötzlich als einen jungen, eleganten, knabenhaft heiteren, fünfundzwanzigjährigen Mann zu entdecken! Muß ich Dir noch sagen, daß von diesem Tage an in unserem Hause, in meiner ganzen armen Kinderwelt mich nichts interessierte als Du, daß ich mit dem ganzen Starrsinn, der ganzen bohrenden Beharrlichkeit einer Dreizehnjährigen nur mehr um Dein Leben, um Deine Existenz herumging. Ich beobachtete Dich, ich beobachtete Deine Gewohnheiten, beobachtete die Menschen, die zu Dir kamen, und all das vermehrte nur, statt sie zu mindern, meine Neugier nach Dir selbst, denn die ganze Zwiefältigkeit Deines Wesens drückte sich in der Verschiedenheit dieser Besuche aus. Da kamen junge Menschen, Kameraden von Dir, mit denen Du lachtest und übermütig warst, abgerissene Studenten, und dann wieder Damen, die in Autos vorfuhren, einmal der Direktor der Oper, der große Dirigent, den ich ehrfürchtig nur am Pulte von fern gesehen, dann wieder kleine Mädel, die noch in die Handelsschule gingen und verlegen in die Tür hineinhuschten, überhaupt viel, sehr viel Frauen. Ich dachte mir nichts Besonderes dabei, auch nicht, als ich eines Morgens, wie ich zur Schule ging, eine Dame ganz verschleiert von Dir weggehen sah – ich war ja erst dreizehn Jahre alt, und die leidenschaftliche Neugier, mit der ich Dich umspähte und belauerte, wußte im Kinde noch nicht, daß sie schon Liebe war.

Aber ich weiß noch genau, mein Geliebter, den Tag und die Stunde, wann ich ganz und für immer an Dich verloren war. Ich hatte mit einer Schulfreundin einen Spaziergang gemacht, wir standen plaudernd vor dem Tor. Da kam ein Auto angefahren, hielt an, und schon sprangst Du mit Deiner ungeduldigen, elastischen Art, die mich noch heute an Dir immer hinreißt, vom Trittbrett und wolltest in die Tür. Unwillkürlich zwang es mich, Dir die Tür aufzumachen, und so trat ich Dir in den Weg, daß wir fast zusammengerieten. Du sahst mich an mit jenem warmen, weichen, einhüllenden Blick, der wie eine Zärtlichkeit war, lächeltest mir – ja, ich kann es nicht anders sagen als: zärtlich zu und sagtest mit einer ganz leisen und fast vertraulichen Stimme: »Danke vielmals, Fräulein.«

Das war alles, Geliebter; aber von dieser Sekunde, seit ich diesen weichen, zärtlichen Blick gespürt, war ich Dir verfallen. Ich habe ja später, habe es bald erfahren, daß Du diesen umfangenden, an Dich ziehenden, diesen umhüllenden und doch zugleich entkleidenden Blick, diesen Blick des gebornen Verführers, jeder Frau hingibst, die an Dich streift, jedem Ladenmädchen, das Dir verkauft, jedem Stubenmädchen, das Dir die Tür öffnet, daß dieser Blick bei Dir gar nicht bewußt ist als Wille und Neigung, sondern daß Deine Zärtlichkeit zu Frauen ganz unbewußt Deinen Blick weich und warm werden läßt, wenn er sich ihnen zuwendet. Aber ich, das dreizehnjährige Kind, ahnte das nicht: ich war wie in Feuer getaucht. Ich glaubte, die Zärtlichkeit gelte nur mir, nur mir allein, und in dieser einen Sekunde war die Frau in mir, der Halbwüchsigen, erwacht und war diese Frau Dir für immer verfallen.

»Wer war das?« fragte meine Freundin. Ich konnte ihr nicht gleich antworten. Es war mir unmöglich, Deinen Namen zu nennen: schon in dieser einen, dieser einzigen Sekunde war er mir heilig, war er mein Geheimnis geworden. »Ach, irgendein Herr, der hier im Hause wohnt«, stammelte ich dann ungeschickt heraus. »Aber warum bist du denn so rot geworden, wie er dich angeschaut hat?« spottete die Freundin mit der ganzen Bosheit eines neugierigen Kindes. Und eben weil ich fühlte, daß sie an mein Geheimnis spottend rühre, fuhr mir das Blut noch heißer in die Wangen. Ich wurde grob aus Verlegenheit. »Blöde Gans«, sagte ich wild: am liebsten hätte ich sie erdrosselt. Aber sie lachte nur noch lauter und höhnischer, bis ich fühlte, daß mir die Tränen in die Augen schossen vor ohnmächtigem Zorn. Ich ließ sie stehen und lief hinauf.

Von dieser Sekunde an habe ich Dich geliebt. Ich weiß, Frauen haben Dir, dem Verwöhnten, oft dieses Wort gesagt. Aber glaube mir, niemand hat Dich so sklavisch, so hündisch, so hingebungsvoll geliebt wie dieses Wesen, das ich war und das ich für Dich immer geblieben bin, denn nichts auf Erden gleicht der unbemerkten Liebe eines Kindes aus dem Dunkel, weil sie so hoffnungslos, so dienend, so unterwürfig, so lauernd und leidenschaftlich ist, wie niemals die begehrende und unbewußt doch fordernde Liebe einer erwachsenen Frau. Nur einsame Kinder können ganz ihre Leidenschaft zusammenhalten: die andern zerschwätzen ihr Gefühl in Geselligkeit, schleifen es ab in Vertraulichkeiten, sie haben von Liebe viel gehört und gelesen und wissen, daß sie ein gemeinsames Schicksal ist. Sie spielen damit, wie mit einem Spielzeug, sie prahlen damit, wie Knaben mit ihrer ersten Zigarette.

Aber ich, ich hatte ja niemand, um mich anzuvertrauen, war von keinem belehrt und gewarnt, war unerfahren und ahnungslos: ich stürzte hinein in mein Schicksal wie in einen Abgrund. Alles, was in mir wuchs und aufbrach, wußte nur Dich, den Traum von Dir, als Vertrauten: mein Vater war längst gestorben, die Mutter mir fremd in ihrer ewig unheiteren Bedrücktheit und Pensionistenängstlichkeit, die halbverdorbenen Schulmädchen stießen mich ab, weil sie so leichtfertig mit dem spielten, was mir letzte Leidenschaft war – so warf ich alles, was sich sonst zersplittert und verteilt, warf ich mein ganzes zusammengepreßtes und immer wieder ungeduldig aufquellendes Wesen Dir entgegen. Du warst mir – wie soll ich es Dir sagen? jeder einzelne Vergleich ist zu gering – Du warst eben alles, mein ganzes Leben. Alles existierte nur insofern, als es Bezug hatte auf Dich, alles in meiner Existenz hatte nur Sinn, wenn es mit Dir verbunden war. Du verwandeltest mein ganzes Leben. Bisher gleichgültig und mittelmäßig in der Schule, wurde ich plötzlich die Erste, ich las tausend Bücher bis tief in die Nacht, weil ich wußte, daß Du die Bücher liebtest, ich begann, zum Erstaunen meiner Mutter, plötzlich mit fast störrischer Beharrlichkeit Klavier zu üben, weil ich glaubte, Du liebtest Musik. Ich putzte und nähte an meinen Kleidern, nur um gefällig und proper vor Dir auszusehen, und daß ich an meiner alten Schulschürze (sie war ein zugeschnittenes Hauskleid meiner Mutter) links einen eingesetzten viereckigen Fleck hatte, war mir entsetzlich. Ich fürchtete, Du könntest ihn bemerken und mich verachten; darum drückte ich immer die Schultasche darauf, wenn ich die Treppe hinauflief, zitternd vor Angst, Du würdest ihn sehen. Aber wie töricht war das: Du hast mich ja nie, fast nie mehr angesehen.

Und doch: ich tat eigentlich den ganzen Tag nichts als auf Dich warten und Dich belauern. An unserer Tür war ein kleines messingenes Guckloch, durch dessen kreisrunden Ausschnitt man hinüber auf Deine Tür sehen konnte. Dieses Guckloch – nein, lächle nicht, Geliebter, noch heute, noch heute schäme ich mich jener Stunden nicht! – war mein Auge in die Welt hinaus, dort, im eiskalten Vorzimmer, scheu vor dem Argwohn der Mutter, saß ich in jenen Monaten und Jahren, ein Buch in der Hand, ganze Nachmittage auf der Lauer, gespannt wie eine Saite und klingend, wenn Deine Gegenwart sie berührte. Ich war immer um Dich, immer in Spannung und Bewegung; aber Du konntest es so wenig fühlen wie die Spannung der Uhrfeder, die Du in der Tasche trägst und die geduldig im Dunkel Deine Stunden zählt und mißt, Deine Wege mit unhörbarem Herzpochen begleitet und auf die nur einmal in Millionen tickender Sekunden Dein hastiger Blick fällt. Ich wußte alles von Dir, kannte jede Deiner Gewohnheiten, jede Deiner Krawatten, jeden Deiner Anzüge, ich kannte und unterschied bald Deine einzelnen Bekannten und teilte sie in solche, die mir lieb, und solche, die mir widrig waren: von meinem dreizehnten bis zu meinem sechzehnten Jahre habe ich jede Stunde in Dir gelebt. Ach, was für Torheiten habe ich begangen! Ich küßte die Türklinke, die Deine Hand berührt hatte, ich stahl einen Zigarrenstummel, den Du vor dem Eintreten weggeworfen hattest, und er war mir heilig, weil Deine Lippen daran gerührt. Hundertmal lief ich abends unter irgendeinem Vorwand hinab auf die Gasse, um zu sehen, in welchem Deiner Zimmer Licht brenne, und so Deine Gegenwart, Deine unsichtbare, wissender zu fühlen. Und in den Wochen, wo Du verreist warst – mir stockt immer das Herz vor Angst, wenn ich den guten Johann Deine gelbe Reisetasche hinabtragen sah –, in diesen Wochen war mein Leben tot und ohne Sinn. Mürrisch, gelangweilt, böse ging ich herum und mußte nur immer achtgeben, daß die Mutter an meinen verweinten Augen nicht meine Verzweiflung merke.

Ich weiß, das sind alles groteske Überschwänge, kindische Torheiten, die ich Dir da erzähle. Ich sollte mich ihrer schämen, aber ich schäme mich nicht, denn nie war meine Liebe zu Dir reiner und leidenschaftlicher als in diesen kindlichen Exzessen. Stundenlang, tagelang könnte ich Dir erzählen, wie ich damals mit Dir gelebt, der Du mich kaum von Angesicht kanntest, denn begegnete ich Dir auf der Treppe und gab es kein Ausweichen, so lief ich, aus Furcht vor Deinem brennenden Blick, mit gesenktem Kopf an Dir vorbei wie einer, der ins Wasser stürzt, nur daß mich das Feuer nicht versenge. Stundenlang, tagelang könnte ich Dir von jenen Dir längst entschwundenen Jahren erzählen, den ganzen Kalender Deines Lebens aufrollen; aber ich will Dich nicht langweilen, will Dich nicht quälen. Nur das schönste Erlebnis meiner Kindheit will ich Dir noch anvertrauen, und ich bitte Dich, nicht zu spotten, weil es ein so Geringes ist, denn mir, dem Kinde, war es eine Unendlichkeit. An einem Sonntag muß es gewesen sein. Du warst verreist, und Dein Diener schleppte die schweren Teppiche, die er geklopft hatte, durch die offene Wohnungstür. Er trug schwer daran, der Gute, und in einem Anfall von Verwegenheit ging ich zu ihm und fragte, ob ich ihm nicht helfen könnte. Er war erstaunt, aber ließ mich gewähren, und so sah ich – vermöchte ich Dirs doch nur zu sagen, mit welcher ehrfürchtigen, ja frommen Verehrung! – Deine Wohnung von innen, Deine Welt, den Schreibtisch, an dem Du zu sitzen pflegtest und auf dem in einer blauen Kristallvase ein paar Blumen standen, Deine Schränke, Deine Bilder, Deine Bücher. Nur ein flüchtiger, diebischer Blick war es in Dein Leben, denn Johann, der Getreue, hätte mir gewiß genaue Betrachtung gewehrt, aber ich sog mit diesem einen Blick die ganze Atmosphäre ein und hatte Nahrung für meine unendlichen Träume von Dir im Wachen und Schlaf.

Dies, diese rasche Minute, sie war die glücklichste meiner Kindheit. Sie wollte ich Dir erzählen, damit Du, der Du mich nicht kennst, endlich zu ahnen beginnst, wie ein Leben an Dir hing und verging. Sie wollte ich Dir erzählen und jene andere noch, die fürchterlichste Stunde, die jener leider so nachbarlich war. Ich hatte – ich sagte es Dir ja schon – um Deinetwillen an alles vergessen, ich hatte auf meine Mutter nicht acht und kümmerte mich um niemanden. Ich merkte nicht, daß ein älterer Herr, ein Kaufmann aus Innsbruck, der mit meiner Mutter entfernt verschwägert war, öfter kam und länger blieb, ja, es war mir nur angenehm, denn er führte Mama manchmal in das Theater, und ich konnte allein bleiben, an Dich denken, auf Dich lauern, was ja meine höchste, meine einzige Seligkeit war. Eines Tages nun rief mich die Mutter mit einer gewissen Umständlichkeit in ihr Zimmer; sie hätte ernst mit mir zu sprechen. Ich wurde blaß und hörte mein Herz plötzlich hämmern: sollte sie etwas geahnt, etwas erraten haben? Mein erster Gedanke warst Du, das Geheimnis, das mich mit der Welt verband. Aber die Mutter war selbst verlegen, sie küßte mich (was sie sonst nie tat) zärtlich einund zweimal, sie zog mich auf das Sofa zu sich und begann dann zögernd und verschämt zu erzählen, ihr Verwandter, der Witwer sei, habe ihr einen Heiratsantrag gemacht, und sie sei, hauptsächlich um meinetwillen, entschlossen, ihn anzunehmen. Heißer stieg mir das Blut zum Herzen: nur ein Gedanke antwortete von innen, der Gedanke an Dich. »Aber wir bleiben doch hier?« konnte ich gerade noch stammeln. »Nein, wir ziehen nach Innsbruck, dort hat Ferdinand eine schöne Villa.« Mehr hörte ich nicht. Mir ward schwarz vor den Augen. Später wußte ich, daß ich in Ohnmacht gefallen war; ich sei, hörte ich die Mutter dem Stiefvater leise erzählen, der hinter der Tür gewartet hatte, plötzlich mit aufgespreizten Händen zurückgefahren und dann hingestürzt wie ein Klumpen Blei. Was dann in den nächsten Tagen geschah, wie ich mich, ein machtloses Kind, wehrte gegen ihren übermächtigen Willen, das kann ich Dir nicht schildern: noch jetzt zittert mir, da ich daran denke, die Hand im Schreiben. Mein wirkliches Geheimnis konnte ich nicht verraten, so schien meine Gegenwehr bloß Starrsinn, Bosheit und Trotz. Niemand sprach mehr mit mir, alles geschah hinterrücks. Man nutzte die Stunden, da ich in der Schule war, um die Übersiedlung zu fördern: kam ich dann nach Hause, so war immer wieder ein anderes Stück verräumt oder verkauft. Ich sah, wie die Wohnung und damit mein Leben verfiel, und einmal, als ich zum Mittagessen kam, waren die Möbelpacker dagewesen und hatten alles weggeschleppt. In den leeren Zimmern standen die gepackten Koffer und zwei Feldbetten für die Mutter und mich: da sollten wir noch eine Nacht schlafen, die letzte, und morgen nach Innsbruck reisen.

An diesem letzten Tag fühlte ich mit plötzlicher Entschlossenheit, daß ich nicht mehr leben konnte ohne Deine Nähe. Ich wußte keine andere Rettung als Dich. Wie ich mirs dachte und ob ich überhaupt klar in diesen Stunden der Verzweiflung zu denken vermochte, das werde ich nie sagen können, aber plötzlich – die Mutter war fort – stand ich auf im Schulkleid, wie ich war, und ging hinüber zu Dir. Nein, ich ging nicht: es stieß mich mit steifen Beinen, mit zitternden Gelenken magnetisch fort zu Deiner Tür. Ich sagte Dir schon, ich wußte nicht deutlich, was ich wollte: Dir zu Füßen fallen und Dich bitten, mich zu behalten als Magd, als Sklavin, und ich fürchte, Du wirst lächeln über diesen unschuldigen Fanatismus einer Fünfzehnjährigen, aber – Geliebter, Du würdest nicht mehr lächeln, wüßtest Du, wie ich damals draußen im eiskalten Gange stand, starr vor Angst und doch vorwärts gestoßen von einer unfaßbaren Macht, und wie ich den Arm, den zitternden, mir gewissermaßen vom Leib losriß, daß er sich hob und – es war ein Kampf durch die Ewigkeit entsetzlicher Sekunden – den Finger auf den Knopf der Türklingel drückte. Noch heute gellts mir im Ohr, dies schrille Klingelzeichen, und dann die Stille danach, wo mir das Herz stillstand, wo mein ganzes Blut anhielt und nur lauschte, ob Du kämest.

Aber du kamst nicht. Niemand kam. Du warst offenbar fort an jenem Nachmittage und Johann auf Besorgung; so tappte ich, den toten Ton der Klingel im dröhnenden Ohr, in unsere zerstörte, ausgeräumte Wohnung zurück und warf mich erschöpft auf einen Plaid, müde von den vier Schritten, als ob ich stundenlang durch tiefen Schnee gegangen sei. Aber unter dieser Erschöpfung glühte noch unverlöscht die Entschlossenheit, Dich zu sehen, Dich zu sprechen, ehe sie mich wegrissen. Es war, ich schwöre es Dir, kein sinnlicher Gedanke dabei, ich war noch unwissend, eben weil ich an nichts dachte als an Dich: nur sehen wollte ich Dich, einmal noch sehen, mich anklammern an Dich. Die ganze Nacht, die ganze lange, entsetzliche Nacht habe ich dann, Geliebter, auf Dich gewartet. Kaum daß die Mutter sich in ihr Bett gelegt hatte und eingeschlafen war, schlich ich in das Vorzimmer hinaus, um zu horchen, wann Du nach Hause kämest. Die ganze Nacht habe ich gewartet, und es war eine eisige Januarnacht. Ich war müde, meine Glieder schmerzten mich, und es war kein Sessel mehr, mich hinzusetzen: so legte ich mich flach auf den kalten Boden, über den der Zug von der Tür hinstrich. Nur in meinem dünnen Kleide lag ich auf dem schmerzenden kalten Boden, denn ich nahm keine Decke; ich wollte es nicht warm haben, aus Furcht, einzuschlafen und Deinen Schritt zu überhören. Es tat weh, meine Füße preßte ich im Krampfe zusammen, meine Arme zitterten: ich mußte immer wieder aufstehen, so kalt war es im entsetzlichen Dunkel. Aber ich wartete, wartete, wartete auf Dich wie auf mein Schicksal.

Endlich – es muß schon zwei oder drei Uhr morgens gewesen sein – hörte ich unten das Haustor aufsperren und dann Schritte die Treppe hinauf. Wie abgesprungen war die Kälte von mir, heiß überflogs mich, leise machte ich die Tür auf, um Dir entgegenzustürzen, Dir zu Füßen zu fallen … Ach, ich weiß ja nicht, was ein törichtes Kind damals getan hätte. Die Schritte kamen näher, Kerzenlicht flackte herauf. Zitternd hielt ich die Klinke. Warst Du es, der da kam?

Ja, Du warst es, Geliebter – aber Du warst nicht allein. Ich hörte ein leises, kitzliches Lachen, irgendein streifendes seidenes Kleid und leise Deine Stimme – Du kamst mit einer Frau nach Hause …

Wie ich diese Nacht überleben konnte, weiß ich nicht. Am nächsten Morgen, um acht Uhr, schleppten sie mich nach Innsbruck; ich hatte keine Kraft mehr, mich zu wehren.

 

Mein Kind ist gestern nacht gestorben – nun werde ich wieder allein sein, wenn ich wirklich weiterleben muß. Morgen werden sie kommen, fremde, schwarze, ungeschlachte Männer, und einen Sarg bringen, werden es hineinlegen, mein armes, mein einziges Kind. Vielleicht kommen auch Freunde und bringen Kränze, aber was sind Blumen auf einem Sarg? Sie werden mich trösten und mir irgendwelche Worte sagen, Worte, Worte; aber was können sie mir helfen Ich weiß, ich muß dann doch wieder allein sein. Und es gibt nichts Entsetzlicheres, als Alleinsein unter den Menschen. Damals habe ich es erfahren, damals in jenen unendlichen zwei Jahren in Innsbruck, jenen Jahren von meinem sechzehnten bis zu meinem achtzehnten, wo ich wie eine Gefangene, eine Verstoßene zwischen meiner Familie lebte. Der Stiefvater, ein sehr ruhiger, wortkarger Mann, war gut zu mir, meine Mutter schien, wie um ein unbewußtes Unrecht zu sühnen, allen meinen Wünschen bereit, junge Menschen bemühten sich um mich, aber ich stieß sie alle in einem leidenschaftlichen Trotz zurück. Ich wollte nicht glücklich, nicht zufrieden leben abseits von Dir, ich grub mich selbst in eine finstere Welt von Selbstqual und Einsamkeit. Die neuen, bunten Kleider, die sie mir kauften, zog ich nicht an, ich weigerte mich, in Konzerte, in Theater zu gehen oder Ausflüge in heiterer Gesellschaft mitzumachen. Kaum daß ich je die Gasse betrat: würdest Du es glauben, Geliebter, daß ich von dieser kleinen Stadt, in der ich zwei Jahre gelebt, keine zehn Straßen kenne? Ich trauerte und ich wollte trauern, ich berauschte mich an jeder Entbehrung, die ich mir zu der Deines Anblicks noch auferlegte. Und dann: ich wollte mich nicht ablenken lassen von meiner Leidenschaft, nur in Dir zu leben. Ich saß allein zu Hause, stundenlang, tagelang, und tat nichts, als an Dich zu denken, immer wieder, immer wieder die hundert kleinen Erinnerungen an Dich, jede Begegnung, jedes Warten, mir zu erneuern, mir diese kleinen Episoden vorzuspielen wie im Theater. Und darum, weil ich jede der Sekunden von einst mir unzählige Male wiederholte, ist auch meine ganze Kindheit mir in so brennender Erinnerung geblieben, daß ich jede Minute jener vergangenen Jahre so heiß und springend fühle, als wäre sie gestern durch mein Blut gefahren.

Nur in Dir habe ich damals gelebt. Ich kaufte mir alle Deine Bücher; wenn Dein Name in der Zeitung stand, war es ein festlicher Tag. Willst Du es glauben, daß ich jede Zeile aus Deinen Büchern auswendig kann, so oft habe ich sie gelesen? Würde mich einer nachts aus dem Schlaf aufwecken und eine losgerissene Zeile aus ihnen mir vorsprechen, ich könnte sie heute noch, heute noch nach dreizehn Jahren, weitersprechen wie im Traum: so war jedes Wort von Dir mir Evangelium und Gebet. Die ganze Welt, sie existierte nur in Beziehung auf Dich: ich las in den Wiener Zeitungen die Konzerte, die Premieren nach, nur mit dem Gedanken, welche Dich davon interessieren möchten, und wenn es Abend wurde, begleitete ich Dich von ferne: jetzt tritt er in den Saal, jetzt setzt er sich nieder. Tausendmal träumte ich das, weil ich Dich ein einziges Mal in einem Konzert gesehen.

Aber wozu all dies erzählen, diesen rasenden, gegen sich selbst wütenden, diesen so tragischen hoffnungslosen Fanatismus eines verlassenen Kindes, wozu es einem erzählen, der es nie geahnt, der es nie gewußt Doch war ich damals wirklich noch ein Kind? Ich wurde siebzehn, wurde achtzehn Jahre – die jungen Leute begannen sich auf der Straße nach mir umzublicken, doch sie erbitterten mich nur. Denn Liebe oder auch nur ein Spiel mit Liebe im Gedanken an jemanden andern als an Dich, das war mir so unerfindlich, so unausdenklich fremd, ja die Versuchung schon wäre mir als ein Verbrechen erschienen. Meine Leidenschaft zu Dir blieb dieselbe, nur daß sie anders ward mit meinem Körper, mit meinen wacheren Sinnen, glühender, körperlicher, frauenhafter. Und was das Kind in seinem dumpfen unbelehrten Willen, das Kind, das damals die Klingel Deiner Türe zog, nicht ahnen konnte, das war jetzt mein einziger Gedanke: mich Dir zu schenken, mich Dir hinzugeben.

Die Menschen um mich vermeinten mich scheu, nannten mich schüchtern (ich hatte mein Geheimnis verbissen hinter den Zähnen). Aber in mir wuchs ein eiserner Wille. Mein ganzes Denken und Trachten war in eine Richtung gespannt: zurück nach Wien, zurück zu Dir. Und ich erzwang meinen Willen, so unsinnig, so unbegreiflich er den andern scheinen mochte. Mein Stiefvater war vermögend, er betrachtete mich als sein eigenes Kind. Aber ich drang in erbittertem Starrsinn darauf, ich wolle mir mein Geld selbst verdienen, und erreichte es endlich, daß ich in Wien zu einem Verwandten als Angestellte eines großen Konfektionsgeschäftes kam.

Muß ich Dir sagen, wohin mein erster Weg ging, als ich an einem nebligen Herbstabend – endlich! endlich! – in Wien ankam? Ich ließ die Koffer an der Bahn, stürzte mich in eine Straßenbahn – wie langsam schien sie mir zu fahren, jede Haltestelle erbitterte mich – und lief vor das Haus. Deine Fenster waren erleuchtet, mein ganzes Herz klang. Nun erst lebte die Stadt, die mich so fremd, so sinnlos umbraust hatte, nun erst lebte ich wieder, da ich Dich nahe ahnte, Dich, meinen ewigen Traum. Ich ahnte ja nicht, daß ich in Wirklichkeit Deinem Bewußtsein ebenso ferne war hinter Tälern, Bergen und Flüssen als nun, da nur die dünne leuchtende Glasscheibe Deines Fensters zwischen Dir war und meinem aufstrahlenden Blick. Ich sah nur empor und empor: da war Licht, da war das Haus, da warst Du, da war meine Welt. Zwei Jahre hatte ich von dieser Stunde geträumt, nun war sie mir geschenkt. Ich stand den langen, weichen, verhangenen Abend vor Deinen Fenstern, bis das Licht erlosch. Dann suchte ich erst mein Heim.

Jeden Abend stand ich dann so vor Deinem Haus. Bis sechs Uhr hatte ich Dienst im Geschäft, harten, anstrengenden Dienst, aber er war mir lieb, denn diese Unruhe ließ mich die eigene nicht so schmerzhaft fühlen. Und geradewegs, sobald die eisernen Rollbalken hinter mir niederdröhnten, lief ich zu dem geliebten Ziel. Nur Dich einmal sehen, nur einmal Dir begegnen, das war mein einziger Wille, nur wieder einmal mit dem Blick Dein Gesicht umfassen dürfen von ferne. Etwa nach einer Woche geschahs dann endlich, daß ich Dir begegnete, und zwar gerade in einem Augenblick, wo ichs nicht vermutete: während ich eben hinauf zu Deinen Fenstern spähte, kamst Du quer über die Straße. Und plötzlich war ich wieder das Kind, das dreizehnjährige, ich fühlte, wie das Blut mir in die Wangen schoß; unwillkürlich, wider meinen innersten Drang, der sich sehnte, Deine Augen zu fühlen, senkte ich den Kopf und lief blitzschnell wie gehetzt an Dir vorbei. Nachher schämte ich mich dieser schulmädelhaften scheuen Flucht, denn jetzt war mein Wille mir doch klar: ich wollte Dir ja begegnen, ich suchte Dich, ich wollte von Dir erkannt sein nach all den sehnsüchtig verdämmerten Jahren, wollte von Dir beachtet, wollte von Dir geliebt sein.

Aber Du bemerktest mich lange nicht, obzwar ich jeden Abend, auch bei Schneegestöber und in dem scharfen, schneidenden Wiener Wind in Deiner Gasse stand. Oft wartete ich stundenlang vergebens, oft gingst Du dann endlich vom Hause in Begleitung von Bekannten fort, zweimal sah ich Dich auch mit Frauen, und nun empfand ich mein Erwachsensein, empfand das Neue, Andere meines Gefühls zu Dir an dem plötzlichen Herzzucken, das mir quer die Seele zerriß, als ich eine fremde Frau so sicher Arm in Arm mit Dir hingehen sah. Ich war nicht überrascht, ich kannte ja diese Deine ewigen Besucherinnen aus meinen Kindertagen schon, aber jetzt tat es mir mit einmal irgendwie körperlich weh, etwas spannte sich in mir, gleichzeitig feindlich und mitverlangend gegen diese offensichtliche, diese fleischliche Vertrautheit mit einer andern. Einen Tag blieb ich, kindlich stolz wie ich war und vielleicht jetzt noch geblieben bin, von Deinem Hause weg: aber wie entsetzlich war dieser leere Abend des Trotzes und der Auflehnung. Am nächsten Abend stand ich schon wieder demütig vor Deinem Hause wartend, wartend, wie ich mein ganzes Schicksal lang vor Deinem verschlossenen Leben gestanden bin.

Und endlich, an einem Abend bemerktest Du mich. Ich hatte Dich schon von ferne kommen sehen und straffte meinen Willen zusammen, Dir nicht auszuweichen. Der Zufall wollte, daß durch einen abzuladenden Wagen die Straße verengert war und Du ganz an mir vorbei mußtest. Unwillkürlich streifte mich Dein zerstreuter Blick, um sofort, kaum daß er der Aufmerksamkeit des meinen begegnete – wie erschrak die Erinnerung in mir! –, jener Dein Frauenblick, jener zärtliche, hüllende und gleichzeitig enthüllende, jener umfangende und schon fassende Blick zu werden, der mich, das Kind, zum erstenmal zur Frau, zur Liebenden erweckt. Ein, zwei Sekunden lang hielt dieser Blick so den meinen, der sich nicht wegreißen konnte und wollte – dann warst Du an mir vorbei. Mir schlug das Herz: unwillkürlich mußte ich meinen Schritt verlangsamen, und wie ich aus einer nicht zu bezwingenden Neugier mich umwandte, sah ich, daß Du stehengeblieben warst und mir nachsahst. Und an der Art, wie Du neugierig interessiert mich beobachtetest, wußte ich sofort: Du erkanntest mich nicht.

Du erkanntest mich nicht, damals nicht, nie, nie hast Du mich erkannt. Wie soll ich Dir, Geliebter, die Enttäuschung jener Sekunde schildern – damals war es ja das erstemal, daß ichs erlitt, dies Schicksal, von Dir nicht erkannt zu sein, das ich ein Leben durchlebt habe, und mit dem ich sterbe; unerkannt, immer noch unerkannt von Dir. Wie soll ich sie Dir schildern, diese Enttäuschung! Denn sieh, in diesen zwei Jahren in Innsbruck, wo ich jede Stunde an Dich dachte und nichts tat, als mir unsere erste Wiederbegegnung in Wien auszudenken, da hatte ich die wildesten Möglichkeiten neben den seligsten, je nach dem Zustand meiner Laune, ausgeträumt. Alles war, wenn ich so sagen darf, durchgeträumt; ich hatte mir in finstern Momenten vorgestellt, Du würdest mich zurückstoßen, würdest mich verachten, weil ich zu gering, zu häßlich, zu aufdringlich sei. Alle Formen Deiner Mißgunst, Deiner Kälte, Deiner Gleichgültigkeit, sie alle hatte ich durchgewandelt in leidenschaftlichen Visionen – aber dies, dies eine hatte ich in keiner finstern Regung des Gemüts, nicht im äußersten Bewußtsein meiner Minderwertigkeit in Betracht zu ziehen gewagt, dies Entsetzlichste: daß Du überhaupt von meiner Existenz nichts bemerkt hattest. Heute verstehe ich es ja – ach, Du hast michs verstehen gelehrt! –, daß das Gesicht eines Mädchens, einer Frau etwas ungemein Wandelhaftes sein muß für einen Mann, weil es meist nur Spiegel ist, bald einer Leidenschaft, bald einer Kindlichkeit, bald eines Müdeseins, und so leicht verfließt wie ein Bildnis im Spiegel, daß also ein Mann leichter das Antlitz einer Frau verlieren kann, weil das Alter darin durchwandelt mit Schatten und Licht, weil die Kleidung es von einemmal zum andern anders rahmt. Die Resignierten, sie sind ja erst die wahren Wissenden. Aber ich, das Mädchen von damals, ich konnte Deine Vergeßlichkeit noch nicht fassen, denn irgendwie war aus meiner maßlosen, unaufhörlichen Beschäftigung mit Dir der Wahn in mich gefahren, auch Du müßtest meiner oft gedenken und auf mich warten; wie hätte ich auch nur atmen können mit der Gewißheit, ich sei Dir nichts, nie rühre ein Erinnern an mich Dich leise an! Und dies Erwachen vor Deinem Blick, der mir zeigte, daß nichts in Dir mich mehr kannte, kein Spinnfaden Erinnerung von Deinem Leben hinreiche zu meinem, das war ein erster Sturz hinab in die Wirklichkeit, eine erste Ahnung meines Schicksals.

Du erkanntest mich nicht damals. Und als zwei Tage später Dein Blick mit einer gewissen Vertrautheit bei erneuter Begegnung mich umfing, da erkanntest Du mich wiederum nicht als die, die Dich geliebt und die Du erweckt, sondern bloß als das hübsche achtzehnjährige Mädchen, das Dir vor zwei Tagen an der gleichen Stelle entgegengetreten. Du sahst mich freundlich überrascht an, ein leichtes Lächeln umspielte Deinen Mund. Wieder gingst Du an mir vorbei und wieder den Schritt sofort verlangsamend: ich zitterte, ich jauchzte, ich betete, Du würdest mich ansprechen. Ich fühlte, daß ich zum erstenmal für Dich lebendig war: auch ich verlangsamte den Schritt, ich wich Dir nicht aus. Und plötzlich spürte ich Dich hinter mir, ohne mich umzuwenden, ich wußte, nun würde ich zum erstenmal Deine geliebte Stimme an mich gerichtet hören. Wie eine Lähmung war die Erwartung in mir, schon fürchtete ich stehenbleiben zu müssen, so hämmerte mir das Herz – da tratest Du an meine Seite. Du sprachst mich an mit Deiner leichten heitern Art, als wären wir lange befreundet – ach, Du ahntest mich ja nicht, nie hast Du etwas von meinem Leben geahnt! – so zauberhaft unbefangen sprachst Du mich an, daß ich Dir sogar zu antworten vermochte. Wir gingen zusammen die ganze Gasse entlang. Dann fragtest Du mich, ob wir gemeinsam speisen wollten. Ich sagte ja. Was hätte ich Dir gewagt zu verneinen?

Wir speisten zusammen in einem kleinen Restaurant – weißt Du noch, wo es war? Ach nein, Du unterscheidest es gewiß nicht mehr von andern solchen Abenden, denn wer war ich Dir? Eine unter Hunderten, ein Abenteuer in einer ewig fortgeknüpften Kette. Was sollte Dich auch an mich erinnern: ich sprach ja wenig, weil es mir so unendlich beglückend war, Dich nahe zu haben, Dich zu mir sprechen zu hören. Keinen Augenblick davon wollte ich durch eine Frage, durch ein törichtes Wort vergeuden. Nie werde ich Dir von dieser Stunde dankbar vergessen, wie voll Du meine leidenschaftliche Ehrfurcht erfülltest, wie zart, wie leicht, wie taktvoll Du warst, ganz ohne Zudringlichkeit, ganz ohne jene eiligen karessanten Zärtlichkeiten, und vom ersten Augenblick von einer so sicheren freundschaftlichen Vertrautheit, daß Du mich auch gewonnen hättest, wäre ich nicht schon langst mit meinem ganzen Willen und Wesen Dein gewesen. Ach, Du weißt ja nicht, ein wie Ungeheures Du erfülltest, indem Du mir fünf Jahre kindischer Erwartung nicht enttäuschtest!

Es wurde spät, wir brachen auf. An der Tür des Restaurants fragtest Du mich, ob ich eilig wäre oder noch Zeit hätte. Wie hätte ichs verschweigen können, daß ich Dir bereit sei! Ich sagte, ich hätte noch Zeit, Dann fragtest Du, ein leises Zögern rasch überspringend, ob ich nicht noch ein wenig zu Dir kommen wollte, um zu plaudern. »Gerne«, sagte ich ganz aus der Selbstverständlichkeit meines Fühlens heraus und merkte sofort, daß Du von der Raschheit meiner Zusage irgendwie peinlich oder freudig berührt warst, jedenfalls aber sichtlich überrascht. Heute verstehe ich ja dies Dein Erstaunen; ich weiß, es ist bei Frauen üblich, auch wenn das Verlangen nach Hingabe in einer brennend ist, diese Bereitschaft zu verleugnen, ein Erschrecken vorzutäuschen oder eine Entrüstung, die durch eindringliche Bitte, durch Lügen, Schwüre und Versprechen erst beschwichtigt sein will. Ich weiß, daß vielleicht nur die Professionellen der Liebe, die Dirnen, eine solche Einladung mit einer so vollen freudigen Zustimmung beantworten, oder ganz naive, ganz halbwüchsige Kinder. In mir aber war es – und wie konntest Du das ahnen – nur der wortgewordene Wille, die geballt vorbrechende Sehnsucht von tausend einzelnen Tagen. Jedenfalls aber: Du warst frappiert, ich begann Dich zu interessieren. Ich spürte, daß Du, während wir gingen, von der Seite her während des Gespräches mich irgendwie erstaunt mustertest. Dein Gefühl, Dein in allem Menschlichen so magisch sicheres Gefühl witterte hier sogleich ein Ungewöhnliches, ein Geheimnis in diesem hübschen zutunlichen Mädchen. Der Neugierige in Dir war wach, und ich merkte, aus der umkreisenden, spürenden Art der Fragen, wie Du nach dem Geheimnis tasten wolltest. Aber ich wich Dir aus: ich wollte lieber töricht erscheinen als Dir mein Geheimnis verraten.

Wir gingen zu Dir hinauf. Verzeih, Geliebter, wenn ich Dir sage, daß Du es nicht verstehen kannst, was dieser Gang, diese Treppe für mich waren, welcher Taumel, welche Verwirrung, welch ein rasendes, quälendes, fast tödliches Glück. Jetzt noch kann ich kaum ohne Tränen daran denken, und ich habe keine mehr. Aber fühl es nur aus, daß jeder Gegenstand dort gleichsam durchdrungen war von meiner Leidenschaft, jeder ein Symbol meiner Kindheit, meiner Sehnsucht: das Tor, vor dem ich tausende Male auf Dich gewartet, die Treppe, von der ich immer Deinen Schritt erhorcht und wo ich Dich zum erstenmal gesehen, das Guckloch, aus dem ich mir die Seele gespäht, der Türvorleger vor Deiner Tür, auf dem ich einmal gekniet, das Knacken des Schlüssels, bei dem ich immer aufgesprungen von meiner Lauer. Die ganze Kindheit, meine ganze Leidenschaft, da nistete sie ja in diesen paar Metern Raum, hier war mein ganzes Leben, und jetzt fiel es nieder auf mich wie ein Sturm, da alles, alles sich erfüllte und ich mit Dir ging, ich mit Dir, in Deinem, in unserem Hause. Bedenke – es klingt ja banal, aber ich weiß es nicht anders zu sagen –, daß bis zu Deiner Tür alles Wirklichkeit, dumpfe tägliche Welt ein Leben lang gewesen war, und dort das Zauberreich des Kindes begann, Aladins Reich, bedenke, daß ich tausendmal mit brennenden Augen auf diese Tür gestarrt, die ich jetzt taumelnd durchschritt, und Du wirst ahnen – aber nur ahnen, niemals ganz wissen, mein Geliebter! –, was diese stürzende Minute von meinem Leben wegtrug.

Ich blieb damals die ganze Nacht bei Dir. Du hast es nicht geahnt, daß vordem noch nie ein Mann mich berührt, noch keiner meinen Körper gefühlt oder gesehen. Aber wie konntest Du es auch ahnen, Geliebter, denn ich bot Dir ja keinen Widerstand, ich unterdrückte jedes Zögern der Scham, nur damit Du nicht das Geheimnis meiner Liebe zu Dir erraten könntest, das Dich gewiß erschreckt hätte – denn Du liebst ja nur das Leichte, das Spielende, das Gewichtlose, Du hast Angst, in ein Schicksal einzugreifen. Verschwenden willst Du Dich, Du, an alle, an die Welt, und willst kein Opfer. Wenn ich Dir jetzt sage, Geliebter, daß ich mich jungfräulich Dir gab, so flehe ich Dich an: mißversteh mich nicht! Ich klage Dich ja nicht an, Du hast mich nicht gelockt, nicht belogen, nicht verführt – ich, ich selbst drängte zu Dir, warf mich an Deine Brust, warf mich in mein Schicksal. Nie, nie werde ich Dich anklagen, nein, nur immer Dir danken, denn wie reich, wie funkelnd von Lust, wie schwebend von Seligkeit war für mich diese Nacht. Wenn ich die Augen auftat im Dunkeln und Dich fühlte an meiner Seite, wunderte ich mich, daß nicht die Sterne über mir waren, so sehr fühlte ich Himmel – nein, ich habe niemals bereut, mein Geliebter, niemals um dieser Stunde willen. Ich weiß noch: als Du schliefst, als ich Deinen Atem hörte, Deinen Körper fühlte und mich selbst Dir so nah, da habe ich im Dunkeln geweint vor Glück.

Am Morgen drängte ich frühzeitig schon fort. Ich mußte in das Geschäft und wollte auch gehen, ehe der Diener käme: er sollte mich nicht sehen. Als ich angezogen vor Dir stand, nahmst Du mich in den Arm, sahst mich lange an; war es ein Erinnern, dunkel und fern, das in Dir wogte, oder schien ich Dir nur schön, beglückt, wie ich war? Dann küßtest du mich auf den Mund. Ich machte mich leise los und wollte gehen. Da fragtest Du: »Willst Du nicht ein paar Blumen mitnehmen?« Ich sagte ja. Du nahmst vier weiße Rosen aus der blauen Kristallvase am Schreibtisch (ach, ich kannte sie von jenem einzigen diebischen Kindheitsblick) und gabst sie mir. Tagelang habe ich sie noch geküßt.

Wir hatten zuvor einen andern Abend verabredet. Ich kam, und wieder war es wunderbar. Noch eine dritte Nacht hast Du mir geschenkt. Dann sagtest Du, Du müßtest verreisen – oh, wie haßte ich diese Reisen von meiner Kindheit her! – und versprachst mir, mich sofort nach Deiner Rückkehr zu verständigen. Ich gab Dir eine Poste restante-Adresse – meinen Namen wollte ich Dir nicht sagen. Ich hütete mein Geheimnis. Wieder gabst Du mir ein paar Rosen zum Abschied – zum Abschied.

Jeden Tag während zweier Monate fragte ich … aber nein, wozu diese Höllenqual der Erwartung, der Verzweiflung Dir schildern. Ich klage Dich nicht an, ich liebe Dich als den, der Du bist, heiß und vergeßlich, hingebend und untreu, ich liebe Dich so, nur so, wie Du immer gewesen und wie Du jetzt noch bist. Du warst längst zurück, ich sah es an Deinen erleuchteten Fenstern, und hast mir nicht geschrieben. Keine Zeile habe ich von Dir in meinen letzten Stunden, keine Zeile von Dir, dem ich mein Leben gegeben. Ich habe gewartet, ich habe gewartet wie eine Verzweifelte. Aber Du hast mich nicht gerufen, keine Zeile hast Du mir geschrieben … keine Zeile …

 

Mein Kind ist gestern gestorben – es war auch Dein Kind. Es war auch Dein Kind, Geliebter, das Kind einer jener drei Nächte, ich schwöre es Dir, und man lügt nicht im Schatten des Todes. Es war unser Kind, ich schwöre es Dir, denn kein Mann hat mich berührt von jenen Stunden, da ich mich Dir hingegeben, bis zu jenen andern, da es aus meinem Leib gerungen wurde. Ich war mir heilig durch Deine Berührung: wie hätte ich es vermocht, mich zu teilen an Dich, der mir alles gewesen, und an andere, die an meinem Leben nur leise anstreiften? Es war unser Kind, Geliebter, das Kind meiner wissenden Liebe und Deiner sorglosen, verschwenderischen, fast unbewußten Zärtlichkeit, unser Kind, unser Sohn, unser einziges Kind. Aber Du fragst nun – vielleicht erschreckt, vielleicht bloß erstaunt –, Du fragst nun, mein Geliebter, warum ich dies Kind Dir alle diese langen Jahre verschwiegen und erst heute von ihm spreche, da es hier im Dunkel schlafend, für immer schlafend liegt, schon bereit fortzugehen und nie mehr wiederzukehren, nie mehr! Doch wie hätte ich es Dir sagen können? Nie hättest Du mir, der Fremden, der allzu Bereitwilligen dreier Nächte, die sich ohne Widerstand, ja begehrend, Dir aufgetan, nie hättest Du ihr, der Namenlosen einer flüchtigen Begegnung, geglaubt, daß sie Dir die Treue hielt, Dir, dem Untreuen – nie ohne Mißtrauen dies Kind als das Deine erkannt! Nie hättest Du, selbst wenn mein Wort Dir Wahrscheinlichkeit geboten, den heimlichen Verdacht abtun können, ich versuchte, Dir, dem Begüterten, das Kind fremder Stunde unterzuschieben. Du hättest mich beargwöhnt, ein Schatten wäre geblieben, ein fliegender, scheuer Schatten von Mißtrauen zwischen Dir und mir. Das wollte ich nicht. Und dann, ich kenne Dich; ich kenne Dich so gut, wie Du kaum selber Dich kennst, ich weiß, es wäre Dir, der Du das Sorglose, das Leichte, das Spielende liebst in der Liebe, peinlich gewesen, plötzlich Vater, plötzlich verantwortlich zu sein für ein Schicksal. Du hättest Dich, Du, der Du nur in Freiheit atmen kannst, Dich irgendwie verbunden gefühlt mit mir. Du hättest mich – ja, ich weiß es, daß Du es getan hättest, wider Deinen eigenen wachen Willen –, Du hättest mich gehaßt für dieses Verbundensein. Vielleicht nur stundenlang, vielleicht nur flüchtige Minuten lang wäre ich Dir lästig gewesen, wäre ich Dir verhaßt worden – ich aber wollte in meinem Stolze, Du solltest an mich ein Leben lang ohne Sorge denken. Lieber wollte ich alles auf mich nehmen als Dir eine Last werden, und einzig die sein unter allen Deinen Frauen, an die Du immer mit Liebe, mit Dankbarkeit denkst. Aber freilich, Du hast nie an mich gedacht, du hast mich vergessen.

Ich klage Dich nicht an, mein Geliebter, nein, ich klage Dich nicht an. Verzeih mirs, wenn mir manchmal ein Tropfen Bitternis in die Feder fließt, verzeih mirs – mein Kind, unser Kind liegt ja da tot unter den flackernden Kerzen; ich habe zu Gott die Fäuste geballt und ihn Mörder genannt, meine Sinne sind trüb und verwirrt. Verzeih mir die Klage, verzeihe sie mir! Ich weiß ja, daß Du gut bist und hilfreich im tiefsten Herzen, Du hilfst jedem, hilfst auch dem Fremdesten, der Dich bittet. Aber Deine Güte ist so sonderbar, sie ist eine, die offen liegt für jeden, daß er nehmen kann, soviel seine Hände fassen, sie ist groß, unendlich groß, Deine Güte, aber sie ist – verzeih mir – sie ist träge. Sie will gemahnt, will genommen sein. Du hilfst, wenn man Dich ruft, Dich bittet, hilfst aus Scham, aus Schwäche und nicht aus Freudigkeit. Du hast – laß es Dir offen sagen – den Menschen in Notdurft und Qual nicht lieber als den Bruder im Glück. Und Menschen, die so sind wie Du, selbst die Gütigsten unter ihnen, sie bittet man schwer. Einmal, ich war noch ein Kind, sah ich durch das Guckloch an der Tür, wie Du einem Bettler, der bei Dir geklingelt hatte, etwas gabst. Du gabst ihm rasch und sogar viel, noch ehe er Dich bat, aber Du reichtest es ihm mit einer gewissen Angst und Hast hin, er möchte nur bald wieder fortgehen, es war, als hättest Du Furcht, ihm ins Auge zu sehen. Diese Deine unruhige, scheue, vor der Dankbarkeit flüchtende Art des Helfens habe ich nie vergessen. Und deshalb habe ich mich nie an Dich gewandt. Gewiß, ich weiß, du hättest mir damals zur Seite gestanden auch ohne die Gewißheit, es sei Dein Kind, Du hättest mich getröstet, mir Geld gegeben, reichlich Geld, aber immer nur mit der geheimen Ungeduld, das Unbequeme von Dir wegzuschieben; ja, ich glaube, Du hättest mich sogar beredet, das Kind vorzeitig abzutun. Und dies fürchtete ich vor allem – denn was hätte ich nicht getan, so Du es begehrtest, wie hatte ich Dir etwas zu verweigern vermocht! Aber dieses Kind war alles für mich, war es doch von Dir, nochmals Du, aber nun nicht mehr Du, der Glückliche, der Sorglose, den ich nicht zu halten vermochte, sondern Du für immer – so meinte ich – mir gegeben, verhaftet in meinem Leibe, verbunden in meinem Leben. Nun hatte ich Dich ja endlich gefangen, ich konnte Dich, Dein Leben wachsen spüren in meinen Adern, Dich nähren, Dich tränken, Dich liebkosen, Dich küssen, wenn mir die Seele danach brannte. Siehst du, Geliebter, darum war ich so selig, als ich wußte, daß ich ein Kind von Dir hatte, darum verschwieg ich Dirs: denn nun konntest du mir nicht mehr entfliehen.

Freilich, Geliebter, es waren nicht nur so selige Monate, wie ich sie voraus fühlte in meinen Gedanken, es waren auch Monate voll Grauen und Qual, voll Ekel vor der Niedrigkeit der Menschen. Ich hatte es nicht leicht. In das Geschäft konnte ich während der letzten Monate nicht mehr gehen, damit es den Verwandten nicht auffällig werde und sie nicht nach Hause berichteten. Von der Mutter wollte ich kein Geld erbitten – so fristete ich mir mit dem Verkauf von dem bißchen Schmuck, den ich hatte, die Zeit bis zur Niederkunft. Eine Woche vorher wurden mir aus einem Schranke von einer Wäscherin die letzten paar Kronen gestohlen, so mußte ich in die Gebärklinik. Dort, wo nur die ganz Armen, die Ausgestoßenen und Vergessenen sich in ihrer Not hinschleppen, dort, mitten im Abhub des Elends, dort ist das Kind, Dein Kind geboren worden. Es war zum Sterben dort: fremd, fremd, fremd war alles, fremd wir einander, die wir da lagen, einsam und voll Haß eine auf die andere, nur vom Elend, von der gleichen Qual in diesen dumpfen, von Chloroform und Blut, von Schrei und Stöhnen vollgepreßten Saal gestoßen. Was die Armut an Erniedrigung, an seelischer und körperlicher Schande zu ertragen hat, ich habe es dort gelitten an dem Beisammensein mit Dirnen und mit Kranken, die aus der Gemeinsamkeit des Schicksals eine Gemeinheit machten, an der Zynik der jungen Ärzte, die mit einem ironischen Lächeln der Wehrlosen das Bettuch aufstreiften und sie mit falscher Wissenschaftlichkeit antasteten, an der Habsucht der Wärterinnen – oh, dort wird die Scham eines Menschen gekreuzigt mit Blicken und gegeißelt mit Worten. Die Tafel mit deinem Namen, das allein bist dort noch du, denn was im Bette liegt, ist bloß ein zuckendes Stück Fleisch, betastet von Neugierigen, ein Objekt der Schau und des Studierens – ah, sie wissen es nicht, die Frauen, die ihrem Mann, dem zärtlich wartenden, in seinem Hause Kinder schenken, was es heißt, allein, wehrlos, gleichsam am Versuchstisch, ein Kind zu gebären! Und lese ich noch heute in einem Buche das Wort Hölle, so denke ich plötzlich wider meinen bewußten Willen an jenen vollgepfropften, dünstenden, von Seufzer, Gelächter und blutigem Schrei erfüllten Saal, in dem ich gelitten habe, an dieses Schlachthaus der Scham.

Verzeih, verzeih mirs, daß ich davon spreche. Aber nur dieses eine Mal rede ich davon, nie mehr, nie mehr wieder. Elf Jahre habe ich geschwiegen davon, und werde bald stumm sein in alle Ewigkeit: einmal mußte ichs ausschreien, einmal ausschreien, wie teuer ich es erkaufte, dies Kind, das meine Seligkeit war und das nun dort ohne Atem liegt. Ich hatte sie schon vergessen, diese Stunden, längst vergessen im Lächeln, in der Stimme des Kindes, in meiner Seligkeit; aber jetzt, da es tot ist, wird die Qual wieder lebendig, und ich mußte sie mir von der Seele schreien, dieses eine, dieses eine Mal. Aber nicht Dich klage ich an, nur Gott, nur Gott, der sie sinnlos machte, diese Qual. Nicht Dich klage ich an, ich schwöre es Dir, und nie habe ich mich im Zorn erhoben gegen Dich. Selbst in der Stunde, da mein Leib sich krümmte in den Wehen, da mein Körper vor Scham brannte unter den tastenden Blicken der Studenten, selbst in der Sekunde, da der Schmerz mir die Seele zerriß, habe ich Dich nicht angeklagt vor Gott; nie habe ich jene Nächte bereut, nie meine Liebe zu Dir gescholten, immer habe ich Dich geliebt, immer die Stunde gesegnet, da Du mir begegnet bist. Und müßte ich noch einmal durch die Hölle jener Stunden und wüßte vordem, was mich erwartet, ich täte es noch einmal, mein Geliebter, noch einmal und tausendmal!

Unser Kind ist gestern gestorben – Du hast es nie gekannt. Niemals, auch in der flüchtigen Begegnung des Zufalles, hat dies blühende, kleine Wesen, Dein Wesen, im Vorübergehen Deinen Blick gestreift. Ich hielt mich lange verborgen vor Dir, sobald ich dies Kind hatte; meine Sehnsucht nach Dir war weniger schmerzhaft geworden, ja ich glaube, ich liebte Dich weniger leidenschaftlich, zumindest litt ich nicht so an meiner Liebe, seit es mir geschenkt war. Ich wollte mich nicht zerteilen zwischen Dir und ihm; so gab ich mich nicht an Dich, den Glücklichen, der an mir vorbeilebte, sondern an dies Kind, das mich brauchte, das ich nähren mußte, das ich küssen konnte und umfangen. Ich schien gerettet vor meiner Unruhe nach Dir, meinem Verhängnis, gerettet durch dies Dein anderes Du, das aber wahrhaft mein war – selten nur mehr, ganz selten drängte mein Gefühl sich demütig heran an Dein Haus. Nur eines tat ich: zu Deinem Geburtstag sandte ich Dir immer ein Bündel weiße Rosen, genau dieselben, wie Du sie mir damals geschenkt nach unserer ersten Liebesnacht. Hast Du je in diesen zehn, in diesen elf Jahren Dich gefragt, wer sie sandte? Hast Du Dich vielleicht an die erinnert, der Du einst solche Rosen geschenkt? Ich weiß es nicht und werde Deine Antwort nicht wissen. Nur aus dem Dunkel sie Dir hinzureichen, einmal im Jahre die Erinnerung aufblühen zu lassen an jene Stunde – das war mir genug.

Du hast es nie gekannt, unser armes Kind – heute klage ich mich an, daß ich es Dir verbarg, denn du hättest es geliebt. Nie hast Du ihn gekannt, den armen Knaben, nie ihn lächeln gesehen, wenn er leise die Lider aufhob und dann mit seinen dunklen klugen Augen – Deinen Augen! – ein helles, frohes Licht warf über mich, über die ganze Welt. Ach, er war so heiter, so lieb: die ganze Leichtigkeit Deines Wesens war in ihm kindlich wiederholt, Deine rasche, bewegte Phantasie in ihm erneuert: stundenlang konnte er verliebt mit Dingen spielen, so wie Du mit dem Leben spielst, und dann wieder ernst mit hochgezogenen Brauen vor seinen Büchern sitzen. Er wurde immer mehr Du; schon begann sich auch in ihm jene Zwiefältigkeit von Ernst und Spiel, die Dir eigen ist, sichtbar zu entfalten, und je ähnlicher er Dir ward, desto mehr liebte ich ihn. Er hat gut gelernt, er plauderte Französisch wie eine kleine Elster, seine Hefte waren die saubersten der Klasse, und wie hübsch war er dabei, wie elegant in seinem schwarzen Samtkleid oder dem weißen Matrosenjäckchen. Immer war er der Eleganteste von allen, wohin er auch kam; in Grado am Strande, wenn ich mit ihm ging, blieben die Frauen stehen und streichelten sein langes blondes Haar, auf dem Semmering, wenn er im Schlitten fuhr, wandten sich bewundernd die Leute nach ihm um. Er war so hübsch, so zart, so zutunlich: als er im letzten Jahre ins Internat des Theresianums kam, trug er seine Uniform und den kleinen Degen wie ein Page aus dem achtzehnten Jahrhundert – nun hat er nichts als sein Hemdchen an, der Arme, der dort liegt mit blassen Lippen und eingefalteten Händen.

Aber Du fragst mich vielleicht, wie ich das Kind so im Luxus erziehen konnte, wie ich es vermochte, ihm dies helle, dies heitere Leben der obern Welt zu vergönnen. Liebster, ich spreche aus dem Dunkel zu Dir; ich habe keine Scham, ich will es Dir sagen, aber erschrick nicht, Geliebter – ich habe mich verkauft. Ich wurde nicht gerade das, was man ein Mädchen von der Straße nennt, eine Dirne, aber ich habe mich verkauft. Ich hatte reiche Freunde, reiche Geliebte: zuerst suchte ich sie, dann suchten sie mich, denn ich war – hast Du es je bemerkt? – sehr schön. Jeder, dem ich mich gab, gewann mich lieb, alle haben mir gedankt, alle an mir gehangen, alle mich geliebt – nur Du nicht, nur Du nicht, mein Geliebter!

Verachtest Du mich nun, weil ich Dir es verriet, daß ich mich verkauft habe? Nein, ich weiß, Du verachtest mich nicht, ich weiß, Du verstehst alles und wirst auch verstehen, daß ich es nur für Dich getan, für Dein anderes Ich, für Dein Kind. Ich hatte einmal in jener Stube der Gebärklinik an das Entsetzliche der Armut gerührt, ich wußte, daß in dieser Welt der Arme immer der Getretene, der Erniedrigte, das Opfer ist, und ich wollte nicht, um keinen Preis, daß Dein Kind, Dein helles, schönes Kind da tief unten aufwachsen sollte im Abhub, im Dumpfen, im Gemeinen der Gasse, in der verpesteten Luft eines Hinterhausraumes. Sein zarter Mund sollte nicht die Sprache des Rinnsteins kennen, sein weißer Leib nicht die dumpfige, verkrümmte Wäsche der Armut – Dein Kind sollte alles haben, allen Reichtum, alle Leichtigkeit der Erde, es sollte wieder aufsteigen zu Dir, in Deine Sphäre des Lebens.

Darum, nur darum, mein Geliebter, habe ich mich verkauft. Es war kein Opfer für mich, denn was man gemeinhin Ehre und Schande nennt, das war mir wesenlos: Du liebtest mich nicht, Du, der Einzige, dem mein Leib gehörte, so fühlte ich es als gleichgültig, was sonst mit meinem Körper geschah. Die Liebkosungen der Männer, selbst ihre innerste Leidenschaft, sie rührten mich im Tiefsten nicht an, obzwar ich manche von ihnen sehr achten mußte und mein Mitleid mit ihrer unerwiderten Liebe in Erinnerung eigenen Schicksals mich oft erschütterte. Alle waren sie gut zu mir, die ich kannte, alle haben sie mich verwöhnt, alle achteten sie mich. Da war vor allem einer, ein älterer, verwitweter Reichsgraf, derselbe, der sich die Füße wundstand an den Türen, um die Aufnahme des vaterlosen Kindes, Deines Kindes, im Theresianum durchzudrücken – der liebte mich wie eine Tochter. Dreimal, viermal machte er mir den Antrag, mich zu heiraten – ich könnte heute Gräfin sein, Herrin auf einem zauberischen Schloß in Tirol, könnte sorglos sein, denn das Kind hätte einen zärtlichen Vater gehabt, der es vergötterte, und ich einen stillen, vornehmen, gütigen Mann an meiner Seite – ich habe es nicht getan, so sehr, so oft er auch drängte, so sehr ich ihm wehe tat mit meiner Weigerung. Vielleicht war es eine Torheit, denn sonst lebte ich jetzt irgendwo still und geborgen, und dies Kind, das geliebte, mit mir, aber – warum soll ich Dir es nicht gestehen – ich wollte mich nicht binden, ich wollte Dir frei sein in jeder Stunde. Innen im Tiefsten, im Unbewußten meines Wesens lebte noch immer der alte Kindertraum, Du würdest vielleicht noch einmal mich zu Dir rufen, sei es nur für eine Stunde lang. Und für diese eine mögliche Stunde habe ich alles weggestoßen, nur um Dir frei zu sein für Deinen ersten Ruf. Was war mein ganzes Leben seit dem Erwachen aus der Kindheit denn anders als ein Warten, ein Warten auf Deinen Willen!

Und diese Stunde, sie ist wirklich gekommen. Aber Du weißt sie nicht, Du ahnst sie nicht, mein Geliebter! Auch in ihr hast Du mich nicht erkannt – nie, nie, nie hast du mich erkannt! Ich war Dir ja schon früher oft begegnet, in den Theatern, in den Konzerten, im Prater, auf der Straße – jedesmal zuckte mir das Herz, aber Du sahst an mir vorbei: ich war ja äußerlich eine ganz andere, aus dem scheuen Kinde war eine Frau geworden, schön, wie sie sagten, in kostbare Kleider gehüllt, umringt von Verehrern: wie konntest Du in mir jenes schüchterne Mädchen im dämmerigen Licht Deines Schlafraumes vermuten! Manchmal grüßte Dich einer der Herren, mit denen ich ging. Du danktest und sahst auf zu mir: aber Dein Blick war höfliche Fremdheit, anerkennend, aber nie erkennend, fremd, entsetzlich fremd. Einmal, ich erinnere mich noch, ward mir dieses Nichterkennen, an das ich fast schon gewohnt war, zu brennender Qual: ich saß in einer Loge der Oper mit einem Freunde und Du in der Nachbarloge. Die Lichter erloschen bei der Ouvertüre, ich konnte Dein Antlitz nicht mehr sehen, nur Deinen Atem fühlte ich so nah neben mir, wie damals in jener Nacht, und auf der samtenen Brüstung der Abteilung unserer Logen lag Deine Hand aufgestützt, Deine feine, zarte Hand. Und unendlich überkam mich das Verlangen, mich niederzubeugen und diese fremde, diese so geliebte Hand demütig zu küssen, deren zärtliche Umfassung ich einst gefühlt. Um mich wogte aufwühlend die Musik, immer leidenschaftlicher wurde das Verlangen, ich mußte mich ankrampfen, mich gewaltsam aufreißen, so gewaltsam zog es meine Lippen hin zu Deiner geliebten Hand. Nach dem ersten Akt bat ich meinen Freund, mit mir fortzugehen. Ich ertrug es nicht mehr, Dich so fremd und so nah neben mir zu haben im Dunkel.

Aber die Stunde kam, sie kam noch einmal, ein letztes Mal in mein verschüttetes Leben. Fast genau vor einem Jahr ist es gewesen, am Tage nach Deinem Geburtstage. Seltsam: ich hatte alle die Stunden an Dich gedacht, denn Deinen Geburtstag, ihn feierte ich immer wie ein Fest. Ganz frühmorgens schon war ich ausgegangen und hatte die weißen Rosen gekauft, die ich Dir wie alljährlich senden ließ zur Erinnerung an eine Stunde, die Du vergessen hattest. Nachmittags fuhr ich mit dem Buben aus, führte ihn zu Demel in die Konditorei und abends ins Theater, ich wollte, auch er sollte diesen Tag, ohne seine Bedeutung zu wissen, irgendwie als einen mystischen Feiertag von Jugend her empfinden. Am nächsten Tage war ich dann mit meinem damaligen Freunde, einem jungen, reichen Brünner Fabrikanten, mit dem ich schon seit zwei Jahren zusammenlebte, der mich vergötterte, verwöhnte und mich ebenso heiraten wollte wie die andern und dem ich mich ebenso scheinbar grundlos verweigerte wie den andern, obwohl er mich und das Kind mit Geschenken überschüttete und selbst liebenswert war in seiner ein wenig dumpfen, knechtischen Güte. Wir gingen zusammen in ein Konzert, trafen dort heitere Gesellschaft, soupierten in einem Ringstraßenrestaurant, und dort, mitten im Lachen und Schwätzen, machte ich den Vorschlag, noch in ein Tanzlokal, in den Tabarin, zu gehen. Mir waren diese Art Lokale mit ihrer systematischen und alkoholischen Heiterkeit wie jede »Drahrerei« sonst immer widerlich, und ich wehrte mich sonst immer gegen derlei Vorschläge, diesmal aber – es war wie eine unergründliche magische Macht in mir, die mich plötzlich unbewußt den Vorschlag mitten in die freudig zustimmende Erregung der andern werfen ließ – hatte ich plötzlich ein unerklärliches Verlangen, als ob dort irgend etwas Besonderes mich erwarte. Gewohnt, mir gefällig zu sein, standen alle rasch auf, wir gingen hinüber, tranken Champagner, und in mich kam mit einemmal eine ganz rasende, ja fast schmerzhafte Lustigkeit, wie ich sie nie gekannt. Ich trank und trank, sang die kitschigen Lieder mit und hatte fast den Zwang, zu tanzen oder zujubeln. Aber plötzlich – mir war, als hätte etwas Kaltes oder etwas Glühendheißes sich mir jäh aufs Herz gelegt – riß es mich auf: am Nachbartisch saßest Du mit einigen Freunden und sahst mich an mit einem bewundernden und begehrenden Blick, mit jenem Blicke, der mir immer den ganzen Leib von innen aufwühlte. Zum erstenmal seit zehn Jahren sahst Du mich wieder an mit der ganzen unbewußt-leidenschaftlichen Macht Deines Wesens. Ich zitterte. Fast wäre mir das erhobene Glas aus den Händen gefallen. Glücklicherweise merkten die Tischgenossen nicht meine Verwirrung: sie verlor sich in dem Dröhnen von Gelächter und Musik.

Immer brennender wurde Dein Blick und tauchte mich ganz in Feuer. Ich wußte nicht: hattest Du mich endlich, endlich erkannt, oder begehrtest Du mich neu, als eine andere, als eine Fremde? Das Blut flog mir in die Wangen, zerstreut antwortete ich den Tischgenossen: Du mußtest es merken, wie verwirrt ich war von Deinem Blick. Unmerklich für die übrigen machtest Du mit einer Bewegung des Kopfes ein Zeichen, ich möchte für einen Augenblick hinauskommen in den Vorraum. Dann zahltest Du ostentativ, nahmst Abschied von Deinen Kameraden und gingst hinaus, nicht ohne zuvor noch einmal angedeutet zu haben, daß Du draußen auf mich warten würdest. Ich zitterte wie im Frost, wie im Fieber, ich konnte nicht mehr Antwort geben, nicht mehr mein aufgejagtes Blut beherrschen. Zufälligerweise begann gerade in diesem Augenblick ein Negerpaar mit knatternden Absätzen und schrillen Schreien einen absonderlichen neuen Tanz: alles starrte ihnen zu, und diese Sekunde nützte ich. Ich stand auf, sagte meinem Freunde, daß ich gleich zurückkäme, und ging Dir nach.

Draußen im Vorraum vor der Garderobe standest Du, mich erwartend: Dein Blick ward hell, als ich kam. Lächelnd eiltest Du mir entgegen; ich sah sofort, Du erkanntest mich nicht, erkanntest nicht das Kind von einst und nicht das Mädchen, noch einmal griffest Du nach mir als einem Neuen, einem Unbekannten. »Haben Sie auch für mich einmal eine Stunde?« fragtest Du vertraulich – ich fühlte an der Sicherheit Deiner Art, Du nahmst mich für eine dieser Frauen, für die Käufliche eines Abends. »Ja«, sagte ich, dasselbe zitternde und doch selbstverständliche einwilligende Ja, das Dir das Mädchen vor mehr als einem Jahrzehnt auf der dämmernden Straße gesagt. »Und wann könnten wir uns sehen?« fragtest Du. »Wann immer Sie wollen«, antwortete ich – vor Dir hatte ich keine Scham. Du sahst mich ein wenig verwundert an, mitderselben mißtrauisch-neugierigen Verwunderung wie damals, als Dich gleichfalls die Raschheit meines Einverständnisses erstaunt hatte. »Könnten Sie jetzt?« fragtest Du, ein wenig zögernd. »Ja«, sagte ich, »gehen wir.«

Ich wollte zur Garderobe, meinen Mantel holen.

Da fiel mir ein, daß mein Freund den Garderobenzettel hatte für unsere gemeinsam abgegebenen Mäntel. Zurückzugehen und ihn verlangen, wäre ohne umständliche Begründung nicht möglich gewesen, anderseits die Stunde mit Dir preisgeben, die seit Jahren ersehnte, dies wollte ich nicht. So habe ich keine Sekunde gezögert: ich nahm nur den Schal über das Abendkleid und ging hinaus in die nebelfeuchte Nacht, ohne mich um den Mantel zu kümmern, ohne mich um den guten, zärtlichen Menschen zu kümmern, von dem ich seit Jahren lebte und den ich vor seinen Freunden zum lächerlichsten Narren erniedrigte, zu einem, dem seine Geliebte nach Jahren wegläuft auf den ersten Pfiff eines fremden Mannes. Oh, ich war mir ganz der Niedrigkeit, der Undankbarkeit, der Schändlichkeit, die ich gegen einen ehrlichen Freund beging, im Tiefsten bewußt, ich fühlte, daß ich lächerlich handelte und mit meinem Wahn einen gütigen Menschen für immer tödlich kränkte, fühlte, daß ich mein Leben mitten entzweiriß – aber was war mir Freundschaft, was meine Existenz gegen die Ungeduld, wieder einmal Deine Lippen zu fühlen, Dein Wort weich gegen mich gesprochen zu hören. So habe ich Dich geliebt, nun kann ich es Dir sagen, da alles vorbei ist und vergangen. Und ich glaube, riefest Du mich von meinem Sterbebette, so käme mir plötzlich die Kraft, aufzustehen und mit Dir zu gehen.

Ein Wagen stand vor dem Eingang, wir fuhren zu Dir. Ich hörte wieder Deine Stimme, ich fühlte Deine zärtliche Nähe und war genau so betäubt, so kindischselig verwirrt wie damals. Wie stieg ich, nach mehr als zehn Jahren, zum erstenmal wieder die Treppe empor – nein, nein, ich kann Dirs nicht schildern, wie ich alles immer doppelt fühlte in jenen Sekunden, vergangene Zeit und Gegenwart, und in allem und allem immer nur Dich. In Deinem Zimmer war weniges anders, ein paar Bilder mehr, und mehr Bücher, da und dort fremde Möbel, aber alles doch grüßte mich vertraut. Und am Schreibtisch stand die Vase mit den Rosen darin – mit meinen Rosen, die ich Dir tags vorher zu Deinem Geburtstag geschickt als Erinnerung an eine, an die Du Dich doch nicht erinnertest, die Du doch nicht erkanntest, selbst jetzt, da sie Dir nahe war, Hand in Hand und Lippe an Lippe. Aber doch: es tat mir wohl, daß Du die Blumen hegtest: so war doch ein Hauch meines Wesens, ein Atem meiner Liebe um Dich.

Du nahmst mich in Deine Arme. Wieder blieb ich bei Dir eine ganze herrliche Nacht. Aber auch im nackten Leibe erkanntest Du mich nicht. Selig erlitt ich Deine wissenden Zärtlichkeiten und sah, daß Deine Leidenschaft keinen Unterschied macht zwischen einer Geliebten und einer Käuflichen, daß Du Dich ganz gibst an Dein Begehren mit der unbedachten verschwenderischen Fülle Deines Wesens. Du warst so zärtlich und lind zu mir, der vom Nachtlokal Geholten, so vornehm und so herzlich-achtungsvoll und doch gleichzeitig so leidenschaftlich im Genießen der Frau; wieder fühlte ich, taumelig vom alten Glück, diese einzige Zweiheit Deines Wesens, die wissende, die geistige Leidenschaft in der sinnlichen, die schon das Kind Dir hörig gemacht. Nie habe ich bei einem Manne in der Zärtlichkeit solche Hingabe an den Augenblick gekannt, ein solches Ausbrechen und Entgegenleuchten des tiefsten Wesens – freilich um dann hinzulöschen in eine unendliche, fast unmenschliche Vergeßlichkeit. Aber auch ich vergaß mich selbst: wer war ich nun im Dunkel neben Dir? War ichs, das brennende Kind von einst, war ichs, die Mutter Deines Kindes, war ichs, die Fremde? Ach, es war so vertraut, so erlebt alles, und alles wieder so rauschend neu in dieser leidenschaftlichen Nacht. Und ich betete, sie möchte kein Ende nehmen.

Aber der Morgen kam, wir standen spät auf, Du ludest mich ein, noch mit Dir zu frühstücken. Wir tranken zusammen den Tee, den eine unsichtbar dienende Hand diskret in dem Speisezimmer bereitgestellt hatte, und plauderten. Wieder sprachst Du mit der ganzen offenen, herzlichen Vertraulichkeit Deines Wesens zu mir und wieder ohne alle indiskreten Fragen, ohne alle Neugier nach dem Wesen, das ich war. Du fragtest nicht nach meinem Namen, nicht nach meiner Wohnung: ich war Dir wiederum nur das Abenteuer, das Namenlose, die heiße Stunde, die im Rauch des Vergessens spurlos sich löst. Du erzähltest, daß Du jetzt weit weg reisen wolltest, nach Nordafrika für zwei oder drei Monate: ich zitterte mitten in meinem Glück, denn schon hämmerte es mir in den Ohren: vorbei, vorbei und vergessen! Am liebsten wäre ich hin zu Deinen Knien gestürzt und hätte geschrien: »Nimm mich mit, damit Du mich endlich erkennst, endlich, endlich nach so vielen Jahren!« Aber ich war ja so scheu, so feige, so sklavisch, so schwach vor Dir. Ich konnte nur sagen: »Wie schade.« Du sahst mich lächelnd an: »Ist es Dir wirklich leid?«

Da faßte es mich wie eine plötzliche Wildheit. Ich stand auf, sah Dich an, lange und fest. Dann sagte ich: »Der Mann, den ich liebte, ist auch immer weggereist.« Ich sah Dich an, mitten in den Stern Deines Auges. »Jetzt, jetzt wird er mich erkennen!« zitterte, drängte alles in mir. Aber Du lächeltest mir entgegen und sagtest tröstend: »Man kommt ja wieder zurück.« »Ja«, antwortete ich, »man kommt zurück, aber dann hat man vergessen.«

Es muß etwas Absonderliches, etwas Leidenschaftliches in der Art gewesen sein, wie ich Dir das sagte. Denn auch Du standest auf und sahst mich an, verwundert und sehr liebevoll. Du nahmst mich bei den Schultern. »Was gut ist, vergißt sich nicht, Dich werde ich nicht vergessen«, sagtest Du, und dabei senkte sich Dein Blick ganz in mich hinein, als wollte er dies Bild sich festprägen. Und wie ich diesen Blick in mich eindringen fühlte, suchend, spürend, mein ganzes Wesen an sich saugend, da glaubte ich endlich, endlich den Bann der Blindheit gebrochen. Er wird mich erkennen, er wird mich erkennen! Meine ganze Seele zitterte in dem Gedanken.

Aber Du erkanntest mich nicht. Nein, Du erkanntest mich nicht, nie war ich Dir fremder jemals als in dieser Sekunde, denn sonst – sonst hättest Du nie tun können, was Du wenige Minuten später tatest. Du hast mich geküßt, noch einmal leidenschaftlich geküßt. Ich mußte mein Haar, das sich verwirrt hatte, wieder zurechtrichten, und während ich vor dem Spiegel stand, da sah ich durch den Spiegel – und ich glaubte hinsinken zu müssen vor Scham und Entsetzen – da sah ich, wie Du in diskreter Art ein paar größere Banknoten in meinen Muff schobst. Wie habe ichs vermocht, nicht aufzuschreien, Dir nicht ins Gesicht zu schlagen in dieser Sekunde – mich, die ich Dich liebte von Kindheit an, die Mutter Deines Kindes, mich zahltest Du für diese Nacht! Eine Dirne aus dem Tabarin war ich Dir, nicht mehr – bezahlt, bezahlt hast Du mich! Es war nicht genug, von Dir vergessen zu werden, ich mußte noch erniedrigt sein.

Ich tastete rasch nach meinen Sachen. Ich wollte fort, rasch fort. Es tat mir zu weh. Ich griff nach meinem Hut, er lag auf dem Schreibtisch neben der Vase mit den weißen Rosen, meinen Rosen. Da erfaßte es mich mächtig, unwiderstehlich: noch einmal wollte ich es versuchen, Dich zu erinnern. »Möchtest Du mir nicht von Deinen weißen Rosen eine geben?« »Gern«, sagtest Du und nahmst sie sofort. »Aber sie sind Dir vielleicht von einer Frau gegeben, von einer Frau, die Dich liebt?« sagte ich.

»Vielleicht«, sagtest Du, »ich weiß es nicht. Sie sind mir gegeben, und ich weiß nicht von wem; darum liebe ich sie so.« Ich sah Dich an. »Vielleicht sind sie auch von einer, die Du vergessen hast!«

Du blicktest erstaunt. Ich sah Dich fest an. »Erkenne mich, erkenne mich endlich!« schrie mein Blick. Aber Dein Auge lächelte freundlich und unwissend. Du küßtest mich noch einmal. Aber Du erkanntest mich nicht.

Ich ging rasch zur Tür, denn ich spürte, daß mir Tränen in die Augen schossen, und das solltest Du nicht sehen. Im Vorzimmer – so hastig war ich hinausgeeilt – stieß ich mit Johann, Deinem Diener, fast zusammen. Scheu und eilfertig sprang er zur Seite, riß die Haustür auf, um mich hinauszulassen, und da – in dieser einen, hörst Du? in dieser einen Sekunde, da ich ihn ansah, mit tränenden Augen ansah, den gealterten Mann, da zuckte ihm plötzlich ein Licht in den Blick. In dieser einen Sekunde, hörst Du? in dieser einen Sekunde, hat der alte Mann mich erkannt, der mich seit meiner Kindheit nicht gesehen. Ich hätte hinknien können vor ihm für dieses Erkennen und ihm die Hände küssen. So riß ich nur die Banknoten, mit denen Du mich gegeißelt, rasch aus dem Muff und steckte sie ihm zu. Er zitterte, sah erschreckt zu mir auf – in dieser Sekunde hat er vielleicht mehr geahnt von mir als Du in Deinem ganzen Leben. Alle, alle Menschen haben mich verwöhnt, alle waren zu mir gütig – nur Du, nur Du, Du hast mich vergessen, nur Du, nur Du hast mich nie erkannt!

Mein Kind ist gestorben, unser Kind – jetzt habe ich niemanden mehr in der Welt, ihn zu lieben, als Dich. Aber wer bist Du mir, Du, der Du mich niemals, niemals erkennst, der an mir vorübergeht wie an einem Wasser, der auf mich tritt wie auf einen Stein, der immer geht und weiter geht und mich läßt in ewigem Warten? Einmal vermeinte ich Dich zu halten, Dich, den Flüchtigen, in dem Kinde. Aber es war Dein Kind: über Nacht ist es grausam von mir gegangen, eine Reise zu tun, es hat mich vergessen und kehrt nie zurück. Ich bin wieder allein, mehr allein als jemals, nichts habe ich, nichts von Dir – kein Kind mehr, kein Wort, keine Zeile, kein Erinnern, und wenn jemand meinen Namen nennen würde vor Dir, Du hörtest an ihm fremd vorbei. Warum soll ich nicht gerne sterben, da ich Dir tot bin, warum nicht weitergehen, da Du von mir gegangen bist? Nein, Geliebter, ich klage nicht wider Dich, ich will Dir nicht meinen Jammer hinwerfen in Dein heiteres Haus. Fürchte nicht, daß ich Dich weiter bedränge – verzeih mir, ich mußte mir einmal die Seele ausschreien in dieser Stunde, da das Kind dort tot und verlassen liegt. Nur dies eine Mal mußte ich sprechen zu Dir – dann gehe ich wieder stumm in mein Dunkel zurück, wie ich immer stumm neben Dir gewesen. Aber du wirst diesen Schrei nicht hören, solange ich lebe – nur wenn ich tot bin, empfängst Du dies Vermächtnis von mir, von einer, die Dich mehr geliebt als alle und die Du nie erkannt, von einer, die immer auf Dich gewartet und die Du nie gerufen. Vielleicht, vielleicht wirst Du mich dann rufen, und ich werde Dir ungetreu sein zum erstenmal, ich werde Dich nicht mehr hören aus meinem Tod: kein Bild lasse ich Dir und kein Zeichen, wie Du mir nichts gelassen; nie wirst Du mich erkennen, niemals. Es war mein Schicksal im Leben, es sei es auch in meinem Tod. Ich will Dich nicht rufen in meiner letzten Stunde, ich gehe fort, ohne daß Du meinen Namen weißt und mein Antlitz. Ich sterbe leicht, denn Du fühlst es nicht von ferne. Täte es Dir weh, daß ich sterbe, so könnte ich nicht sterben.

Ich kann nicht mehr weiter schreiben … mir ist so dumpf im Kopfe … die Glieder tun mir weh, ich habe Fieber … ich glaube, ich werde mich gleich hinlegen müssen. Vielleicht ist es bald vorbei, vielleicht ist mir einmal das Schicksal gütig, und ich muß es nicht mehr sehen, wenn sie das Kind wegtragen … Ich kann nicht mehr schreiben. Leb wohl, Geliebter, leb wohl, ich danke Dir … Es war gut, wie es war, trotz alledem … ich will Dirs danken bis zum letzten Atemzug. Mir ist wohl: ich habe Dir alles gesagt, Du weißt nun, nein, Du ahnst nur, wie sehr ich Dich geliebt, und hast doch von dieser Liebe keine Last. Ich werde Dir nicht fehlen – das tröstet mich. Nichts wird anders sein in Deinem schönen, hellen Leben … ich tue Dir nichts mit meinem Tod … das tröstet mich, Du Geliebter.

Aber wer … wer wird Dir jetzt immer die weißen Rosen senden zu Deinem Geburtstag? Ach, die Vase wird leer sein, der kleine Atem, der kleine Hauch von meinem Leben, der einmal im Jahre um Dich wehte, auch er wird verwehen! Geliebter, höre, ich bitte Dich … es ist meine erste und letzte Bitte an Dich … tu mirs zuliebe, nimm an jedem Geburtstag – es ist ja Tag, wo man an sich denkt – nimm da Rosen und tu sie in die Vase. Tu’s, Geliebter, tu es so, wie andere einmal im Jahre eine Messe lesen lassen für eine liebe Verstorbene. Ich aber glaube nicht an Gott mehr und will keine Messe, ich glaube nur an Dich, ich liebe nur Dich und will nur in Dir noch weiterleben … ach, nur einen Tag im Jahr, ganz, ganz still nur, wie ich neben Dir gelebt … Ich bitte Dich, tu es, Geliebter … es ist meine erste Bitte an Dich und die letzte … ich danke Dir … ich liebe Dich, ich liebe Dich … lebe wohl …

 

Er legte den Brief aus den zitternden Händen. Dann sann er lange nach. Verworren tauchte irgendein Erinnern auf an ein nachbarliches Kind, an ein Mädchen, an eine Frau im Nachtlokal, aber ein Erinnern, undeutlich und verworren, so wie ein Stein flimmert und formlos zittert am Grunde fließenden Wassers. Schatten strömten zu und fort, aber es wurde kein Bild. Er fühlte Erinnerungen des Gefühls und erinnerte sich doch nicht. Ihm war, als ob er von all diesen Gestalten geträumt hätte, oft und tief geträumt, aber doch nur geträumt.

Da fiel sein Blick auf die blaue Vase vor ihm auf dem Schreibtisch. Sie war leer, zum erstenmal leer seit Jahren an seinem Geburtstag. Er schrak zusammen: ihm war, als sei plötzlich eine Tür unsichtbar aufgesprungen, und kalte Zugluft ströme aus anderer Welt in seinen ruhenden Raum. Er spürte einen Tod und spürte unsterbliche Liebe: innen brach etwas auf in seiner Seele, und er dachte an die Unsichtbare körperlos und leidenschaftlich wie an eine ferne Musik.

 

 

 

R., the famous novelist, had been away on a brief holiday in the mountains. Reaching Vienna early in the morning, he bought a newspaper at the station, and when he glanced at the date was reminded that it was his birthday. "Forty-one!"-the thought came like a flash. He was neither glad nor sorry at the realization. He hailed a taxi, and skimmed the newspaper as he drove home. His man reported that there had been two callers during the master’s absence, besides one or two telephone messages. A bundle of letters was awaiting him. Looking indifferently at these, he opened one or two because he was interested in the senders, but laid aside for the time a bulky packet addressed in a strange handwriting. At ease in an armchair, he drank his morning tea, finished the newspaper, and read a few circulars. Then, having lighted a cigar, he turned to the remaining letter.

It was a manuscript rather than an ordinary letter, comprising a couple of dozen hastily penned sheets in a feminine handwriting. Involuntarily he examined the envelope once more, in case he might have overlooked a covering letter. But there was nothing of the kind, no signature, and no sender’s address on either envelope or contents. " Strange," he thought, as he began to read the manuscript. The first words were a superscription: "To you, who have never known me." He was perplexed. Was this addressed to him, or to some imaginary being? His curiosity suddenly awakened, he read as follows:

 

***************************

 

My boy died yesterday. For three days and three nights I have been wrestling with Death for this frail little life. During forty consecutive hours, while the fever of influenza was shaking his poor burning body, I sat beside his bed. I put cold compresses on his forehead; day and night, night and day, I held his restless little hands. The third evening, my strength gave out. My eyes closed without my being aware of it, and for three or four hours I must have slept on the hard stool. Meanwhile, Death took him. There he lies, my darling boy, in his narrow cot, just as he died. Only his eyes have been closed, his wise, dark eyes; and his hands have been crossed over his breast. Four candles are burning, one at each corner of the bed. I dare not look, I dare not move; for when the candles flicker, shadows chase one another over his face and his closed lips. It looks as if his features stirred, and I could almost fancy that he is not dead after all, that he will wake up, and with his clear voice will say something childishly loving. But I know that he is dead; and I will not look again, to hope once more, and once more to be disappointed. I know, I know, my boy died yesterday. Now I have only you left in the world; only you, who know nothing about me; you, who are enjoying yourself all unheeding, sporting with men and things. Only you, who have never known me, and whom I have never ceased to love.

I have lighted a fifth candle, and am sitting at the table writing to you. I cannot stay alone with my dead child without pouring my heart out to some one and to whom should I do that in this dreadful hour if not to You, who have been and still are all in all to me? Perhaps I shall not be able to make myself plain to you. Perhaps you will not be able to understand me. My head feels so heavy; my temples are throbbing; my limbs are aching. I think I must be feverish. Influenza is raging in this quarter, and probably I have caught the infection. I should not be sorry if I could join my child in that way, instead of making short work of myself. Sometimes it seems dark before my eyes, and perhaps I shall not be able to finish this letter; but I shall try with all my strength, this one and only time, to speak to you, my beloved, to you who have never known me.

To you only do I want to speak, that I may tell you everything for the first time. I should like you to know the whole of my life, of that life which has always been yours, and of which you have known nothing. But you shall only know my secret after I am dead, when there will be no one whom you will have to answer; you shall only know it if that which is now shaking my limbs with cold and with heat should really prove, for me, the end. If I have to go on living, I shall tear up this letter and shall keep the silence I have always kept. If you ever hold it in your hands, you may know that a dead woman is telling you her life story; the story of a life which was yours from its first to its last fully conscious hour. You need have no fear of my words. A dead woman wants nothing; neither love, nor compassion, nor consolation. I have only one thing to ask of you, that you believe to the full what the pain in me forces me to disclose to you. Believe my words, for I ask nothing more of you; a mother will not speak falsely beside the death-bed of her only child.
    I am going to tell you my whole life, the life which did not really begin until the day I first saw you. What I can recall before that day is gloomy and confused, a memory as of a cellar filled with dusty, dull, and cobwebbed things and people---a place with which my heart has no concern. When you came into my life, I was thirteen, and I lived in the house where you live today, in the very house in which you are reading this letter, the last breath of my life. I lived on the same floor, for the door of our flat was just opposite the door of yours. You will certainly have forgotten us. You will long ago have forgotten the accountant’s widow in her threadbare mourning, and the thin, half-grown girl. We were always so quiet; characteristic examples of shabby gentility. It is unlikely that you ever heard our name, for we had no plate on our front door, and no one ever came to see us. Besides, it is so long ago, fifteen or sixteen years. It is impossible that you should remember, my beloved. But I, how passionately I remember every detail. As if it had just happened, I recall the day, the hour, when I first heard of you, first saw you. How could it be otherwise, seeing that it was then the world began for me? Have patience awhile, my beloved, and let me tell you everything from first to last. Do not grow weary of listening to me for a brief space, since I have not been weary of loving you my whole life long.
    Before you came, the people who lived in your flat were horrid folk, always quarrelling. Though they were wretchedly poor themselves, they hated us for our poverty because we held aloof from them. The man was given to drink, and used to beat his wife. We were often wakened in the night by the clatter of falling chairs and breaking plates. Once, when he had beaten her till the blood came, she ran out on the landing with her hair streaming, followed by her drunken husband abusing her, until all the people came out onto the staircase and threatened to send for the police. My mother would have nothing to do with them. She forbade me to play with the children, who took every opportunity of venting their spleen on me for this refusal. When they met me in the street, they would call me names; and once they threw a snowball at me which was so hard that it cut my forehead. Every one in the house detested them, and we all breathed more freely when something happened and they had to leave---I think the man had been arrested for theft. For a few days there was a "To Let" notice at the main door. Then it was taken down, and the caretaker told us that the flat had been rented by an author, who was a bachelor, and was sure to be quiet. That was the first time I heard your name.

A few days later, the flat was thoroughly cleaned, and the painters and decorators came. Of course they made a lot of noise, but my mother was glad, for she said that would be the end of the disorder next door. I did not see you during the move. The decorations and furnishings were supervised by your servant, the little gray-haired man with such a serious demeanor, who had obviously been used to service in good families. He managed everything in a most businesslike way, and impressed us all very much. A high-class domestic of this kind was something quite new in our suburban flats. Besides, he was extremely civil, but was never hail-fellow-well-met with the ordinary servants. From the outset he treated my mother respectfully, as a lady; and he was always courteous even to little me. When he had occasion to mention your name, he did so in a way which showed that his feeling towards you was that of a family retainer. I used to love good, old John for this, though I envied him at the same time because it was his privilege to see you constantly and to serve you.

Do you know why I am telling you these trifles? I want you to understand how it was that from the very beginning your personality came to exercise so much power over me when I was still a shy and timid child. Before I had actually seen you, there was a halo round your head. You were enveloped in an atmosphere of wealth, marvel, and mystery. People whose lives are narrow, are avid of novelty; and in this little suburban house we were all impatiently awaiting your arrival. In my own case, curiosity rose to fever point when I came home from school one afternoon and found the furniture van in front of the house. Most of the heavy things had gone up, and the furniture removers were dealing with the smaller articles. I stood at the door to watch and admire, for everything belonging to you was so different from what I had been used to. There were Indian idols, Italian sculptures, and great, brightly colored pictures. Last of all came books, such lovely books, and there were so many of them. They were piled by the door. The manservant  stood there carefully dusting them one by one. I greedily watched the pile as it grew. Your servant did not send me away, but he did not encourage me either, so I was afraid to touch any of them, though I should have so liked to stroke the smooth leather bindings. I did glance timidly at some of the titles; many of them were in French and in English, and in languages of which I did not know a single word. I should have liked to stand there watching for hours, but my mother called me and I had to go in.

I thought about you the whole evening, although I had not seen you yet. I had only about a dozen cheap books, bound in worn cardboard. I loved them more than anything else in the world, and was continually reading and rereading them. Now I was wondering what the man could be like who had such a lot of books, who had read so much, who knew so many languages, who was rich and at the same time so learned. The idea of so many books aroused a kind of unearthly veneration. I tried to picture you in my mind. You must be an old man with spectacles and a long, white beard, like our geography master, but much kinder, nicer-looking, and gentler. I don't know why I was sure that you must be handsome, for I fancied you to be an elderly man. That very night, I dreamed of you for the first time.

Next day you moved in; but though I was on the watch I could not get a glimpse of your face, and my failure inflamed my curiosity. At length I saw you, on the third day. How astounded I was to find that you were quite different from the ancient godfather conjured up by my childish imagination. A bespectacled, good-natured old fellow was what I had expected to see. And you came, looking just as you still look, for you are one on whom the years leave little mark. You were wearing a beautiful suit of light-brown tweeds, and you ran upstairs two steps at a time with the boyish ease that always characterizes your movements. You were hat in hand, so that, with indescribable amazement, I could see your bright and lively face and your youthful hair. Your handsome, slim, and spruce figure was a positive shock to me. How strange it was that in this first moment I should have plainly realized that which I and all others are continually surprised at in you. I realized that you are two people rolled into one: that you are an ardent, light-hearted youth, devoted to sport and adventure; and at the same time, in your art, a deeply read and highly cultured man, grave, and with a keen sense of responsibility. Unconsciously I perceived what everyone who knew you came to perceive, that you led two lives. One of these was known to all, it was the life open to the whole world; the other was very dark, and known only to yourself. I, a girl of thirteen, coming under the spell of your attraction, grasped this secret of your existence, this profound cleavage of your two lives, at the first glance.

Can you understand, now, what a miracle, what an alluring enigma, you must have seemed to me, the child? Here was a man whom everyone respected because he wrote books, and because he was famous in the great world. All of a sudden he had revealed himself to me as a boyish, cheerful young man of five-and-twenty! I need hardly tell you that henceforward, in my restricted world, you were the only thing that interested me; that my life revolved round yours with the fidelity proper to a girl of thirteen. I watched you, watched your habits, watched the people who came to see you---and all this increased instead of diminishing my interest in your personality, for the two-sidedness of your nature was reflected in the diversity of your visitors. Some of them were young men, comrades of yours, carelessly dressed students with whom you laughed and larked. Some of them were ladies who came in motors. Once the conductor of the opera---the great man whom before this I had seen only from a distance, baton in hand---called on you. Some of them were girls, young girls still attending the commercial school, who shyly glided in at the door. A great many of your visitors were women. I thought nothing of this, not even when, one morning, as I was on my way to school, I saw a closely veiled lady coming away from your flat. I was only just thirteen, and in my immaturity I did not in the least realize that the eager curiosity with which I scanned all your doings was already love.

But I remember the very day and hour when I consciously gave my whole heart to you. I had been for a walk with a schoolfellow, and we were standing at the door chattering. A motor drove up. You jumped out, in your impatient, springy fashion, and were about to go in. An impulse made me open the door for you, and this brought me in your path, so that we almost collided. You looked at me with a cordial, gracious glance, which was almost a caress. You smiled at me tenderly---yes, tenderly, is the word---and said gently, nay, confidentially: "Thanks so much, young lady."

That was all that happened, my beloved. But from this moment, from the time when you looked at me so tenderly, I was yours. Later, before long indeed, I was to learn that this was a way you had of looking at all women with whom you came in contact. It was a caressing and alluring glance, at once enfolding and disclothing, the glance of the born seducer. Involuntarily, you looked in this way at every shopgirl who served you, at every maidservant who opened the door to you. It was not that you consciously longed to possess all these women, but your impulse towards the sex unconsciously made your eyes melting and warm whenever they rested on a woman. At thirteen, I had no thought of this; and I felt as if I had been bathed in fire. I believed that the tenderness was for me, for me only; and in this one instant the woman was awakened in the half-grown girl, the woman who was to be yours for all future time.
"Who was that?" asked my friend. At first, I could not answer. I found it impossible to utter your name. It had suddenly become sacred to me, had become my secret. "Oh, it's just someone who lives in the house," I said awkwardly. " Then why did you blush so fiery red when he looked at you?" inquired my schoolfellow with the malice of an inquisitive child. I felt that she was making fun of me, and was reaching out towards my secret, and this colored my cheeks more than ever. I was deliberately rude to her: "You silly idiot," I said angrily---I should have liked to throttle her. She laughed mockingly, until the tears came into my eyes from impotent rage. I left her at the door and ran upstairs.

I have loved you ever since. I know very well that you are used to hearing women say that they love you. But I am sure that no one else has ever loved you so slavishly, with such doglike fidelity, with such devotion, as I did and do. Nothing can equal the unnoticed love of a child. It is hopeless and subservient; it is patient and passionate; it is something which the covetous love of a grown woman, the love that is unconsciously exacting, can never be. None but lonely children can cherish such a passion. The others will squander their feelings in companionship, will dissipate them in confidential talks. They have heard and read much of love, and they know that it comes to all. They play with it like a toy; they flaunt it as a boy flaunts his first cigarette. But I had no confidant; I had been neither taught nor warned; I was inexperienced and unsuspecting. I rushed to meet my fate. Everything that stirred in me, all that happened to me, was centered upon you, upon my imaginings of you. My father had died long before. My mother could think of nothing but her troubles, of the difficulties of making ends meet upon her narrow pension, so that she had little in common with the growing girl. My schoolfellows, half-enlightened and half-corrupted, were uncongenial to me because of their frivolous outlook upon that which to me was a supreme passion. The upshot was that everything which surged up in me, all which in other girls of my age is usually scattered, was focussed upon you. You became for me---what simile can do justice to my feelings? You became for me the whole of my life. Nothing existed for me except in so far as it related to you. Nothing had meaning for me unless it bore upon you in some way. You had changed everything for me. Hitherto I had been indifferent at school, and undistinguished. Now, all of a sudden, I was the first. I read book upon book, far into the night, for I knew that you were a booklover. To my mother's astonishment, I began, almost stubbornly, to practise the piano, for I fancied that you were fond of music. I stitched and mended my clothes, to make them neat for your eyes. It was a torment to me that there was a square patch in my old school-apron (cut down from one of my mother’s overalls). I was afraid you might notice it and would despise me, so I used to cover the patch with my satchel when I was on the staircase. I was terrified lest you should catch sight of it. What a fool I was! You hardly ever looked at me again.

Yet my whole day was spent in waiting for you and watching you. There was a judas in our front door, and through this a glimpse of your door could be had. Don't laugh at me, dear. Even now, I am not ashamed of the hours I spent at this spyhole. The hall was icy cold, and I was always afraid of exciting my mother's suspicions. But there I would watch through the long afternoons, during those months and years, book in hand, tense as a violin string, and vibrating at the touch of your nearness. I was ever near you, and ever tense; but you were no more aware of it than you were aware of the tension of the mainspring of the watch in your pocket, Faithfully recording the hours for you, accompanying your footsteps with its unheard ticking, and vouchsafed only a hasty glance for one second among millions. I knew all about you, your habits, the neckties you wore; I knew each one of your suits. Soon I was familiar with your regular visitors, and had my likes and dislikes among them. From my thirteenth to my sixteenth year, my every hour was yours. What follies did I not commit? I kissed the door handle you had touched; I picked up a cigarette end you had thrown away, and it was sacred to me because your lips had pressed it. A hundred times, in the evening, on one pretext or another, I ran out into the street in order to see in which room your light was burning, that I might be more fully conscious of your invisible presence. During the weeks when you were away (my heart always seemed to stop beating when I saw John carry your portmanteau downstairs), life was devoid of meaning. Out of sorts, bored to death, and in an ill-humour, I wandered about not knowing what to do, and had to take precautions lest my tear-stained eyes should betray my despair to my mother.

I know that what I am writing here is a record of grotesque absurdities, of a girl's extravagant fantasies. I ought to be ashamed of them; but I am not ashamed, for never was my love purer and more passionate than at this time. I could spend hours, days, in telling you how I lived with you though you hardly knew me by sight. Of course you hardly knew me, for if I met you on the stairs and could not avoid the encounter, I would hasten by with lowered head, afraid of your burning glance, hasten like one who is jumping into the water to avoid being singed. For hours, days, I could tell you of those years you have long since forgotten; could unroll all the calendar of your life: but I will not weary you with details. Only one more thing I should like to tell you dating from this time, the most splendid experience of my childhood. You must not laugh at it, for, trifle though you may deem it, to me it was of infinite significance.

It must have been a Sunday. You were away, and your man was dragging back the heavy rugs, which he had been beating, through the open door of the flat. They were rather too much for his strength, and I summoned up courage to ask whether he would let me help him. He was surprised, but did not refuse. Can I ever make you understand the awe, the pious veneration, with which I set foot in your dwelling, with which I saw your world---the writing-table at which you were accustomed to sit (there were some flowers on it in a blue crystal vase), the pictures, the books? I had no more than a stolen glance, though the good John would no doubt have let me see more had I ventured to ask him. But it was enough for me to absorb the atmosphere, and to provide fresh nourishment for my endless dreams of you in waking and sleeping.

This swift minute was the happiest of my childhood. I wanted to tell you of it, so that you who do not know me might at length begin to understand how my life hung upon yours. I wanted to tell you of that minute, and also of the dreadful hour which so soon followed. As I have explained, my thoughts of you had made me oblivious to all else. I paid no attention to my mother’s doings, or to those of any of our visitors. I failed to notice that an elderly gentleman, an Innsbruck merchant, a distant family connection of my mother, came often and stayed for a long time. I was glad that he took Mother to the theater sometimes, for this left me alone, undisturbed in my thoughts of you, undisturbed in the watching which was my chief, my only pleasure. But one day my mother summoned me with a certain formality, saying that she had something serious to talk to me about. I turned pale, and felt my heart throb. Did she suspect anything? Had I betrayed myself in some way? My first thought was of you, of my secret, of that which linked me with life. But my mother was herself embarrassed. It had never been her way to kiss me. Now she kissed me affectionately more than once, drew me to her on the sofa, and began hesitatingly and rather shamefacedly to tell me that her relative, who was a widower, had made her a proposal of marriage, and that, mainly for my sake, she had decided to accept. I palpitated with anxiety, having only one thought, that of you. " We shall stay here, shan't we?" I stammered out. "No, we are going to Innsbruck, where Ferdinand has a fine villa." I heard no more. Everything seemed to turn black before my eyes. I learned afterwards that I had fainted. I clasped my hands convulsively, and fell like a lump of lead. I cannot tell you all that happened in the next few days; how I, a powerless child, vainly revolted against the mighty elders. Even now, as I think of it, my hand shakes so that I can hardly write. I could not disclose the real secret, and therefore my opposition seemed ill-tempered obstinacy. No one told me anything more. All the arrangements were made behind my back. The hours when I was at school were turned to account. Each time I came home some new article had been removed or sold. My life seemed falling to pieces; And at last one day, when I returned to dinner, the furniture removers had cleared the flat. In the empty rooms there were some packed trunks, and two camp beds for Mother and myself. We were to sleep there one night more, and were then to go to Innsbruck.

On this last day I suddenly made up my mind that I could not live without being near you. You were all the world to me. I can hardly say what I was thinking of, and whether in this hour of despair I was able to think at all. My mother was out of the house. I stood up, just as I was, in my school dress, and went over to your door. Yet I can hardly say that I went. With stiff limbs and trembling joints, I seemed to be drawn towards your door as by a magnet. It was in my mind to throw myself at your feet, and to beg you to keep me as a maid, as a slave. I cannot help feeling afraid that you will laugh at this infatuation of a girl of fifteen. But you would not laugh if you could realise how I stood there on the chilly landing, rigid with apprehension, and yet drawn onward by an irresistible force; how my arm seemed to lift itself in spite of me. The struggle appeared to last for endless, terrible seconds; and then I rang the bell. The shrill noise still sounds in my ears. It was followed by a silence in which my heart well-nigh stopped beating, and my blood stagnated, while I listened for your coming.

But you did not come. No one came. You must have been out that afternoon, and John must have been away too. With the dead note of the bell still sounding in my ears, I stole back into our empty dwelling, and threw myself exhausted upon a rug, tired out by the four steps as if I had been wading through deep snow for hours. Yet beneath this exhaustion there still glowed the determination to see you, to speak to you, before they carried me away. I can assure you that there were no sensual longings in my mind; I was still ignorant, just because I never thought of anything but you. All I wanted was to see you once more, to cling to you. Throughout that dreadful night I waited for you. Directly my mother had gone to sleep, I crept into the hall to listen for your return. It was a bitterly cold night in January. I was tired, my limbs ached, and there was no longer a chair on which I could sit; so I lay upon the floor, in the draught that came under the door. In my thin dress I lay there, without any covering. I did not want to be warm, lest I should fall asleep and miss your footstep. Cramps seized me, so cold was it in the horrible darkness; again and again I had to stand up. But I waited, waited, waited for you, as for my fate.

At length (it must have been two or three in the morning) I heard the house-door open, and footsteps on the stair. The sense of cold vanished, and a rush of heat passed over me. I softly opened the door, meaning to run out, to throw myself at your feet. . . . I cannot tell what I should have done in my frenzy. The steps drew nearer. A candle flickered. Tremblingly I held the door handle. Was it you coming up the stairs?

Yes, it was you, beloved; but you were not alone. I heard a gentle laugh, the rustle of silk, and your voice, speaking in low tones. There was a woman with you. . . .

I cannot tell how I lived through the rest of the night. At eight next morning, they took me with them to Innsbruck. I had no strength left to resist.

***************************

 

My boy died last night. I shall be alone once more, if I really have to go on living. Tomorrow, strange men will come, black-clad and uncouth, bringing with them a coffin for the body of my only child. Perhaps friends will come as well, with wreaths---but what is the use of flowers on a coffin? They will offer consolation in one phrase or another. Words, words, words! What can words help? All I know is that I shall be alone again. There is nothing more terrible than to be alone among human beings. That is what I came to realize during those interminable two years in Innsbruck, from my sixteenth to my eighteenth year, when I lived with my people as a prisoner and an outcast. My stepfather, a quiet, taciturn man, was kind to me. My mother, as if eager to atone for an unwitting injustice, seemed ready to meet all my wishes. Those of my own age would have been glad to befriend me. But I repelled their advances with angry defiance. I did not wish to be happy, I did not wish to live content away from you; so I buried myself in a gloomy world of self-torment and solitude. I would not wear the new and gay dresses they bought for me. I refused to go to concerts or to the theater, and I would not take part in cheerful excursions. I rarely left the house. Can you believe me when I tell you that I hardly got to know a dozen streets in this little town where I lived for two years? Mourning was my joy; I renounced society and every pleasure, and was intoxicated with delight at the mortifications I thus superadded to the lack of seeing you. Moreover, I would let nothing divert me from my passionate longing to live only for you. Sitting alone at home, hour after hour and day after day, I did nothing but think of you, turning over in my mind unceasingly my hundred petty memories of you, renewing every movement and every time of waiting, rehearsing these episodes in the theater of my mind. The countless repetitions of the years of my childhood from the day in which you came into my life have so branded the details on my memory that I can recall every minute of those long-passed years as if they had been but yesterday.

Thus my life was still entirely centered in you. I bought all your books. If your name was mentioned in the newspaper, the day was a red-letter day. Will you believe me when I tell you that I have read your books so often that I know them by heart? Were anyone to wake me in the night and quote a detached sentence, I could continue the passage unfalteringly even today, after thirteen years. Your every word was Holy Writ to me. The world existed for me only in relationship to you. In the Viennese newspapers I read the reports of concerts and first nights, wondering which would interest you most. When evening came, I accompanied you in imagination, saying to myself: " Now he is entering the hall; now he is taking his seat." Such were my fancies a thousand times, simply because I had once seen you at a concert.

Why should I recount these things? Why recount the tragic hopelessness of a forsaken child? Why tell it to you, who have never dreamed of my admiration or of my sorrow? But was I still a child? I was seventeen; I was eighteen; young fellows would turn to look after me in the street, but they only made me angry. To love anyone but you, even to play with the thought of loving anyone but you, would have been so utterly impossible to me, that the mere tender of affection on the part of another man seemed to me a crime. My passion for you remained just as intense, but it changed in character as my body grew and my senses awakened, becoming more ardent, more physical, more unmistakably the love of a grown woman. What had been hidden from the thoughts of the uninstructed child, of the girl who had rung your doorbell, was now my only longing. I wanted to give myself to you.

My associates believed me to be shy and timid. But I had an absolute fixity of purpose. My whole being was directed towards one end---back to Vienna, back to you. I fought successfully to get my own way, unreasonable, incomprehensible, though it seemed to others. My stepfather was well-to-do, and looked upon me as his daughter. I insisted, however, that I would earn my own living, and at length got him to agree to my returning to Vienna as employee in a dressmaking establishment belonging to a relative of his.

Need I tell you whither my steps first led me that foggy autumn evening when, at last, at last, I found myself back in Vienna? I left my trunk in the cloakroom, and hurried to a tram.

How slowly it moved! Every stop was a renewed vexation to me. In the end, I reached the house. My heart leapt when I saw a light in your window. The town, which had seemed so alien, so dreary, grew suddenly alive for me. I myself lived once more, now that I was near you, you who were my unending dream. When nothing but the thin, shining pane of glass was between you and my uplifted eyes, I could ignore the fact that in reality I was as far from your mind as if I had been separated by mountains and valleys and rivers. I went on looking up at your window. There was a light in it; that was your dwelling; you were there; that was my world. For two years I had dreamed of this hour, and now it had come. Throughout that warm and cloudy evening I stood in front of your windows, until the light was extinguished. Not until then did I seek my own quarters.

Evening after evening I returned to the same spot. Up to six o'clock I was at work. The work was hard, and yet I liked it, for the turmoil of the show room masked the turmoil in my heart. The instant the shutters were rolled down, I flew to the beloved spot. To see you once more, to meet you just once, was all I wanted; simply from a distance to devour your face with my eyes. At length, after a week, I did meet you, and then the meeting took me by surprise, I was watching your window, when you came across the street. In an instant, I was a child once more, the girl of thirteen. My cheeks flushed. Although I was longing to meet your eyes, I hung my head and hurried past you as if someone had been in pursuit. Afterwards I was ashamed of having fled like a schoolgirl, for now I knew what I really wanted. I wanted to meet you; I wanted you to recognize me after all these weary years, to notice me, to love me.

For a long time you failed to notice me, although I took up my post outside your house every night, even when it was snowing, or when the keen wind of the Viennese winter was blowing. Sometimes I waited for hours in vain. Often, in the end, you would leave the house in the company of friends. Twice I saw you with a woman, and the fact that I was now awakened, that there was something new and different in my feeling towards you, was disclosed by the sudden pang when I saw a strange woman walking confidently with you arm-in-arm. It was no surprise to me, for I had known since childhood how many such visitors came to your house; but now the sight aroused in me a definite bodily pain. I had a mingled feeling of enmity and desire when I witnessed this open manifestation of fleshly intimacy with another woman. For a day, animated by the youthful pride from which, perhaps, I am not yet free, I abstained from my usual visit; but how horrible was this empty evening of defiance and renunciation! The next night I was standing, as usual, in all humility, in front of your window; waiting, as I have ever waited, in front of your closed life.

At length came the hour when you noticed me. I marked your coming from a distance, and collected all my forces to prevent myself shrinking out of your path. As chance would have it, a loaded dray filled the street, so that you had to pass quite close to me. Involuntarily your eyes encountered my figure, and immediately, though you had hardly noticed the attentiveness in my gaze, there came into your face that expression with which you were wont to look at women. The memory of it darted through me like an electric shock---that caressing and alluring glance, at once enfolding and disclothing, with which, years before, you had awakened the girl to become the woman and the lover. For a moment or two your eyes thus rested on me, for a space during which I could not turn my own eyes away, and then you had passed. My heart was beating so furiously that I had to slacken my pace; and when, moved by irresistible curiosity, I turned to look back, I saw that you were standing and watching me. The inquisitive interest of your expression convinced me that you had not recognized me. You did not recognize me, either then or later. How can I describe my disappointment?

This was the first of such disappointments: the first time I had to endure what has always been my fate; that you have never recognized me. I must die, unrecognized. Ah, how can I make you understand my disappointment? During the years at Innsbruck I had never ceased to think of you. Our next meeting in Vienna was always in my thoughts. My fancies varied with my mood, ranging from the wildest possibilities to the most delightful. Every conceivable variation had passed through my mind. In gloomy moments it had seemed to me that you would repulse me, would despise me, for being of no account, for being plain, or importunate. I had had a vision of every possible form of disfavor, coldness, or indifference. But never, in the extremity of depression, in the utmost realization of my own unimportance, had I conceived this most abhorrent of possibilities---that you had never become aware of my existence. I understand now (you have taught me!) that a girl’s or a woman’s face must be for a man something extraordinarily mutable. It is usually nothing more than the reflection of moods which pass as readily as an image vanishes from a mirror. A man can readily forget a woman’s face, because she modifies its lights and shades, and because at different times the dress gives it so different a setting. Resignation comes to a woman as her knowledge grows. But I, who was still a girl, was unable to understand your forgetfulness. My whole mind had been full of you ever since I had first known you, and this had produced in me the illusion that you must have often thought of me and waited for me. How could I have borne to go on living had I realized that I was nothing to you, that I had no place in your memory. Your glance that evening, showing me as it did that on your side there was not even a gossamer thread connecting your life with mine, meant for me a first plunge into reality, conveyed to me the first intimation of my destiny.

You did not recognize me. Two days later, when our paths again crossed, and you looked at me with an approach to intimacy, it was not in recognition of the girl who had loved you so long and whom you had awakened to womanhood; it was simply that you knew the face of the pretty lass of eighteen whom you had encountered at the same spot two evenings before. Your expression was one of friendly surprise, and a smile fluttered about your lips. You passed me as before, and as before you promptly slackened your pace. I trembled, I exulted, I longed for you to speak to me. I felt that for the first time I had become alive for you; I, too, walked slowly, and did not attempt to evade you. Suddenly, I heard your step behind me. Without turning round, I knew that I was about to hear your beloved voice directly addressing me. I was almost paralyzed by the expectation, and my heart beat so violently that I thought I should have to stand still. You were at my side. You greeted me cordially, as if we were old acquaintances---though you did not really know me, though you have never known anything about my life. So simple and charming was your manner that I was able to answer you without hesitation. We walked along the street, and you asked me whether we could not have supper together. I agreed. What was there I could have refused you?

We supped in a little restaurant. You must have forgotten where it was. To you it was one of many such. For what was I? One among hundreds; one adventure, one link in an endless chain. What happened that evening to keep me in your memory? I said very little, for I was so intensely happy to have you near me and to hear you speak to me. I did not wish to waste a moment upon questions or foolish words. I shall never cease to be thankful to you for that hour, for the way in which you justified my ardent admiration. I shall never forget the gentle tact you displayed. There was no undue eagerness, no hasty offer of a caress. From the first moment you displayed so much friendly confidence that you would have won me even if my whole being had not long ere this been yours. Can I make you understand how much it meant to me that my five years of expectation were so perfectly fulfilled?

The hour grew late, and we came away from the restaurant. At the door you asked me whether I was in any hurry, or still had time to spare. How could I hide from you that I was yours? I said I had plenty of time. With a momentary hesitation, you asked me whether I would not come to your rooms for a talk. "I shall be delighted," I answered with alacrity, thus giving frank expression to my feelings. I noticed right away that my ready assent surprised you. I am not sure whether your feeling was one of vexation or pleasure, but it was obvious to me that you were surprised. Today, of course, I understand your astonishment. I know now that it is usual for a woman, even though she may ardently desire to give herself to a man, to feign reluctance, to simulate alarm or indignation. She must be brought to consent by urgent pleading, by lies, vows, and promises. I know that only professional prostitutes are accustomed to answer such an invitation with a perfectly frank assent---prostitutes, or simple-minded, immature girls. How could you know that, in my case, the frank assent was but the voicing of an eternity of desire, the uprush of yearnings that had endured for a thousand days and more?

In any case, my manner aroused your attention; I had become interesting to you. As we were walking along together, I felt that during our conversation you were trying to sample me in some way. Your perceptions, your assured touch in the gamut of human emotions, made you realize instantly that there was something unusual here; that this pretty, complaisant girl carried a secret about with her.

Your curiosity had been awakened, and your discreet questions showed that you were trying to pluck the heart out of my mystery. But my replies were evasive. I would rather seem a fool than disclose my secret to you.

We went up to your flat. Forgive me, beloved, for saying that you cannot possibly understand all that it meant to me to go up those stairs with you---how I was mad, tortured, almost suffocated with happiness. Even now I can hardly think of it without tears, but I have no tears left. Everything in that house had been steeped in my passion; everything was a symbol of my childhood and its longing. There was the door behind which a thousand times I had awaited your coming; the stairs on which I had heard your footstep, and where I had first seen you; the judas through which I had watched your comings and goings; the doormat on which I had once knelt; the sound of a key in the lock, which had always been a signal to me. My whole childhood and all its passions were nested within these few yards of space. Here was my whole life, and it surged around me like a great storm, for all was being fulfilled, and I was going with you, I with you, into your, into our house. Think (the way I am phrasing it sounds trivial, but I know no better words) that up to your door was the world of reality, the dull everyday world which had been that of all my previous life. At this door began the magic world of my childish imaginings, Aladdin’s realm. Think how, a thousand times, I had had my burning eyes fixed upon this door through which I was now passing, my head in a whirl, and you will have an inkling---no more---of all that this tremendous minute meant to me.

I stayed with you that night. You did not dream that before you no man had ever touched or seen my body. How could you fancy it, when I made no resistance, and when I suppressed every trace of shame, fearing lest I might betray the secret of my love. That would certainly have alarmed you; you care only for what comes and goes easily, for that which is light of touch, lacking substance. You dread being involved in anyone else’s destiny. You like to give yourself freely to all the world---but not to make any sacrifices. When I tell you that I gave myself to you as a maiden, do not misunderstand me. I am not making any charge against you. You did not entice me, deceive me, seduce me. I threw myself into your arms; went out to meet my fate. I have nothing but thankfulness towards you for the blessedness of that night. When I opened my eyes in the darkness and you were beside me, I felt that I must be in heaven, and I was amazed that the stars were not shining on me. Never, beloved, have I repented giving myself to you that night. When you were sleeping beside me, when I listened to your breathing, touched your body, and felt myself so near you, I shed tears for very happiness.

I went away early in the morning. I had to go to my work, and I wanted to leave before your servant came. When I was ready to go, you put your arm round me and looked at me for a very long time. Was some obscure memory stirring in your mind; or was it simply that my radiant happiness made me seem beautiful to you? You kissed me on the lips, and I moved to go. You asked me: "Would you not like to take a few flowers with you?" There were four white roses in the blue crystal vase on the writing-table (I knew it of old from that stolen glance of childhood), and you gave them to me. For days they were mine to kiss.

We had arranged to meet on a second evening. Again it was full of wonder and delight. You gave me a third night. Then you said that you were called away from Vienna for a time---oh, how I had always hated those journeys of yours---and promised that I should hear from you as soon as you came back. I would only give you a poste-restante address, and did not tell you my real name. I guarded my secret. Once more you gave me roses at parting---at parting.

Day after day for two months I asked myself. . . . No, I will not describe the anguish of my expectation and despair. I make no complaint. I love you just as you are, ardent and forgetful, generous and unfaithful. You were back long before the two months were up. The light in your windows showed me that, but you did not write to me. In my last hours I have not a line in your handwriting, not a line from you to whom my life was given. I waited, waited despairingly. You did not call me to you, did not write a word, not a word . . . .

                            

************ 

 

My boy who died yesterday was yours too. Hewas your son, the child of one of those three nights. I was yours, and yours only from that time until the hour of his birth. I felt myself sanctified by your touch, and it would not have been possible for me then to accept any other man’s caresses. He was our boy, dear; the child of my fully conscious love and of your careless, spendthrift, almost unwitting tenderness. Our child, our son, our only child. Perhaps you will be startled, perhaps merely surprised. You will wonder why I never told you of this boy; and why, having kept silence throughout the long years, I only tell you of him now, when he lies in his last sleep, about to leave me for all time never, never to return. How could I have told you? I was a stranger, a girl who had shown herself only too eager to spend those three nights with you. Never would you have believed that I, the nameless partner in a chance encounter, had been faithful to you, the unfaithful. You would never, without misgivings, have accepted the boy as your own. Even if, to all appearance, you had trusted my word, you would still have cherished the secret suspicion that I had seized an opportunity of fathering upon you, a man of means, the child of another lover. You would have been suspicious. There would always have been a shadow of mistrust between you and me. I could not have borne it. Besides, I know you. Perhaps I know you better than you know yourself. You love to be carefree, light of heart, perfectly at ease; and that is what you understand by love. It would have been repugnant to you to find yourself suddenly in the position of father; to be made responsible, all at once, for a child’s destiny. The breath of freedom is the breath of life to you, and you would have felt me to be a tie. Inwardly, even in defiance of your conscious will, you would have hated me as an embodied claim. Perhaps only now and again, for an hour or for a fleeting minute, should I have seemed a burden to you, should I have been hated by you. But it was my pride that I should never be a trouble or a care to you all my life long. I would rather take the whole burden on myself than be a burden to you; I wanted to be the one among all the women you had intimately known of whom you would never think except with love and thankfulness. In actual fact, you never thought of me at all. You forgot me.

I am not accusing you. Believe me, I am not complaining. You must forgive me if for a moment, now and again, it seems as if my pen had been dipped in gall. You must forgive me; for my boy, our boy, lies dead there beneath the flickering candles. I have clenched my fists against God, and have called him a murderer, for I have been almost beside myself with grief. Forgive me for complaining. I know that you are kindhearted, and always ready to help. You will help the merest stranger at a word. But your kindliness is peculiar. It is unbounded. And yet, I must say it, your kindliness works sluggishly. You need to be asked. You help those who call for help; you help from shame, from weakness, and not from sheer joy in helping. Let me tell you openly that those who are in affliction and torment are not dearer to you than your brothers in happiness. Now, it is hard, very hard, to ask anything of such as you, even of the kindest among you. Once, when I was still a child, I watched through the judas in our door how you gave something to a beggar who had rung your bell. You gave quickly and freely, almost before he spoke. But there was a certain nervousness and haste in your manner, as if your chief anxiety were to be speedily rid of him; you seemed to be afraid to meet his eye. I have never forgotten this uneasy and timid way of giving help, this shunning of a word of thanks. That is why I never turned to you in my difficulty. Oh, I know that you would have given me all the help I needed, in spite of your doubt that my child was yours. You would have offered me comfort, and have given me money, an ample supply of money; but always with a masked impatience, a secret desire to shake off trouble. I even believe that you would have advised me to rid myself of the coming child. This was what I dreaded above all, for I knew that I should do whatever you wanted. But the child was all in all to me. It was yours; it was you reborn---not the happy and carefree you, whom I could never hope to keep; but you, given to me for my very own, flesh of my flesh, intimately intertwined with my own life. At length I held you fast; I could feel your lifeblood flowing through my veins; I could nourish you, caress you, kiss you, as often as my soul yearned. That was why I was so happy when I knew that I was with child by you, and that is why I kept the secret from you. Henceforward you could not escape me; you were mine.

But you must not suppose that the months of waiting passed so happily as I had dreamed in my first transports. They were full of sorrow and care, full of loathing for the baseness of mankind. Things went hard with me. I could not stay at work during the latter months, for my stepfather’s relatives would have noticed my condition, and would have sent the news home. Nor would I ask my mother for money; so until my time came I managed to live by the sale of some trinkets. A week before my confinement, the few crown-pieces that remained to me were stolen by my laundress, so I had to go to the maternity hospital. The child, your son, was born there, in that asylum of wretchedness, among the very poor, the outcast, and the abandoned. It was a deadly place. Everything was strange, was alien. We were all alien to one another, as we lay there in our loneliness, filled with mutual hatred, thrust together only by our kinship of poverty and distress into this crowded ward, reeking of chloroform and blood, filled with cries and moaning. A patient in these wards loses all individuality, except such as remains in the name at the head of the clinical record. What lies in the bed is merely a piece of quivering flesh, an object of study. . . .

 I ask your forgiveness for speaking of these things. I shall never speak of them again. For eleven years I have kept silence, and shall soon be dumb for evermore. Once, at least, I had to cry aloud, to let you know how dearly bought was this child, this boy who was my delight, and who now lies dead. I had forgotten those dreadful hours, forgotten them in his smiles and his voice, forgotten them in my happiness. Now, when he is dead, the torment has come to life again; and I had, this once, to give it utterance. But I do not accuse you; only God, only God who is the author of such purposeless affliction. Never have I cherished an angry thought of you. Not even in the utmost agony of giving birth did I feel any resentment against you; Never did I repent the nights when I enjoyed your love; never did I cease to love you, or to bless the hour when you came into my life. Were it necessary for me, fully aware of what was coming, to relive that time in hell, I would do it gladly, not once, but many times.

Our boy died yesterday, and you never knew him, your eyes have never rested on him. For a long time after our son was born, I kept myself hidden from you. My longing for you had become less overpowering. Indeed, I believe I loved you less passionately. Certainly, my love for you did not hurt so much, now that I had the boy. I did not wish to divide myself between you and him, and so I did not give myself to you, who were happy and independent of me, but to the boy who needed me, whom I had to nourish, whom I could kiss and fondle. I seemed to have been healed of my restless yearning for you. The doom seemed to have been lifted from me by the birth of this other you, who was truly my own. Rarely, now, did my feelings reach out towards you in your dwelling. One thing only---on your birthday I have always sent you a bunch of white roses, like the roses you gave me after our first night of love. Has it ever occurred to you, during these ten or eleven years, to ask yourself who sent them? Have you ever recalled having given such roses to a girl? I do not know, and never shall know. For me it was enough to send them to you out of the darkness; enough, once a year, to revive my own memory of that hour.

You never knew our boy. I blame myself today for having hidden him from you, for you would have loved him. You have never seen him smile when he first opened his eyes after sleep, his dark eyes that were your eyes, the eyes with which he looked merrily forth at me and the world. He was so bright, so lovable. All your lightheartedness, and your mobile imagination were his likewise---in the form in which these qualities can show themselves in a child. He would spend entranced hours playing with things as you play with life; and then, grown serious, would sit long over his books. He was you, reborn. The mingling of sport and earnest, which is so characteristic of you, was becoming plain in him; and the more he resembled you, the more I loved him. He was good at his lessons, so that he could chatter French like a magpie. His exercise books were the tidiest in the class. And what a fine, upstanding little man he was! When I took him to the seaside in the summer, at Grado, women used to stop and stroke his fair hair. At Semmering, when he was toboganing, people would turn round to gaze after him. He was so handsome, so gentle, so appealing. Last year, when he went to college as a boarder, he began to wear the collegiate uniform of an eighteenth century page, with a little dagger stuck in his belt---now he lies here only in his shirt, with pallid lips and crossed hands.

You will wonder how I could manage to give the boy so costly an upbringing, how it was possible for me to provide for him an entry into this bright and cheerful life of the well-to-do. Dear one, I am speaking to you from the darkness. Unashamed, I will tell you. Do not shrink from me. I sold myself. I did not become a streetwalker, a common prostitute, but I sold myself. My friends, my lovers, were wealthy men. At first I sought them out, but soon they sought me, for I was (did you ever notice it?) a beautiful woman. Every one to whom I gave myself was devoted to me. They all became my grateful admirers. They all loved me---except you, except you whom I loved.

Will you despise me now that I have told you what I did? I am sure you will not. I know you will understand everything, will understand that what I did was done only for you, for your other self, for your boy. In the lying-in hospital I had tasted the full horror of poverty. I knew that, in the world of the poor, those who are downtrodden are always the victims. I could not bear to think that your son, your lovely boy, was to grow up in that abyss, amid the corruptions of the street, in the poisoned air of a slum. His delicate lips must not learn the speech of the gutter; his fine, white skin must not be chafed by the harsh and sordid underclothing of the poor. Your son must have the best of everything, all the wealth and all the lightheartedness of the world. He must follow your footsteps through life, must dwell in the sphere in which you had lived.

That is why I sold myself. It was no sacrifice to me, for what are conventionally termed "honor" and "disgrace" were unmeaning words to me. You were the only one to whom my body could belong, and you did not love me, so what did it matter what I did with that body? My companions' caresses, even their most ardent passion, never sounded my depths, although many of them were persons I could not but respect, and although the thought of my own fate made me sympathise with them in their unrequited love. All these men were kind to me; they all petted and spoiled me; they all paid me every deference. one of them, a widower, an elderly man of title, used his utmost influence until he secured your boy’s nomination to the college. This man loved me like a daughter. Three or four times he urged me to marry him. I could have been a countess today, mistress of a lovely castle in Tyrol. I could have been free from care, for the boy would have had a most affectionate father, and I should have had a sedate, distinguished, and kindhearted husband. But I persisted in my refusal, though I knew it gave him pain. It may have been foolish of me. Had I yielded, I should have been living a safe and retired life somewhere, and my child would still have been with me. Why should I hide from you the reason for my refusal? I did not want to bind myself. I wanted to remain free---for you. In my innermost self, in the unconscious, I continued to dream the dream of my childhood. Some day, perhaps, you would call me to your side, were it only for an hour. For the possibility of this one hour I rejected everything else, simply that I might be free to answer your call. Since my first awakening to womanhood, what had my life been but waiting, a waiting upon your will?

In the end, the expected hour came. And still you never knew that it had come! When it came, you were sitting with some friends at the next table, regarding me with an admiring and covetous glance, that glance which had always thrilled me beyond expression. For the first time in ten years you were looking at me again under the stress of all the unconscious passion in your nature. I trembled, and my hand shook so violently that I nearly let my wineglass fall. Fortunately my companions did not notice my condition, for their perceptions were confused by the noise of laughter and music.

Your look became continually more ardent, and touched my own senses to fire. I could not be sure whether you had at last recognized me, or whether your desires had been aroused by one whom you believed to be a stranger. My cheeks were flushed, and I talked at random. You could not help noticing the effect your glance had on me. You made an inconspicuous movement of the head, to suggest my coming into the anteroom for a moment. Then, having settled your bill, you took leave of your associates, and left the table, after giving me a further sign that you intended to wait for me outside. I shook like one in the cold stage of a fever. I could no longer answer when spoken to, could no longer control  the tumult of my blood. At this moment, as chance would have it, a couple of Negroes with clattering heels began a barbaric dance, to the accompaniment of their own shrill cries. Everyone turned to look at them, and I seized my opportunity. Standing up, I told my friend that I would be back in a moment, and followed you.

You were waiting for me in the lobby, and your face lighted up when I came. With a smile on your lips, you hastened to meet me. It was plain that you did not recognize me, neither the child, nor the girl of old days. Again, to you, I was a new acquaintance.

"Have you really got an hour to spare for me?" you asked in a confident tone, which showed that you took me for one of the women whom anyone can buy for a night. "Yes," I answered; the same tremulous but perfectly acquiescent "Yes" that you had heard from me in my girlhood, more than ten years earlier, in the darkling street. "Tell me when we can meet," you said. "Whenever you like," I replied, for I knew nothing of shame where you were concerned.You looked at me with a little surprise, with a surprise which had in it the same flavor of doubt mingled with curiosity which you had shown before when you were astonished at the readiness of my acceptance. "Now?" you inquired, after a moment’s hesitation. "Yes," I replied," let us go."

I was about to fetch my wrap from the cloakroom, when I remembered that my friend had handed in our things together, and that he had the ticket. It was impossible to go back and ask him for it, and it seemed to me even more impossible to renounce this hour with you to which I had been looking forward for years. My choice was instantly made. I gathered my shawl around me, and went forth into the misty night, regardless not only of my cloak, but regardless, likewise, of the kindhearted man with whom I had been living for years---regardless of the fact that in this public way, before his friends, I was putting him into the ludicrous position of one whose mistress abandons him at the first nod of a stranger. Inwardly, I was well aware how basely and ungratefully I was behaving towards a good friend. I knew that my outrageous folly would alienate him from me forever, and that I was playing havoc with my life. But what was his friendship, what was my own life to me when compared with the chance of again feeling your lips on mine, of again listening to the tones of your voice. Now that all is over and done with I can tell you this, can let you know how I loved you. I believe that were you to summon me from my death-bed, I should find strength to rise in answer to your call.

There was a taxi at the door, and we drove to your rooms. Once more I could listen to your voice, once more I felt the ecstasy of being near you, and was almost as intoxicated with joy and confusion as I had been so long before. But I cannot describe it all to you, how what I had felt ten years earlier was now renewed as we went up the well-known stairs together; how I lived simultaneously in the past and in the present, my whole being fused as it were with yours. In your rooms, little was changed. There were a few more pictures, a great many more books, one or two additions to your furniture---but the whole had the friendly look of an old acquaintance. On the writing table was the vase with the roses---my roses, the ones I had sent you the day before as a memento of the woman whom you did not remember, whom you did not recognize, not even now when she was close to you, when you were holding her hand and your lips were pressed on hers. But it comforted me to see my flowers there, to know that you had cherished something that was an emanation from me, was the breath of my love for you.

You took me in your arms. Again I stayed with you for the whole of one glorious night. But even then you did not recognize me. While I thrilled to your caresses, it was plain to me that your passion knew no difference between a loving mistress and a meretrix, that your spendthrift affections were wholly concentrated in their own expression. To me, the stranger picked up at a dancing-hall, you were at once affectionate and courteous. You would not treat me lightly, and yet you were full of an enthralling ardor. Dizzy with the old happiness, I was again aware of the two-sidedness of your nature, of that strange mingling of intellectual passion with sensual, which had already enslaved me to you in my childhood. In no other man have I ever known such complete surrender to the sweetness of the moment. No other has for the time being given himself so utterly as did you who, when the hour was past, were to relapse into an interminable and almost inhuman forgetfulness. But I, too, forgot myself. Who was I, lying in the darkness beside you? Was I the impassioned child of former days; was I the mother of your son; was I a stranger? Everything in this wonderful night was at one and the same time entrancingly familiar and entrancingly new. I prayed that the joy might last forever.

But morning came. It was late when we rose, and you asked me to stay to breakfast. Over the tea, which an unseen hand had discreetly served in the dining room, we talked quietly. As of old, you displayed a cordial frankness; and, as of old, there were no tactless questions, there was no curiosity about myself. You did not ask my name, nor where I lived. To you I was, as before, a casual adventure, a nameless woman, an ardent hour which leaves no trace when it is over. You told me that you were about to start on a long journey, that you were going to spend two or three months in Northern Africa. The words broke in upon my happiness like a knell: "Past, past, past and forgotten!" I longed to throw myself at your feet, crying: "Take me with you, that you may at length came to know me, at length after all these years!" But I was timid, cowardly, slavish, weak. All I could say was: "What a pity." You looked at me with a smile---"Are you really sorry?"

For a moment I was as if frenzied. I stood up and looked at you fixedly. Then I said: "The man I love has always gone on a journey." I looked you straight in the eyes. "Now, now," I thought, "now he will recognize me!" You only smiled, and said consolingly: " One comes back after a time." I answered: "Yes, one comes back, but one has forgotten by then."

I must have spoken with strong feeling, for my tone moved you. You, too, rose, and looked at me wonderingly and tenderly. You put your hands on my shoulders: "Good things are not forgotten, and I shall not forget you." Your eyes studied me attentively, as if you wished to form an enduring image of me in your mind. When I felt this penetrating glance, this exploration of my whole being, I could not but fancy that the spell of your blindness would at last be broken. "He will recognize me! He will recognize me!" My soul trembled with expectation.

But you did not recognize me. No, you did not recognize me. Never had I been more of a stranger to you than I was at that moment, for had it been otherwise you could not possibly have done what you did a few minutes later. You had kissed me again, had kissed me passionately. My hair had been ruffled, and I had to tidy it once more. Standing at the glass, I saw in it---and as I saw, I was overcome with shame and horror---that you were surreptitiously slipping a couple of banknotes into my muff. I could hardly refrain from crying out; I could hardly refrain from slapping your face. You were paying me for the night I had spent with you, me who had loved you since childhood, me the mother of your son. To you I was only a prostitute picked up at a dancing-hall. It was not enough that you should forget me; you had to pay me, and to debase me by doing so.

I hastily gathered up my belongings, that I might escape as quickly as possible; the pain was too great. I looked round for my hat. There it was, on the writing table, beside the vase with the white roses, my roses. I had an irresistible desire to make a last effort to awaken your memory. "Will you give me one of your white roses?"---"Of course," you answered, lifting them all out of the vase. "But perhaps they were given you by a woman, a woman who loves you?" "Maybe," you replied, "I don't know. They were a present, but I don't know who sent them; that's why I'm so fond of them." I looked at you intently: "Perhaps they were sent you by a woman whom you have forgotten!"

You were surprised. I looked at you yet more intently. "Recognize me, only recognize me at last!" was the clamor of my eyes. But your smile, though cordial, had no recognition in it. You kissed me yet again, but you did not recognize me.

I hurried away, for my eyes were filling with tears, and I did not want you to see. In the entry, as I precipitated myself from the room, I almost cannoned into John, your servant. Embarrassed but zealous, he got out of my way, and opened the front door for me. Then, in this fugitive instant, as I looked at him through my tears, a light suddenly flooded the old man’s face. In this fugitive instant, I tell you, he recognized me, the man who had never seen me since my childhood. I was so grateful, that I could have kneeled before him and kissed his hands. I tore from my muff the banknotes with which you had scourged me, and thrust them upon him. He glanced at me in alarm---for in this instant I think he understood more of me than you have understood in your whole life. Everyone, everyone, has been eager to spoil me; everyone has loaded me with kindness. But you, only you, forgot me. You, only you, never recognized me.

My boy, our boy, is dead. I have no one left to love; no one in the world, except you. But what can you be to me---you who have never, never recognized me; You who stepped across me as you might step across a stream, you who trod on me as you might tread on a stone; you who went on your way unheeding, while you left me to wait for all eternity? Once I fancied that I could hold you for my own; that I held you, the elusive, in the child. But he was your son. In the night, he cruelly slipped away from me on a journey; he has forgotten me, and will never return. I am alone once more, more utterly alone than ever. I have nothing, nothing from you. No child, no word, no line of writing, no place in your memory. If anyone were to mention my name in your presence, to you it would be the name of a stranger. Shall I not be glad to die, since I am dead to you? Glad to go away, since you have gone away from me?

Beloved, I am not blaming you. I do not wish to intrude my sorrows into your joyful life. Do not fear that I shall ever trouble you further. Bear with me for giving way to the longing to cry out my heart to you this once, in the bitter hour when the boy lies dead. Only this once I must talk to you. Then I shall slip back into obscurity, and be dumb towards you as I have ever been. You will not even hear my cry so long as I continue to live. Only when I am dead will this heritage come to you from one who has loved you more fondly than any other has loved you, from one whom you have never recognized, from one who has always been awaiting your summons and whom You have never summoned. Perhaps, perhaps, when you receive this legacy you will call to me; and for the first time I shall be unfaithful to you, for I shall not hear you in the sleep of death. Neither picture nor token do I leave you, just as you left me nothing, for never will you recognize me now. That was my fate in life, and it shall be my fate in death likewise. I shall not summon you in my last hour; I shall go my way leaving you ignorant of my name and my appearance. Death will be easy to me, for you will not feel it from afar. I could not die if my death were going to give you pain.

I cannot write any more. My head is so heavy; my limbs ache; I am feverish. I must lie down. Perhaps all will soon be over. Perhaps, this once, fate will be kind to me, and I shall not have to see them take away my boy. . . . I cannot write any more. Farewell, dear one, farewell. All my thanks go out to you. What happened was good, in spite of everything. I shall be thankful to you till my last breath. I am so glad that I have told you all. Now you will know, though you can never fully understand, how much I have loved you; and yet my love will never be a burden to you. It is my solace that you will not miss me. Nothing will be changed in your bright and lovely life. Beloved, my death will not harm you. This comforts me.

But who, ah who, will now send you white roses on your birthday? The vase will be empty. No longer will come that breath, that aroma, from my life, which once a year was breathed into your room.

I have one last request---the first, and the last. Do it for my sake. Always on your birthday---a day when one thinks of oneself---get some roses and put them in the vase. Do it just as others, once a year, have a Mass said for the beloved dead. I no longer believe in God, and therefore I do not want a Mass said for me. I believe in you alone. I love none but you. Only in you do I wish to go on living---just one day in the year, softly, quietly, as I have always lived near you. Please do this, my darling, please do it. . . . My first request, and my last . . . . Thanks, thanks. . . . I love you, I love you. . . . Farewell. . . .

 

***************************

 

The letter fell from his nerveless hands. He thought long and deeply. Yes, he had vague memories of a neighbour’s child, of a girl, of a woman in a dancing hall---all was dim and confused, like the flickering and shapeless view of a stone in the bed of a swiftly running stream. Shadows chased one another across his mind, but would not fuse into a picture. There were stirrings of memory in the realm of feeling, and still he could not remember. It seemed to him that he must have dreamed of all these figures, must have dreamed often and vividly---and yet they had only been the phantoms of a dream.

His eyes wandered to the blue vase on the writing-table. It was empty. For years it had not been empty on his birthday. He shuddered, feeling as if an invisible door had been suddenly opened, a door through which a chill breeze from another world was blowing into his sheltered room. An intimation of death came to him, and an intimation of deathless love. Something welled up within him; and the thought of the dead woman stirred in his mind, bodiless and passionate, like the sound of distant music.

          只看德语(German Only)                                                 只看英语(English Only)                                               只看汉语(Chinese Only)


 

网站首页 (Homepage)                                   前页(Previous Page)                                             下页(Next Page)                                     返回 (Return)

 

 

 

          分类:              国芳多语对照文库 >> 德语-英语-汉语 >> 茨威格 >> 中短篇小说      
    Categories:  Xie's Multilingual Corpus >> German-English-Chinese >> Stefan Zweig  >>   Novella               
                                        
    

 

 



                              Copyright © 2001-2012 by Guofang Xie.    All Rights Reserved. 

                   谢国芳(Roy Xie)版权所有  © 2001-2012.   一切权利保留。
浙ICP备11050697号