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解密文本:《象棋的故事》  [奥] 茨威格 著          
 
Schachnovelle
 von  Stefan Zweig

 

                  Chess Story            
                                                                         by  Stefan Zweig    
                                                                

         
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    Auf dem großen Passagierdampfer, der um Mitternacht von New York nach Buenos Aires abgehen sollte, herrschte die übliche Geschäftigkeit und Bewegung der letzten Stunde. Gäste vom Land drängten durcheinander, um ihren Freunden das Geleit zu geben, Telegraphenboys mit schiefen Mützen schossen Namen ausrufend durch die Gesellschaftsräume, Koffer und Blumen wurden geschleppt, Kinder liefen neugierig treppauf und treppab, während das Orchester unerschütterlich zur Deck-show spielte. Ich stand im Gespräch mit einem Bekannten etwas abseits von diesem Getümmel auf dem Promenadendeck, als neben uns zwei- oder dreimal Blitzlicht scharf aufsprühte – anscheinend war irgendein Prominenter knapp vor der Abfahrt noch rasch von Reportern interviewt und photographiert worden. Mein Freund blickte hin und lächelte. »Sie haben da einen raren Vogel an Bord, den Czentovic.« Und da ich offenbar ein ziemlich verständnisloses Gesicht zu dieser Mitteilung machte, fügte er erklärend bei: »Mirko Czentovic, der Weltschachmeister. Er hat ganz Amerika von Ost nach West mit Turnierspielen abgeklappert und fährt jetzt zu neuen Triumphen nach Argentinien.«

In der Tat erinnerte ich mich nun dieses jungen Weltmeisters und sogar einiger Einzelheiten im Zusammenhang mit seiner raketenhaften Karriere; mein Freund, ein aufmerksamerer Zeitungsleser als ich, konnte sie mit einer ganzen Reihe von Anekdoten ergänzen. Czentovic hatte sich vor etwa einem Jahr mit einem Schlage neben die bewährtesten Altmeister der Schachkunst, wie Aljechin, Capablanca, Tartakower, Lasker, Bogoljubow, gestellt. Seit dem Auftreten des siebenjährigen Wunderkindes Rzecewski bei dem Schachturnier  in New York hatte noch nie der Einbruch eines völlig Unbekannten in die ruhmreiche Gilde derart allgemeines Aufsehen erregt. Denn Czentovics intellektuelle Eigenschaften schienen ihm keineswegs solch eine blendende Karriere von vornherein zu weissagen. Bald sickerte das Geheimnis durch, daß dieser Schachmeister in seinem Privatleben außerstande war, in irgendeiner Sprache einen Satz ohne orthographischen Fehler zu schreiben, und wie einer seiner verärgerten Kollegen ingrimmig spottete, »seine Unbildung war auf allen Gebieten gleich universell«. Sohn eines blutarmen südslawischen Donauschiffers, dessen winzige Barke eines Nachts von einem Getreidedampfer überrannt wurde, war der damals Zwölfjährige nach dem Tode seines Vaters vom Pfarrer des abgelegenen Ortes aus Mitleid aufgenommen worden, und der gute Pater bemühte sich redlich, durch häusliche Nachhilfe wettzumachen, was das maulfaule, dumpfe, breitstirnige Kind in der Dorfschule nicht zu erlernen vermochte.

Aber die Anstrengungen blieben vergeblich. Mirko starrte die ihm schon hundertmal erklärten Schriftzeichen immer wieder fremd an; auch für die simpelsten Unterrichtsgegenstände fehlte seinem schwerfällig arbeitenden Gehirn jede festhaltende Kraft. Wenn er rechnen sollte, mußte er noch mit vierzehn Jahren die Finger zu Hilfe nehmen, und ein Buch oder eine Zeitung zu lesen, bedeutete für den schon halbwüchsigen Jungen noch besondere Anstrengung. Dabei konnte man Mirko keineswegs unwillig oder widerspenstig nennen. Er tat gehorsam, was man ihm gebot, holte Wasser, spaltete Holz, arbeitete mit auf dem Felde, räumte die Küche auf und erledigte verläßlich, wenn auch mit verärgernder Langsamkeit, jeden geforderten Dienst. Was den guten Pfarrer aber an dem querköpfigen Knaben am meisten verdroß, war seine totale Teilnahmslosigkeit. Er tat nichts ohne besondere Aufforderung, stellte nie eine Frage, spielte nicht mit anderen Burschen und suchte von selbst keine Beschäftigung, sofern man sie nicht ausdrücklich anordnete; sobald Mirko die Verrichtungen des Haushalts erledigt hatte, saß er stur im Zimmer herum mit jenem leeren Blick, wie ihn Schafe auf der Weide haben, ohne an den Geschehnissen rings um ihn den geringsten Anteil zu nehmen. Während der Pfarrer abends, die lange Bauernpfeife schmauchend, mit dem Gendarmeriewachtmeister seine üblichen drei Schachpartien spielte, hockte der blondsträhnige Bursche stumm daneben und starrte unter seinen schweren Lidern anscheinend schläfrig und gleichgültig auf das karierte Brett.

Eines Winterabends klingelten, während die beiden Partner in ihre tägliche Partie vertieft waren, von der Dorfstraße her die Glöckchen eines Schlittens rasch und immer rascher heran. Ein Bauer, die Mütze mit Schnee überstäubt, stapfte hastig herein, seine alte Mutter läge im Sterben, und der Pfarrer möge eilen, ihr noch rechtzeitig die letzte Ölung zu erteilen. Ohne zu zögern folgte ihm der Priester. Der Gendarmeriewachtmeister, der sein Glas Bier noch nicht ausgetrunken hatte, zündete sich zum Abschied eine neue Pfeife an und bereitete sich eben vor, die schweren Schaftstiefel anzuziehen, als ihm auffiel, wie unentwegt der Blick Mirkos auf dem Schachbrett mit der angefangenen Partie haftete. »

Na, willst du sie zu Ende spielen?« spaßte er, vollkommen überzeugt, daß der schläfrige Junge nicht einen einzigen Stein auf dem Brett richtig zu rücken verstünde. Der Knabe starrte scheu auf, nickte dann und setzte sich auf den Platz des Pfarrers. Nach vierzehn Zügen war der Gendarmeriewachtmeister geschlagen und mußte zudem eingestehen, daß keineswegs ein versehentlicher nachlässiger Zug seine Niederlage verschuldet habe. Die zweite Partie fiel nicht anders aus.

»Bileams Esel!« rief erstaunt bei seiner Rückkehr der Pfarrer aus, dem weniger bibelfesten Gendarmeriewachtmeister erklärend, schon vor zweitausend Jahren hätte sich ein ähnliches Wunder ereignet, daß ein stummes Wesen plötzlich die Sprache der Weisheit gefunden habe. Trotz der vorgerückten Stunde konnte der Pfarrer sich nicht enthalten, seinen halb analphabetischen Famulus zu einem Zweikampf herauszufordern. Mirko schlug auch ihn mit Leichtigkeit. Er spielte zäh, langsam, unerschütterlich, ohne ein einziges Mal die gesenkte breite Stirn vom Brette aufzuheben. Aber er spielte mit unwiderlegbarer Sicherheit; weder der Gendarmeriewachtmeister noch der Pfarrer waren in den nächsten Tagen imstande, eine Partie gegen ihn zu gewinnen. Der Pfarrer, besser als irgend jemand befähigt, die sonstige Rückständigkeit seines Zöglings zu beurteilen, wurde nun ernstlich neugierig, wie weit diese einseitige sonderbare Begabung einer strengeren Prüfung standhalten würde. Nachdem er Mirko bei dem Dorfbarbier die struppigen strohblonden Haare hatte schneiden lassen, um ihn einigermaßen präsentabel zu machen, nahm er ihn in seinem Schlitten mit in die kleine Nachbarstadt, wo er im Café des Hauptplatzes eine Ecke mit enragierten Schachspielern wußte, denen er selbst erfahrungsgemäß nicht gewachsen war. Es erregte bei der ansässigen Runde nicht geringes Staunen, als der Pfarrer den fünfzehnjährigen strohblonden und rotbackigen Burschen in seinem nach innen getragenen Schafspelz und schweren, hohen Schaftstiefeln in das Kaffeehaus schob, wo der Junge befremdet mit scheu niedergeschlagenen Augen in einer Ecke stehenblieb, bis man ihn zu einem der Schachtische hinrief. In der ersten Partie wurde Mirko geschlagen, da er die sogenannte Sizilianische Eröffnung bei dem guten Pfarrer nie gesehen hatte. In der zweiten Partie kam er schon gegen den besten Spieler auf Remis. Von der dritten und vierten an schlug er sie alle, einen nach dem andern. Nun ereignen sich in einer kleinen südslawischen Provinzstadt höchst selten aufregende Dinge; so wurde das erste Auftreten dieses bäuerlichen Champions für die versammelten Honoratioren unverzüglich zur Sensation. Einstimmig wurde beschlossen, der Wunderknabe müßte unbedingt noch bis zum nächsten Tage in der Stadt bleiben, damit man die anderen Mitglieder des Schachklubs zusammenrufen und vor allem den alten Grafen Simczic, einen Fanatiker des Schachspiels, auf seinem Schlosse verständigen könne. Der Pfarrer, der mit einem ganz neuen Stolz auf seinen Pflegling blickte, aber über seiner Entdeckerfreude doch seinen pflichtgemäßen Sonntagsgottesdienst nicht versäumen wollte, erklärte sich bereit, Mirko für eine weitere Probe zurückzulassen. Der junge Czentovic wurde auf Kosten der Schachecke im Hotel einquartiert und sah an diesem Abend zum erstenmal ein Wasserklosett. Am folgenden Sonntagnachmittag war der Schachraum überfüllt. Mirko, unbeweglich vier Stunden vor dem Brett sitzend, besiegte, ohne ein Wort zu sprechen oder auch nur aufzuschauen, einen Spieler nach dem andern; schließlich wurde eine Simultanpartie vorgeschlagen. Es dauerte eine Weile, ehe man dem Unbelehrten begreiflich machen konnte, daß bei einer Simultanpartie er allein gegen die verschiedenen Spieler zu kämpfen hätte. Aber sobald Mirko diesen Usus begriffen, fand er sich rasch in die Aufgabe, ging mit seinen schweren, knarrenden Schuhen langsam von Tisch zu Tisch und gewann schließlich sieben von den acht Partien.

Nun begannen große Beratungen. Obwohl dieser neue Champion im strengen Sinne nicht zur Stadt gehörte, war doch der heimische Nationalstolz lebhaft entzündet. Vielleicht konnte endlich die kleine Stadt, deren Vorhandensein auf der Landkarte kaum jemand bisher wahrgenommen, zum erstenmal sich die Ehre erwerben, einen berühmten Mann in die Welt zu schicken. Ein Agent namens Koller, sonst nur Chansonetten und Sängerinnen für das Kabarett der Garnison vermittelnd, erklärte sich bereit, sofern man den Zuschuß für ein Jahr leiste, den jungen Menschen in Wien von einem ihm bekannten ausgezeichneten kleinen Meister fachmäßig in der Schachkunst ausbilden zu lassen. Graf Simczic, dem in sechzig Jahren täglichen Schachspieles nie ein so merkwürdiger Gegner entgegengetreten war, zeichnete sofort den Betrag. Mit diesem Tage begann die erstaunliche Karriere des Schiffersohnes.

Nach einem halben Jahre beherrschte Mirko sämtliche Geheimnisse der Schachtechnik, allerdings mit einer seltsamen Einschränkung, die später in den Fachkreisen viel beobachtet und bespöttelt wurde. Denn Czentovic brachte es nie dazu, auch nur eine einzige Schachpartie auswendig – oder wie man fachgemäß sagt: blind – zu spielen. Ihm fehlte vollkommen die Fähigkeit, das Schlachtfeld in den unbegrenzten Raum der Phantasie zu stellen. Er mußte immer das schwarzweiße Karree mit den vierundsechzig Feldern und zweiunddreißig Figuren handgreiflich vor sich haben; noch zur Zeit seines Weltruhmes führte er ständig ein zusammenlegbares Taschenschach mit sich, um, wenn er eine Meisterpartie rekonstruieren oder ein Problem für sich lösen wollte, sich die Stellung optisch vor Augen zu führen. Dieser an sich unbeträchtliche Defekt verriet einen Mangel an imaginativer Kraft und wurde in dem engen Kreise ebenso lebhaft diskutiert, wie wenn unter Musikern ein hervorragender Virtuose oder Dirigent sich unfähig gezeigt hätte, ohne aufgeschlagene Partitur zu spielen oder zu dirigieren. Aber diese merkwürdige Eigenheit verzögerte keineswegs Mirkos stupenden Aufstieg. Mit siebzehn Jahren hatte er schon ein Dutzend Schachpreise gewonnen, mit achtzehn sich die ungarische Meisterschaft, mit zwanzig endlich die Weltmeisterschaft erobert. Die verwegensten Champions, jeder einzelne an intellektueller Begabung, an Phantasie und Kühnheit ihm unermeßlich überlegen, erlagen ebenso seiner zähen und kalten Logik wie Napoleon dem schwerfälligen Kutusow, wie Hannibal dem Fabius Cunctator, von dem Livius berichtet, daß er gleichfalls in seiner Kindheit derart auffällige Züge von Phlegma und Imbezillität gezeigt habe. So geschah es, daß in die illustre Galerie der Schachmeister, die in ihren Reihen die verschiedensten Typen intellektueller Überlegenheit vereinigt – Philosophen, Mathematiker, kalkulierende, imaginierende und oft schöpferische Naturen –, zum erstenmal ein völliger Outsider der geistigen Welt einbrach, ein schwerer, maulfauler Bauernbursche, aus dem auch nur ein einziges publizistisch brauchbares Wort herauszulocken selbst den gerissensten Journalisten nie gelang. Freilich, was Czentovic den Zeitungen an geschliffenen Sentenzen vorenthielt, ersetzte er bald reichlich durch Anekdoten über seine Person. Denn rettungslos wurde mit der Sekunde, da er vom Schachbrette aufstand, wo er Meister ohnegleichen war, Czentovic zu einer grotesken und beinahe komischen Figur; trotz seines feierlichen schwarzen Anzuges, seiner pompösen Krawatte mit der etwas aufdringlichen Perlennadel und seiner mühsam manikürten Finger blieb er in seinem Gehaben und seinen Manieren derselbe beschränkte Bauernjunge, der im Dorf die Stube des Pfarrers gefegt. Ungeschickt und geradezu schamlos plump suchte er zum Gaudium und zum Ärger seiner Fachkollegen aus seiner Begabung und seinem Ruhm mit einer kleinlichen und sogar oft ordinären Habgier herauszuholen, was an Geld herauszuholen war. Er reiste von Stadt zu Stadt, immer in den billigsten Hotels wohnend, er spielte in den kläglichsten Vereinen, sofern man ihm sein Honorar bewilligte, er ließ sich abbilden auf Seifenreklamen und verkaufte sogar, ohne auf den Spott seiner Konkurrenten zu achten, die genau wußten, daß er nicht imstande war, drei Sätze richtig zu schreiben, seinen Namen für eine ›Philosophie des Schachs‹, die in Wirklichkeit ein kleiner galizischer Student für den geschäftstüchtigen Verleger geschrieben. Wie allen zähen Naturen fehlte ihm jeder Sinn für das Lächerliche: seit seinem Siege im Weltturnier hielt er sich für den wichtigsten Mann der Welt, und das Bewußtsein, all diese gescheiten, intellektuellen, blendenden Sprecher und Schreiber auf ihrem eigenen Feld geschlagen zu haben, und vor allem die handgreifliche Tatsache, mehr als sie zu verdienen, verwandelte die ursprüngliche Unsicherheit in einen kalten und meist plump zur Schau getragenen Stolz.

 »Aber wie sollte ein so rascher Ruhm nicht einen so leeren Kopf beduseln?« schloß mein Freund, der mir gerade einige klassische Proben von Czentovics kindischer Präpotenz anvertraut hatte. »Wie sollte ein einundzwanzigjähriger Bauernbursche aus dem Banat nicht den Eitelkeitskoller kriegen, wenn er plötzlich mit ein bißchen Figurenherumschieben auf einem Holzbrett in einer Woche mehr verdient als sein ganzes Dorf daheim mit Holzfällen und den bittersten Abrackereien in einem ganzen Jahr? Und dann, ist es nicht eigentlich verflucht leicht, sich für einen großen Menschen zu halten, wenn man nicht mit der leisesten Ahnung belastet ist, daß ein Rembrandt, ein Beethoven, ein Dante, ein Napoleon je gelebt haben? Dieser Bursche weiß in seinem vermauerten Gehirn nur das eine, daß er seit Monaten nicht eine einzige Schachpartie verloren hat, und da er eben nicht ahnt, daß es außer Schach und Geld noch andere Werte auf unserer Erde gibt, hat er allen Grund, von sich begeistert zu sein.«

Diese Mitteilungen meines Freundes verfehlten nicht, meine besondere Neugierde zu erregen. Alle Arten von monomanischen, in eine einzige Idee verschossenen Menschen haben mich zeitlebens angereizt, denn je mehr sjch einer begrenzt, um so mehr ist er andererseits dem Unendlichen nahe; gerade solche scheinbar Weltabseitigen bauen in ihrer besonderen Materie sich termitenhaft eine merkwürdige und durchaus einmalige Abbreviatur der Welt. So machte ich aus meiner Absicht, dieses sonderbare Spezimen intellektueller Eingleisigkeit auf der zwölftägigen Fahrt bis Rio näher unter die Lupe zu nehmen, kein Hehl.

Jedoch: »Da werden Sie wenig Glück haben«, warnte mein Freund. »Soviel ich weiß, ist es noch keinem gelungen, aus Czentovic das geringste an psychologischem Material herauszuholen. Hinter all seiner abgründigen Beschränktheit verbirgt dieser gerissene Bauer die große Klugheit, sich keine Blößen zu geben, und zwar dank der simplen Technik, daß er außer mit Landsleuten seiner eigenen Sphäre, die er sich in kleinen Gasthäusern zusammensucht, jedes Gespräch vermeidet. Wo er einen gebildeten Menschen spürt, kriecht er in sein Schneckenhaus; so kann niemand sich rühmen, je ein dummes Wort von ihm gehört oder die angeblich unbegrenzte Tiefe seiner Unbildung ausgemessen zu haben.«

Mein Freund sollte in der Tat recht behalten. Während der ersten Tage der Reise erwies es sich als vollkommen unmöglich, an Czentovic ohne grobe Zudringlichkeit, die schließlich nicht meine Sache ist, heranzukommen. Manchmal schritt er zwar über das Promenadendeck, aber dann immer die Hände auf dem Rücken verschränkt mit jener stolz in sich versenkten Haltung, wie Napoleon auf dem bekannten Bilde; außerdem erledigte er immer so eilig und stoßhaft seine peripatetische Deckrunde, daß man ihm hätte im Trab nachlaufen müssen, um ihn ansprechen zu können. In den Gesellschaftsräumen wiederum, in der Bar, im Rauchzimmer zeigte er sich niemals; wie mir der Steward auf vertrauliche Erkundigung hin mitteilte, verbrachte er den Großteil des Tages in seiner Kabine, um auf einem mächtigen Brett Schachpartien einzuüben oder zu rekapitulieren.

Nach drei Tagen begann ich mich tatsächlich zu ärgern, daß seine geschickte Abwehrtechnik geschickter war als mein Wille, an ihn heranzukommen. Ich hatte in meinem Leben noch nie Gelegenheit gehabt, die persönliche Bekanntschaft eines Schachmeisters zu machen, und je mehr ich mich jetzt bemühte, mir einen solchen Typus zu personifizieren, um so unvorstellbarer schien mir eine Gehirntätigkeit, die ein ganzes Leben lang ausschließlich um einen Raum von vierundsechzig schwarzen und weißen Feldern rotiert. Ich wußte wohl aus eigener Erfahrung um die geheimnisvolle Attraktion des ›königlichen Spiels‹, dieses einzigen unter allen Spielen, die der Mensch ersonnen, das sich souverän jeder Tyrannis des Zufalls entzieht und seine Siegespalmen einzig dem Geist oder vielmehr einer bestimmten Form geistiger Begabung zuteilt. Aber macht man sich nicht bereits einer beleidigenden Einschränkung schuldig, indem man Schach ein Spiel nennt? Ist es nicht auch eine Wissenschaft, eine Kunst, schwebend zwischen diesen Kategorien wie der Sarg Mohammeds zwischen Himmel und Erde, eine einmalige Bindung aller Gegensatzpaare; uralt und doch ewig neu, mechanisch in der Anlage und doch nur wirksam durch Phantasie, begrenzt in geometrisch starrem Raum und dabei unbegrenzt in seinen Kombinationen, ständig sich entwickelnd und doch steril, ein Denken, das zu nichts führt, eine Mathematik, die nichts errechnet, eine Kunst ohne Werke, eine Architektur ohne Substanz und nichtsdestominder erwiesenermaßen dauerhafter in seinem Sein und Dasein als alle Bücher und Werke, das einzige Spiel, das allen Völkern und allen Zeiten zugehört und von dem niemand weiß, welcher Gott es auf die Erde gebracht, um die Langeweile zu töten, die Sinne zu schärfen, die Seele zu spannen. Wo ist bei ihm Anfang und wo das Ende? Jedes Kind kann seine ersten Regeln erlernen, jeder Stümper sich in ihm versuchen, und doch vermag es innerhalb dieses unveränderbar engen Quadrats eine besondere Spezies von Meistern zu erzeugen, unvergleichbar allen anderen, Menschen mit einer einzig dem Schach zubestimmten Begabung, spezifische Genies, in denen Vision, Geduld und Technik in einer ebenso genau bestimmten Verteilung wirksam sind wie im Mathematiker, im Dichter, im Musiker, und nur in anderer Schichtung und Bindung. In früheren Zeiten physiognomischer Leidenschaft hätte ein Gall vielleicht die Gehirne solcher Schachmeister seziert, um festzustellen, ob bei solchen Schachgenies eine besondere Windung in der grauen Masse des Gehirns, eine Art Schachmuskel oder Schachhöcker sich intensiver eingezeichnet fände als in anderen Schädeln. Und wie hätte einen solchen Physiognomiker erst der Fall eines Czentovic angereizt, wo dies spezifische Genie eingesprengt erscheint in eine absolute intellektuelle Trägheit wie ein einzelner Faden Gold in einem Zentner tauben Gesteins! Im Prinzip war mir die Tatsache von jeher verständlich, daß ein derart einmaliges, ein solches geniales Spiel sich spezifische Matadore schaffen mußte, aber wie schwer, wie unmöglich doch, sich das Leben eines geistig regsamen Menschen vorzustellen, dem sich die Welt einzig auf die enge Einbahn zwischen Schwarz und Weiß reduziert, der in einem bloßen Hin und Her, Vor und Zurück von zweiunddreißig Figuren seine Lebenstriumphe sucht, einen Menschen, dem bei einer neuen Eröffnung, den Springer vorzuziehen statt des Bauern, schon Großtat und sein ärmliches Eckchen Unsterblichkeit im Winkel eines Schachbuches bedeutet – einen Menschen, einen geistigen Menschen, der, ohne wahnsinnig zu werden, zehn, zwanzig, dreißig, vierzig Jahre lang die ganze Spannkraft seines Denkens immer und immer wieder an den lächerlichen Einsatz wendet, einen hölzernen König auf einem hölzernen Brett in den Winkel zu drängen!

Und nun war ein solches Phänomen, ein solches sonderbares Genie oder ein solcher rätselhafter Narr mir räumlich zum erstenmal ganz nahe, sechs Kabinen weit auf demselben Schiff, und ich Unseliger, finden Neugier in geistigen Dingen immer zu einer Art Passion ausartet, sollte nicht imstande sein, mich ihm zu nähern. Ich begann, mir die absurdesten Listen auszudenken: etwa, ihn in seiner Eitelkeit zu kitzeln, indem ich ihm ein angebliches Interview für eine wichtige Zeitung vortäuschte, oder bei seiner Habgier zu packen, dadurch, daß ich ihm ein einträgliches Turnier in Schottland proponierte. Aber schließlich erinnerte ich mich, daß die bewährteste Technik der Jäger, den Auerhahn an sich heranzulocken, darin besteht, daß sie seinen Balzschrei nachahmen; was konnte eigentlich wirksamer sein, um die Aufmerksamkeit eines Schachmeisters auf sich zu ziehen, als indem man selber Schach spielte?

Nun bin ich zeitlebens nie ein ernstlicher Schachkünstler gewesen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ich mich mit Schach immer bloß leichtfertig und ausschließlich zu meinem Vergnügen befaßte; wenn ich mich für eine Stunde vor das Brett setze, geschieht dies keineswegs, um mich anzustrengen, sondern im Gegenteil, um mich von geistiger Anspannung zu entlasten. Ich ›spiele‹ Schach im wahrsten Sinne des Wortes, während die anderen, die wirklichen Schachspieler, Schach ›ernsten‹, um ein verwegenes neues Wort in die deutsche Sprache einzuführen. Für Schach ist nun, wie für die Liebe, ein Partner unentbehrlich, und ich wußte zur Stunde noch nicht, ob sich außer uns andere Schachliebhaber an Bord befanden. Um sie aus ihren Höhlen herauszulocken, stellte ich im Smoking Room eine primitive Falle auf, indem ich mich mit meiner Frau, obwohl sie noch schwächer spielt als ich, vogelstellerisch vor ein Schachbrett setzte. Und tatsächlich, wir hatten noch nicht sechs Züge getan, so blieb schon jemand im Vorübergehen stehen, ein zweiter erbat die Erlaubnis, zusehen zu dürfen; schließlich fand sich auch der erwünschte Partner, der mich zu einer Partie herausforderte. Er hieß McConnor und war ein schottischer Tiefbauingenieur, der, wie ich hörte, bei Ölbohrungen in Kalifornien sich ein großes Vermögen gemacht hatte, von äußerem Ansehen ein stämmiger Mensch mit starken, fast quadratisch harten Kinnbacken, kräftigen Zähnen und einer satten Gesichtsfarbe, deren prononcierte Rötlichkeit wahrscheinlich, zumindest teilweise, reichlichem Genuß von Whisky zu verdanken war. Die auffällig breiten, fast athletisch vehementen Schultern machten sich leider auch im Spiel charaktermäßig bemerkbar, denn dieser Mister McConnor gehörte zu jener Sorte selbstbesessener Erfolgsmenschen, die auch im belanglosesten Spiel eine Niederlage schon als Herabsetzung ihres Persönlichkeitsbewußtseins empfinden. Gewöhnt, sich im Leben rücksichtslos durchzusetzen und verwöhnt vom faktischen Erfolg, war dieser massive Selfmademan derart unerschütterlich von seiner Überlegenheit durchdrungen, daß jeder Widerstand ihn als ungebührliche Auflehnung und beinahe Beleidigung erregte. Als er die erste Partie verlor, wurde er mürrisch und begann umständlich und diktatorisch zu erklären, dies könne nur durch eine momentane Unaufmerksamkeit geschehen sein, bei der dritten machte er den Lärm im Nachbarraum für sein Versagen verantwortlich; nie war er gewillt, eine Partie zu verlieren, ohne sofort Revanche zu fordern. Anfangs amüsierte mich diese ehrgeizige Verbissenheit; schließlich nahm ich sie nur mehr als unvermeidliche Begleiterscheinung für meine eigentliche Absicht hin, den Weltmeister an unseren Tisch zu locken.

Am dritten Tag gelang es und gelang doch nur halb. Sei es, daß Czentovic uns vom Promenadendeck aus durch das Bordfenster vor dem Schachbrett beobachtet oder daß er nur zufälligerweise den Smoking Room mit seiner Anwesenheit beehrte – jedenfalls trat er, sobald er uns Unberufene seine Kunst ausüben sah, unwillkürlich einen Schritt näher und warf aus dieser gemessenen Distanz einen prüfenden Blick auf unser Brett. McConnor war gerade am Zuge. Und schon dieser eine Zug schien ausreichend, um Czentovic zu belehren, wie wenig ein weiteres Verfolgen unserer dilettantischen Bemühungen seines meisterlichen Interesses würdig sei. Mit derselben selbstverständlichen Geste, mit der unsereiner in einer Buchhandlung einen angebotenen schlechten Detektivroman weglegt, ohne ihn auch nur anzublättern, trat er von unserem Tische fort und verließ den Smoking Room. ›Gewogen und zu leicht befunden‹, dachte ich mir, ein bißchen verärgert durch diesen kühlen, verächtlichen Blick, und um meinem Unmut irgendwie Luft zu machen, äußerte ich zu McConnor:

»Ihr Zug scheint den Meister nicht sehr begeistert zu haben.«

»Welchen Meister?«

Ich erklärte ihm, jener Herr, der eben an uns vorübergegangen und mit mißbilligendem Blick auf unser Spiel gesehen, sei der Schachmeister Czentovic gewesen. Nun, fügte ich hinzu, wir beide würden es überstehen und ohne Herzeleid uns mit seiner illustren Verachtung abfinden; arme Leute müßten eben mit Wasser kochen. Aber zu meiner Überraschung übte auf McConnor meine lässige Mitteilung eine völlig unerwartete Wirkung. Er wurde sofort erregt, vergaß unsere Partie, und sein Ehrgeiz begann geradezu hörbar zu pochen. Er habe keine Ahnung gehabt, daß Czentovic an Bord sei, und Czentovic müsse unbedingt gegen ihn spielen. Er habe noch nie im Leben gegen einen Weltmeister gespielt außer einmal bei einer Simultanpartie mit vierzig anderen; schon das sei furchtbar spannend gewesen, und er habe damals beinahe gewonnen. Ob ich den Schachmeister persönlich kenne? Ich verneinte. Ob ich ihn nicht ansprechen wolle und zu uns bitten? Ich lehnte ab mit der Begründung, Czentovic sei meines Wissens für neue Bekanntschaften nicht sehr zugänglich. Außerdem, was für einen Reiz sollte es einem Weltmeister bieten, mit uns drittklassigen Spielern sich abzugeben?

Nun, das mit den drittklassigen Spielern hätte ich zu einem derart ehrgeizigen Manne wie McConnor lieber nicht äußern sollen. Er lehnte sich verärgert zurück und erklärte schroff, er für seinen Teil könne nicht glauben, daß Czentovic die höfliche Aufforderung eines Gentlemans ablehnen werde, dafür werde er schon sorgen. Auf seinen Wunsch gab ich ihm eine kurze Personsbeschreibung des Weltmeisters, und schon stürmte er, unser Schachbrett gleichgültig im Stich lassend, in unbeherrschter Ungeduld Czentovic auf das Promenadendeck nach. Wieder spürte ich, daß der Besitzer dermaßen breiter Schultern nicht zu halten war, sobald er einmal seinen Willen in eine Sache geworfen.

Ich wartete ziemlich gespannt. Nach zehn Minuten kehrte McConnor zurück, nicht sehr aufgeräumt, wie mir schien.

»Nun?« fragte ich.

»Sie haben recht gehabt«, antwortete er etwas verärgert. »Kein sehr angenehmer Herr. Ich stellte mich vor, erklärte ihm, wer ich sei. Er reichte mir nicht einmal die Hand. Ich versuchte, ihm auseinanderzusetzen, wie stolz und geehrt wir alle an Bord sein würden, wenn er eine Simultanpartie gegen uns spielen wollte. Aber er hielt seinen Rücken verflucht steif; es täte ihm leid, aber er habe kontraktliche Verpflichtungen gegen seinen Agenten, die ihm ausdrücklich untersagten, während seiner ganzen Tournee ohne Honorar zu spielen. Sein Minimum sei zweihundertfünfzig Dollar pro Partie.«

Ich lachte. »Auf diesen Gedanken wäre ich eigentlich nie geraten, daß Figuren von Schwarz auf Weiß zu schieben ein derart einträgliches Geschäft sein kann. Nun, ich hoffe, Sie haben sich ebenso höflich empfohlen.«

Aber McConnor blieb vollkommen ernst. »Die Partie ist für morgen nachmittag drei Uhr angesetzt. Hier im Rauchsalon. Ich hoffe, wir werden uns nicht so leicht zu Brei schlagen lassen.«

»Wie? Sie haben ihm die zweihundertfünfzig Dollar bewilligt?« rief ich ganz betroffen aus.

»Warum nicht? C’est son métier. Wenn ich Zahnschmerzen hätte und es wäre zufällig ein Zahnarzt an Bord, würde ich auch nicht verlangen, daß er mir den Zahn umsonst ziehen soll. Der Mann hat ganz recht, dicke Preise zu machen; in jedem Fach sind die wirklichen Könner auch die besten Geschäftsleute. Und was mich betrifft: je klarer ein Geschäft, um so besser. Ich zahle lieber in Cash, als mir von einem Herrn Czentovic Gnaden erweisen zu lassen und mich am Ende noch bei ihm bedanken zu müssen. Schließlich habe ich in unserem Klub schon mehr an einem Abend verloren als zweihundertfünfzig Dollar und dabei mit keinem Weltmeister gespielt. Für ›drittklassige‹ Spieler ist es keine Schande, von einem Czentovic umgelegt zu werden.«

Es amüsierte mich, zu bemerken, wie tief ich McConnors Selbstgefühl mit dem einen unschuldigen Wort ›drittklassiger Spieler‹ gekränkt hatte. Aber da er den teuren Spaß zu bezahlen gesonnen war, hatte ich nichts einzuwenden gegen seinen deplacierten Ehrgeiz, der mir endlich die Bekanntschaft meines Kuriosums vermitteln sollte. Wir verständigten eiligst die vier oder fünf Herren, die sich bisher als Schachspieler deklariert hatten, von dem bevorstehenden Ereignis und ließen, um von durchgehenden Passanten möglichst wenig gestört zu werden, nicht nur unseren Tisch, sondern auch die Nachbartische für das bevorstehende Match im voraus reservieren.

Am nächsten Tage war unsere kleine Gruppe zur vereinbarten Stunde vollzählig erschienen. Der Mittelplatz gegenüber dem Meister blieb selbstverständlich McConnor zugeteilt, der seine Nervosität entlud, indem er eine schwere Zigarre nach der andern anzündete und immer wieder unruhig auf die Uhr blickte. Aber der Weltmeister ließ – ich hatte nach den Erzählungen meines Freundes derlei schon geahnt – gute zehn Minuten auf sich warten, wodurch allerdings sein Erscheinen dann erhöhten Aplomb erhielt. Er trat ruhig und gelassen auf den Tisch zu. Ohne sich vorzustellen – ›Ihr wißt, wer ich bin, und wer ihr seid, interessiert mich nicht‹, schien diese Unhöflichkeit zu besagen –, begann er mit fachmännischer Trockenheit die sachlichen Anordnungen. Da eine Simultanpartie hier an Bord mangels verfügbarer Schachbretter unmöglich sei, schlage er vor, daß wir alle gemeinsam gegen ihn spielen sollten. Nach jedem Zug werde er, um unsere Beratungen nicht zu stören, sich zu einem anderen Tisch am Ende des Raumes verfügen. Sobald wir unseren Gegenzug getan, sollten wir, da bedauerlicherweise keine Tischglocke zur Hand sei, mit dem Löffel gegen ein Glas klopfen. Als maximale Zugzeit schlage er zehn Minuten vor, falls wir keine andere Einteilung wünschten. Wir pflichteten selbstverständlich wie schüchterne Schüler jedem Vorschlage bei. Die Farbenwahl teilte Czentovic Schwarz zu; noch im Stehen tat er den ersten Gegenzug und wandte sich dann gleich dem von ihm vorgeschlagenen Warteplatz zu, wo er lässig hingelehnt eine illustrierte Zeitschrift durchblätterte.

Es hat wenig Sinn, über die Partie zu berichten. Sie endete selbstverständlich, wie sie enden mußte: mit unserer totalen Niederlage, und zwar bereits beim vierundzwanzigsten Zuge. Daß nun ein Weltschachmeister ein halbes Dutzend mittlerer oder untermittlerer Spieler mit der linken Hand niederfegt, war an sich wenig erstaunlich; verdrießlich wirkte eigentlich auf uns alle nur die präpotente Art, mit der Czentovic es uns allzu deutlich fühlen ließ, daß er uns mit der linken Hand erledigte. Er warf jedesmal nur einen scheinbar flüchtigen Blick auf das Brett, sah an uns so lässig vorbei, als ob wir selbst tote Holzfiguren wären, und diese impertinente Geste erinnerte unwillkürlich an die, mit der man einem räudigen Hund abgewendeten Blicks einen Brocken zuwirft. Bei einiger Feinfühligkeit hätte er meiner Meinung nach uns auf Fehler aufmerksam machen können oder durch ein freundliches Wort aufmuntern. Aber auch nach Beendigung der Partie äußerte dieser unmenschliche Schachautomat keine Silbe, sondern wartete, nachdem er »Matt« gesagt, regungslos vor dem Tische, ob man noch eine zweite Partie von ihm wünsche. Schon war ich aufgestanden, um hilflos, wie man immer gegen dickfellige Grobheit bleibt, durch eine Geste anzudeuten, daß mit diesem erledigten Dollargeschäft wenigstens meinerseits das Vergnügen unserer Bekanntschaft beendet sei, als zu meinem Ärger neben mir McConnor mit ganz heiserer Stimme sagte: »Revanche!«

Ich erschrak geradezu über den herausfordernden Ton; tatsächlich bot McConnor in diesem Augenblick eher den Eindruck eines Boxers vor dem Losschlagen als den eines höflichen Gentlemans. War es die unangenehme Art der Behandlung, die uns Czentovic hatte zuteil werden lassen, oder nur sein pathologisch reizbarer Ehrgeiz – jedenfalls war McConnors Wesen vollkommen verändert. Rot im Gesicht bis hoch hinauf an das Stirnhaar, die Nüstern von innerem Druck stark aufgespannt, transpirierte er sichtlich, und von den verbissenen Lippen schnitt sich scharf eine Falte gegen sein kämpferisch vorgerecktes Kinn. Ich erkannte beunruhigt in seinem Auge jenes Flackern unbeherrschter Leidenschaft, wie sie sonst Menschen nur am Roulettetische ergreift, wenn zum sechsten- oder siebentenmal bei immer verdoppeltem Einsatz nicht die richtige Farbe kommt. In diesem Augenblick wußte ich, dieser fanatisch Ehrgeizige würde, und sollte es ihn sein ganzes Vermögen kosten, gegen Czentovic so lange spielen und spielen und spielen, einfach oder doubliert, bis er wenigstens ein einziges Mal eine Partie gewonnen. Wenn Czentovic durchhielt, so hatte er an McConnor eine Goldgrube gefunden, aus der er bis Buenos Aires ein paar tausend Dollar schaufehl konnte.

Czentovic blieb unbewegt. »Bitte«, antwortete er höflich. »Die Herren spielen jetzt Schwarz.«

 

 

 


     一艘定于午夜时分从纽约开往布宜诺斯艾利斯去的远洋客轮上,正呈现着解缆起航前惯有的繁忙景象。岸上来送客的人挤来挤去给远航的朋友送行;电报局的投递员歪戴制帽,在各个休息室里大声呼喊着旅客的姓名;有人拿着行李和鲜花匆匆而过;孩子们好奇地沿着梯子上下奔忙,在甲板上演出的船上乐队一直不停地在演奏着。我和我的朋友避开这吵吵嚷嚷拥挤不堪的人群,站在供散步用的甲板上聊天。忽然,在我们近旁,镁光灯闪了两三下:大概在旅客中有什么名人,记者在起航前最后一刻还赶来采访,给他拍照。我的朋友向那边看了一眼,微笑着说:

  "您这船上可有个罕见的怪物——琴多维奇。"

  我听了他这句话,脸上显然露出一副相当莫名其妙的神情,他就接着解释了几句:

  "米尔柯·琴多维奇,象棋世界冠军。他刚在一连串的比赛中从东到西征服了整个美国,现在乘船到阿根廷去夺取新的胜利。"

  他一说,我果然想到了这位年轻的世界冠军,以及他样本篇于一九四一年首次发表。平步青云、一举成名的一些细节。我的朋友读报纸比我仔细,他说了好些关于此人的轶事趣闻,作为补充。

  大约一年以前,琴多维奇一下子就成功地进入了棋坛名手阿廖辛、卡帕布兰卡、塔尔塔柯威尔、拉斯克、波哥留勃夫①的行列。自从一九二二年纽约循环赛上七岁神童雷舍夫斯基②初露头角以来,一个默默无闻的新手闯入棋坛群星的光荣队伍,还从来没有引起过这么大的轰动。因为琴多维奇的智力根本没有预示他会有如此灿烂的前程。不久,透露出一个秘密:这位世界冠军无论用哪一种文字书写,哪怕只写一句话,也不能不出错。而且,像他恼怒的对手之一所刻薄地指出的,"他在任何领域都惊人的无知"。

  ①阿廖辛,俄国象棋名手齐格林派的代表,一九二七至一九三五年和一九三七至一九四六年的世界冠军。卡帕布兰卡,古巴象祺名手,一九二一至一九二七年的世界冠军。一九二七年输给阿廖辛。拉斯克,德国象棋名手,一八九四年起为世界冠军,一九二一年输给卡帕布兰卡,著有关于象棋、数学和哲学的理论作品。塔尔塔柯威尔,象棋一级选手,著有许多象棋理论方面的作品。彼哥留勃夫,俄国象棋名手。
  ②雷舍夫斯基,美国著名的象棋手,象棋一级选手,不止一次获得美国的个人冠军,在世界冠军赛中获得第三名和第四名。

  他父亲是多瑙河上一名极其贫苦的南斯拉夫族的船夫,他的小船一天夜里被一艘运粮食的货船撞沉了。父亲死后,他们那个偏僻小村的神父出于恻隐之心,收养了这个十二岁的孤儿。这位好心的神父千方百计地在家里给这个前额宽阔、不爱说话、有点迟钝的孩子补课,想教给他那些他在乡村学校里没能学会的知识。

  但是神父的一切努力全都白费。米尔柯直愣愣地瞪着字母,虽说都已经给他解释了上百次,他还是觉得非常陌生;课堂上讲解的最简单的东西,他那迟钝的脑子也记不住。十四岁上,他还扳着指头算数。都已经是个半大不小的男孩了,读书看报还特别费劲。但是,不能说米尔柯脾气乖僻或者犟头倔脑。吩咐他干啥他就乖乖地干啥:担水、劈柴、下地干活、收拾厨房。他办事可靠,托付他的事情,他一定完成,尽管慢得叫人生气。但是最让好心的神父恼火的,却是这个冥顽不灵的少年对世上的一切全都漠不关心。要是没有人特意要他干啥,他就整天什么也不干。他从来不提问题,从来不和别的孩子一块儿玩耍,只要不明确告诉他该做什么活,他是从来不给自己找活儿干的。做完家务事以后,米尔柯就坐在屋里发呆,两只眼睛茫然无神,活像在草地上吃草的绵羊,对周围发生的一切事情完全无动于衷。每天晚上,神父吸着乡下长烟袋,总要和警察局的巡官下三盘象棋,这个淡黄头发的小伙子老是一声不吭地蹲在旁边,低垂着沉重的眼皮,似睡非睡地、漫不经心地看着画有格子的棋盘。

  一个冬天的晚上,两个朋友正沉湎于他们日常的棋戏中,这时从街上传来了雪橇的铃声。一辆雪橇沿着村街飞快地驶近,越来越快。一个农民戴着满是雪花的帽子急急忙忙地跑进屋来,恳求神父尽快地去给他垂危的母亲举行临终涂油礼。神父毫不迟疑,立即跟他走了。这时,巡官还没喝完他杯里的啤酒。他又点燃了一袋烟,准备回家。他正在穿高统毛皮靴的时候,忽然发现,米尔柯目不转睛地盯着棋盘上那副未下完的残局。

  "怎么,你想下完这盘棋吗?"巡官开玩笑地问道。他完全相信,这个瞌睡懵懂的孩子甚至连棋子怎么走法也不知道。孩子怯生生地抬头看了看他,然后点点头,坐到神父的位子上。走了十四步棋,巡官被杀败了,而且不得不承认,他的失败决不是什么偶然失误的结果。第二盘的结局也是这样。

  "巴兰的驴子说话了!"①神父回家以后惊奇得叫了起来。他向不大熟悉圣经的巡宫解释,早在两千年前也发生过一次类似的奇迹,一个不会说话的动物突然说起话来,话里充满了智慧。神父不顾时间已晚,抵挡不住心里的诱惑,硬要同他半文盲的学生杀上一盘。米尔柯同样轻而易举地赢了他。米尔柯下得缓慢、顽强、坚定不移,他那前额宽阔的脑袋始终不从棋盘上抬起来。但他下棋下得很稳,毫无破绽。以后接连几天,无论神父还是巡官都没能胜过他一盘。神父比谁都了解他这个弟子在其他方面的智力是何等低下,现在他可真想知道:这种单方面的古怪天才能不能经受得起更加严峻的考验。他让乡村理发师把米尔柯浅黄色的蓬乱头发修剪一番,把他打扮得稍微像样一点,然后用雪橇把他带到邻近的小城。神父知道,该城主要广场的咖啡馆里经常聚集着当地的象棋迷,他根据自己的经验确信,这些人要比他高明得多。神父把这个黄头发、红脸膛的十五岁少年推进咖啡馆,使那里的常客们大为惊讶。这个少年身穿毛皮向里翻的羊皮大衣,脚踏一双沉重的高统皮靴。进了咖啡馆以后,他怯生生地低垂双眼盯着地面,一直呆呆地站在一个角落里,后来人家叫他到一张棋桌跟前去。第一盘米尔柯给打败了,因为他和好心的神父下棋时,从来没有领教过所谓的西西里开棋法。下一盘他便和城里最好的棋手下成和局。从第三盘、第四盘起米尔柯挨个儿打败了所有的棋手。

  ①典出《旧的全书·民数记》第二十二章。智者巴兰骑驴赶路,途遇耶和华的使者执刀等在路上。驴子为了避开执刀的使者,三次离开大路。巴兰发怒用杖打驴。耶和华使驴开口对巴兰说:"我向你行了什么,你竟打我这三次呢?"后来耶和华使巴兰看见执刀的使者,巴兰便低头俯伏在地。

  在南斯拉夫的外省小城市里,激动人心的事件是很少发生的。因此,乡村冠军的初露锋芒对于聚集在咖啡馆里的那些可敬的公民来说立即成了耸人听闻的事件。当下一致决定,必须让神童在城里呆到明天,以便召集象棋俱乐部其余的成员,尤其要到附近城堡里去通知老伯爵西姆奇茨,此人是个狂热的棋迷。神父这时瞧着自己的养子,心里产生一种新的得意之感。发现了一个天才,他固然满心欢喜,可是责任感提醒他,得回到村里去做主日弥撤①。最后他表示同意把米尔柯留在城里接受进一步的考验。棋手们出钱把年轻的琴多维奇安置在旅馆里,这天晚上他生平第一次看见抽水马桶。第二天是星期天,午饭后棋室里挤满了人。一连四个小时,米尔柯一动不动地坐在棋盘边,一言不发,也不抬头看看,就这样一个接一个地击败了他所有的敌手。最后,有人建议跟他来一次车轮战。人们花了不少工夫才使这个反应迟缓的小伙子弄明白:所谓车轮战就是他将同时跟几个敌手对奔。但是他刚一清楚这种下法的惯例,他就立即照人说的去办,他慢慢地拖着沉重的咯吱咯吱直响的皮靴,从一张桌子走向另一张桌子。结果八盘中他赢了七盘。

  ①主日即天主教的星期天。主日弥撒是天主教在星期天早上做的礼拜。

  在这以后,象棋俱乐部立即开会认真讨论。虽然严格说来。这位新冠军并非本城人士,可是本乡本土的民族自豪感已经激起。没准这个在地图上都未必能够查到的小城竟能破天荒第一次获得被称为名人故乡的荣誉。一个名叫柯勒尔的经纪人平时专给军营的歌舞场介绍演唱小曲的歌女和女歌唱家,这时表示,只要有人提供一年的津贴,他准备安排这个少年到维也纳去,跟他熟悉的一个象棋名手去接受象棋棋艺方面的专门训练。老伯爵西姆奇茨六十年来天天下棋,还从来没有遇到过一个这样奇特的敌手,当下立即签发了这笔款项。从这一天起,这个船夫之子惊人的飞黄腾达就开始了。

  半年之后米尔柯就洞悉了象棋技术的全部奥秘,当然,他还有一个稀奇的弱点——这一点往后被行家们多次注意到,并且不断遭到他们的讪笑。因为琴多维奇从来也不会卑凭脑子记忆来下棋,哪怕下一盘也不行,用行家的话来说,他不会杀盲棋。他完全缺乏在自己想像力的无限空间中再现棋盘的能力。他眼前必须老有一张画了六十四个黑白方格的真正棋盘和三十二个具体的棋子。即使成了世界名人之后,他还老是随身带着一副可以折叠的袖珍象棋。这样,他要是想复制他所需要的典型棋局,或者解决他感兴趣的问题,就随时随地都能以直观的方式在眼前看到棋子的具体位置。虽然这点瑕疵本身无足轻重,然而它显示了想像力的贫乏,并且在象棋爱好者的圈子里引起了纷纷议论。就像在音乐界,卓越的演奏家或指挥如果被人发现光凭记忆不用乐谱就不能演奏或指挥,定要引起人们的闲话一样。不过这一缺点并没有妨碍米尔柯取得惊人的成绩。他十六岁就已获得十多次各种各样的锦标,十八岁成为匈牙利全国冠军,到二十岁终于荣获世界冠军的称号。许多厉害的棋手在智力、想像力和气魄上毫无疑问是大大超过他的,但是碰到他那坚韧冷酷的逻辑,都一一败下阵来,正如拿破仑①败在笨重迟钝的库图佐夫②手里,汉尼拔③敌不过费边·孔克塔托尔④一样,根据李维⑤的记载,孔克塔托尔在童年时代就表现出淡漠和呆笨的特点。象棋手本来集各种截然不同的智力特性于一身,兼有哲学家、数学家的精于计算、富于想像等创造性的特质。这样一来,在象棋名手卓越的行列里破天荒第一次混进来一个十足地道的异己分子——一个行动滞重、沉默寡言的乡村青年。即使最机灵的记者也无法从他嘴里勾出一句能够公开登报发表的话来。琴多维奇没有向报纸提供警句妙语,但这一点却为许多关于他个人的趣事轶闻所补偿:琴多维奇在棋桌旁是个无与伦比的大师,可是一站起来,就无可挽救地变成一个怪里怪气,近乎滑稽可笑的人物。尽管他身穿黑礼服,系着华丽的领带,上面还别了一枚嵌着珍珠的有些刺眼的别针,指甲修剪得十分细致,但是举止仪表显示出他依然是从前那个头脑简单的乡下少年,不久前还在村子里给神父打扫厨房。他利用自己的天才和荣誉,尽可能地多赚钱,表现得十分小气,贪得无厌。他捞起钱来笨手笨脚,简直愚蠢到无耻的地步,这激起了同行的愤慨和嘲笑。他从一个城市旅行到另一个城市,总是住最便宜的旅馆,只要给他报酬,他就为任何一个寒伧的象棋俱乐部下棋;他让人在肥皂广告上印制他的肖像,甚至同意人家出钱买他的名字去出版一本叫《象棋哲学》的书,丝毫也不理会他的竞争者对他的嘲笑,这些人清楚地知道,他根本连三个句子也写不下来。这本书实际上是加里西尼亚一个穷大学生为一位精明的出版商撰写的。就像一切性格坚韧的人一样,琴多维奇也不懂什么叫可笑。他当了世界冠军以后,就自以为是世界上最重要的人物了。他认为他也击败了所有这些聪明绝顶、才智出众的演说家和作者,这种意识,尤其是他挣的钱比他们还多这个具体的事实使他从过去的手足无措一变而为冷漠的,往往表现为极其笨拙的目空一切。

  ①拿破仑,一七九九至一八○年法兰西共和国的第一执政,一八○四至一八一五年的法国皇帝。
  ②库图佐夫,俄国的著名统帅。一八一二年拿破仑入侵俄国,俄军在库图佐夫指挥下粉碎了拿破仑的军队。
  ③汉尼拔,第二次布匿战争时的迦太基名将。公元前二一八年,他曾经绕道西班牙,越过阿尔卑斯山,进入亚平宁半岛,屡败罗马军队。
  ④费边,罗马统帅,历任执政官。在第二次布匿战争(公元前2182-201)时与汉尼拔作战,他采取以逸待劳的延宕战术,消灭敌人有生力量,因而获得"孔克塔托尔"(意为拖延者)的绰号。
  ⑤李维,古罗马历史学家,著有《罗马史》。

  "话说回来,这样快地取得荣誉,怎么能不冲昏这个空虚的头脑呢?"我的朋友举了几个典型例子说明琴多维奇带着一种纯粹是孩子气的虚荣心来炫耀自己的权势显赫,然后说道,"一个来自巴拿特①的二十一岁的农家青年只要在棋盘上动动棋子,就可以在一星期内赚到一大笔钱,比他全村的人一年内砍伐木材艰苦劳动所得的还多,你说他怎么会不染上虚荣的毛病呢?再说,你的脑子如果根本不知道世界上曾经有过伦勃朗、贝多芬。但丁和拿破仑,那你不是很容易认为自己是一个伟大的人物吗?这小伙子智力有限的脑子里只有一个思想,那就是一连好几个月他没有输过一盘棋,而且因为他根本没有想到世界上除了象棋和金钱以外,还有其他有价值的东西,所以他有一切理由去自我陶醉。"

  ①巴拿特,位于罗马尼亚、南斯拉大和匈牙利之间的一个肥沃的地区。

  我朋友的这番话自然激发了我的好奇心。我素来感兴趣的就是各种有偏执狂的人,即圃于某种单一的思想不能自拔的人,因为一个人用来局限自己的范围愈狭小,他在一定意义上就愈接近于无限。正是这种表面上看来对世界上的一切都漠不关心的人,像白蚂蚁一样顽强地用他们特殊的材料建筑着自己稀奇古怪的,然而对他们来说却是独一无二的宇宙缩影似的小天地。因此我直言不讳地表示了我的意图——要在去里约热内卢的十二天旅程中仔细观察这个智力片面发展的古怪样品。

  可是我的朋友提醒我说:"您未必能做到这一点,据我所知,还没有一个人能从琴多维奇的嘴里掏到过一丁点有助于心理分析的材料。这个狡猾的农民,看来智力低下得令人难以置信,暗地里却是绝顶聪明,他从不暴露自己的弱点。他的办法很简单:除了在便宜旅馆里碰到的一些和他出身相仿的同乡之外,琴多维奇避免跟任何人交谈。他一感到他面前是一个有文化的人,就马上像蜗牛一样缩进自己的背壳;因此,谁也不能夸口说,曾经听到他说了什么蠢话,或者估量到了他那惊人的无知。"

  看来我朋友说的话是有道理的。在我旅行的最初几天,如果不是死乞白赖地凑上去,是根本不可能接近琴多维奇的。我当然不会那么厚脸皮。有时他到上层甲板上来散步,反背着双手,神情高傲,专心致志地沉思着,活像一幅名画上的拿破仑。另外.他散步时总是那么匆匆忙忙地冲来冲去,因此,如果我想跟他搭讪,就不得不跟在他屁股后头跑。而他又从来不在休息室、酒吧间和吸烟室露面。我悄悄地向侍者打听消息,据说,他白天的大部分时间都坐在自己舱里一个大棋盘前,研究棋局或重演下过的棋。

  三天以后,我可真的生起气来了,琴多维奇的防御策略看来比我想要设法接近他的愿望更为巧妙。我这辈子还从来没有机会去亲自结识一位象棋名手。我现在愈是想了解这一类型的人,我就愈觉得让人的脑子一辈子完全围着一个划成六十四个黑白方格的小块空间转来转去, 是不可思议的。 根据个人经验,我是深知被称为"国王的游戏"①的象棋所具有的神秘诱惑力的,在人们发明的各种游戏中只有这一种游戏,它的胜负不取决于任何刁钻的偶然性,它只给智慧戴上桂冠,或者确切些说,它只给智力天赋的一种特殊形式戴上桂冠。但是把下象棋说成是一种"游戏",这难道不是对它进行了一种侮辱性的限制吗?它不也是一种科学,一种艺术吗?一种介乎这二者之间飘浮不定的东西,就像穆罕默德②的棺材介乎天地之间一样。一种包含着各种矛盾的独一无二的混合物:这种游戏既是古老的,又永远是新颖的;其基础是机械的,但只有靠想像力才能使之发挥作用;它被呆板的几何空间所限制,而同时它的组合方式又是无限的;它是不断发展的,可又完全是没有成果的;它是没有结果的思想,没有答案的数学,没有作品的艺术,没有物质的建筑。但是,尽管如此,业已证明,这种游戏比人们的一切书本和作品更好地经受了时间的考验,它是惟一属于一切民族和一切时代的游戏,而且谁也不知道是哪一位神明把它带到世上来消愁解闷、砥砺心智、振奋人心的。它从哪儿开始?又到哪儿结束?它那简单的规则任何一个孩子也能学会,每一个生手都可以尝试,与此同时,在它那永不改变的狭窄的方格里,产生出一种非常特殊的、无与伦比的能手——只具有一种非凡的象棋才能的人。这是一种独特的天才,在他们身上,想像力。耐心和技巧就像在数学家、诗人和作曲家身上一样地发生作用,只不过方式不同,组合相异罢了。过去颅相学研究盛行的时代,有个姓加尔③的德国医生也许会把这种象棋大师的头部解剖一下,以使确定这种象棋天才脑子里的灰色物质是否有一种特殊脑纹,是否和常人不同,有某种特别的象棋肌或象棋瘤。琴多维奇这个人会使这样一个颅相学家多么感兴趣啊!在他身上,于智力绝对停滞之中,迸涌出一股特殊的才能,就像一大块矿石之中隐藏着一缕金矿脉一样。我原则上从来就懂得,这种独特的天才游戏必然会产生值得尊敬的斗士,但我总还是感到很难想像,甚至几乎不能想像,一个头脑活跃的人会把自己的天地局限于一小块一小块黑白空间之上,而且能够在前后左右移动三十二颗棋子的活动中找到毕生的事业。我不能想像这样一个人,他认为开棋的时候先走马而不是先走卒对他来说是英勇的壮举,而在象棋指南的某个犄角里占上一席可怜见的位置就意味着声名不朽;我不能想像,一个聪明人竟然能够在十年、二十年、三十年、四十年之中一而再、再而三地把他全部的思维能力都献给一种荒诞的事情——想尽一切办法把木头棋子王赶到木板棋盘的角落里,而自己却没有发狂成为疯子。

  ①德文"象棋"(Schachspiel)一同由Schach(象棋)和Spiel(游戏)组成。Schach来自波斯文的sah,意为"国王"。所以象棋意译为"国王的游戏"。
  ②穆罕默德,阿拉伯人,生于麦加城,是伊斯兰教的创始人。
  ③加尔,德国医生,颅相学的创始者,宣称根据人的颅骨外形及隆起情况可以判断一个人的才能和性格。

  如今,我生平第一次遇到了这样一个人物——一个这样古怪的天才,或者这样神秘的笨蛋,他离我非常之近,在同一条船上,仅仅相隔六个船舱,而我这个不幸的人居然想不出办法来和他接近。我素来对于智力方面的各种事情都十分好奇,这种好奇最后往往变成一种强烈的激情。我于是想出种种荒谬绝伦的计策:一会儿打算刺激他的虚荣心,想假装代表一家有影响的报纸对他进行采访,一会儿又指望唤起他的贪心,建议他到苏格兰各地去作一次颇有收益的旅行比赛。最后,我终于想起了猎人屡试不爽的策略:模仿山鸡发情的叫声来引诱山鸡。要想吸引象棋大师的注意力,还有什么比自己装作下象棋更有效的办法呢?

  我这辈子从来没有认真研究过棋艺,理由很简单,我下象棋只是下着玩,纯粹为了消遣。如果说我有时候也下个把小时象棋,那完全不是为了使脑子紧张。相反,是为了在紧张的脑力劳动之后舒展神经。我完全是本着"游戏"①这个词的本义来下象棋的,而真正的棋手下棋却是在。"当真",如果我可以这么说的话,下象棋也像谈恋爱一样,必须要有一个对手,可我当时还不知道船上除了我们以外,是否还有别的象棋爱好者。为了把他们引出洞来,我在吸烟室里设了一个极为简单的陷阱。我同我的妻子一起坐在棋桌旁边来引诱猎物,尽管我妻子比我下得更差。果然,我们走了不到六步棋,我们旁边就有一位旅客停下来,接着第二位请求我们允许他在旁边观局,最后我们如愿以偿,找到了一个对手,他向我挑战,要我同他下一盘。此人名叫麦克柯诺尔,是一位苏格兰采矿工程师,听说他在加利福尼亚钻探石油,攒了一大笔钱。麦克柯诺尔身材不高,粗壮结实,颔骨方方正正,牙齿坚固有力。他脸上血色很好,红得发紫,大概是由于他威士忌喝得太多的缘故,至少这是部分的原因。此人肩膀宽得出奇,简直像竞技者那样孔武有力,可惜在下棋的时候也表现出一副逼人之势。因为麦克柯诺尔先生属于这样一种自以为是、志得意满的人,这种人即使在最无足轻重的比赛中,也把失败看作是降低自己的身分。这位大块头习惯于凭着自己的本事,在生活中死拼硬闯取得成功,他心里充满了特殊的优越感,以致把任何阻力都看成是对自己的极不应该的反抗,几乎就是对自己的侮辱。他输了第一盘,就满脸不高兴,并且开始唠唠叨叨,用一种不容辩驳的口气解释说,只是因为他一时疏忽,才输了这盘棋。输了第三盘,他就怪隔壁客厅里太闹。每输一盘他没有不说再来一盘的。起初,他那种好胜劲儿我倒也觉得怪好玩,可是后来我也就只好硬着头皮忍受下来,既然我想达到预定的目的,把世界冠军引到我们的桌边来,也就不得不忍受这位先生。

  ①象棋(Schachspiel) 一词的第二部分spiel为"游戏" ,所以作者说本着"游戏"一词的本义,可是"当真"。

  第三天我的计划成功了,可是只成功了一半。也许琴多维奇通过上层甲板的舷窗看见我们在下棋,也许只是一般地想到吸烟室来转一转。总之,当世界冠军发现居然有人胆敢擅自玩他的那行技艺,就情不自禁地走近一步,保持适当的距离,向棋盘投来一瞥考察的眼光。这时正好该麦克柯诺尔走。仅看他走这么一步棋,琴多维奇马上就明白了,我们这种外行的比赛对于他这么一位大师来说,根本不值得再多看一眼。就像我们在书店里看到人家推销的一本蹩脚的侦探小说,连翻都不屑于翻开,就随手撂下一样,这位世界冠军也就离开我们的棋桌,走出了吸烟室。"他掂了一下分量,觉得没啥意思。"我想。他那种冷淡、鄙夷的目光多少有点使我生气。为了发泄一下我的怒气,我对麦克柯诺尔说:

  "看来,您这一步棋冠军似乎并不十分欣赏。"

  "什么冠军?"

  我向他解释说,刚才从我们身边走过并且不以为然地看着我们下棋的那位先生,就是世界象棋冠军琴多维奇。我补充说,咱们不会因为他看不起而伤心的,咬咬牙也就挺过去了:对穷人来说,只好清茶淡饭将就着过穷日子嘛!使我感到意外的是,我随口说出的这些话居然对麦克柯诺尔产生了完全意料不到的作用。他立即激动起来,把我们下的这盘棋忘得干干净净。沽名钓誉的念头马上开始在他脑子里活动起来。他说,他压根儿没有想到,琴多维奇就在船上,那么冠军无论如何得跟他下盘棋。他这一辈子还从来没有跟一位世界冠军下过棋,除了有一次同另外四十个人在一起,跟他下过一盘车轮战,就是这次车轮战也是下得够紧张的,他本人差点儿还赢了呢。他问我,是否认识这位冠军,我说不认识。他又问我,愿不愿意跟冠军打打招呼,请他来同我们下盘棋呢?我拒绝了,我的理由是,据我所知,琴多维奇是不大喜欢结识新交的。再说,跟我们这些第三流棋手下棋,对世界冠军来说,又有什么意思呢?

  看来对麦克柯诺尔这种自尊心强的人,我是不应该说什么三流棋手之类的话的。他听了以后生气地往椅子背上一靠,粗暴地说,他简直不能相信,琴多维奇会拒绝一位绅士的客气的邀请。他会想办法去邀请的。我应他的请求,给他简单描述了一下冠军的为人。于是麦克柯诺尔便扔下这盘未下完的棋不管,急不可耐地跑到上层甲板上去追琴多维奇。这时,我又一次感到,长着这么宽肩膀的人要是想干什么事,是怎么拦也拦不住的。

  我相当紧张地等待着。十分钟以后,麦克柯诺尔回来了,看来他的心情不怎么愉快。

  "怎么样?"我问。

  "您说得对,"麦克柯诺尔有些气恼地回答,"不是一位很讨人喜欢的先生。我向他作了自我介绍,告诉他是我谁,可他连手都不伸给我。我试着向他说明,我们船上所有的旅客都将感到自豪和荣幸,如果他乐于跟我们进行一盘车轮战的话。可是他的态度生硬得不近人情。他回答说,很遗憾,他同他的经纪人订有合同,规定他在旅行期间只能进行有报酬的表演赛,而且每盘酬金最低金额为二百五十美元。"

  我笑起来了。

  "我从来也没有想到过,从白方格到黑方格这样动动棋子,竟是如此发财的买卖。我想您也就客客气气地向他告别了吧。"

  然而,麦克柯诺尔的样子仍然一本正经。

  "比赛定于明天下午三点举行,就在这吸烟室里。我希望我们不至于那么轻易地被他打败。"

  "什么?您答应给他二百五十美元啦?!"我十分惊异地叫了起来。

  "为什么不呢? C'est son metier①。如果我牙疼,而船上碰巧又有一位牙科医生,那我也不能要求他白白地给我拔牙呀。这人做得很对,应该大敲竹杠。哪一行真正的专家也都是最精明的生意人。至于我,我是主张买卖做得越光明磊落越好。我宁可把现钱付给您的琴多维奇,也不愿向他乞求恩典而末了还得向他千恩万谢。再说我在我们俱乐部里一个晚上输过不止二百五十美元,而那还不是同世界冠军下棋呢。'三流'棋手输给琴多维奇没有什么可丢人的。"

  ①法文:这是他的职业。

  我真觉得好玩,我说的"三流棋手"这个毫无恶意的说法,竟然如此厉害地刺伤了麦克柯诺尔的自尊心。但是,既然他打算为这种昂贵的娱乐付钱,我对他的这种不大合适的虚荣心也就不加非议了。再说,多亏他的虚荣心,我还有机会认识一下我感兴趣的人物。我们赶紧把这件事告诉了四五个到现在为止自称是象棋爱好者的先生们,并要求他们为这即将举行的比赛不仅预先订下我们的桌子,而且订下所有的邻桌,以便尽可能避免其他过往旅客的干扰。

  第二天在指定的时间,我们这伙人都准时到场,一个不落。冠军正对面的桌子当然让给麦克柯诺尔。他心情激动,一支接一支地猛抽烈性雪茄,而且一再焦灼不安地看着手表。然而,世界冠军叫大家足足等了十分钟(想到我朋友讲的那些故事,我早已料到他会来这么一招),这样一来,他的出场就显得分外的隆重。他泰然自若、从容不迫地走到桌旁。他也不向大家作自我介绍——看来,他的无礼似乎是说:"我是谁,你们全都知道,而你们是谁,我却丝毫不感兴趣。"——就马上用一种干巴巴的、例行公事的语气开始作出具体安排。因为船上没有那么多棋盘,没法进行车轮战,所以他建议,我们大家可以一齐同他对奔。他走一着,然后就退到房间另一端的一张桌子旁边,以免影响我们商量。我们下过一着以后,就用茶勺敲敲茶杯,因为遗憾的是手头没有摇的铃。如果没有人反对,那他建议每走一步最多考虑十分钟。我们当然像怯生生的小学生一样,接受了他的全部建议。琴多维奇要了黑子;他站着回了一步棋,就立即转过身去,退到他方才建议的等候地点。他懒洋洋地躺在安乐椅里,信手翻阅一份画报。

  报道这盘棋没有多大意思。不言而喻,它像预料的那样,以我们的彻底失败而告终,而且一共只走了二十四步棋。世界冠军轻而易举地击溃了半打平平常常或者十分差劲的棋手,这件事本身并不足为奇;但是使我们大家十分反感的是琴多维奇的倨傲态度,他明显地让我们感到,他对付我们,不费吹灰之力。他每一次走冢桌边,都是故意用一种似乎漫不经心的目光向棋盘扫上一眼,而对我们则根本不予理睬,好像我们也是没有生命的木头棋子似的。他的态度就像人们把一块骨头扔给一只癞皮狗,连看也懒得去看它一眼。我觉得他要是稍微周到一点,知道一点儿分寸,他完全可以指出我们的错误,或者说些友好的话来鼓励鼓励我们。可是,即使下完了这盘棋,这个没有人性的象棋机器人也没有吭一声。他说了一声"将死了",就一动不动地站在桌旁,显然是想知道我们还要不要再下一盘。碰到这种迟钝粗鲁的人,你是毫无办法的。我已经从位子上站了起来,准备用手势示意,至少对我来说这笔美金交易一了结,我们愉快的相识便就此终结。可是,使我恼火的是,就在这一刹那,坐在我旁边的麦克柯诺尔用十分沙哑的声音说道:"再来一盘!"

  使我吃惊的是麦克柯诺尔的挑衅口吻,他在这一瞬间的确很像一个准备挥拳出击的拳击家,而不大像一位彬彬有礼的绅士。也许是琴多维奇对待我们的那种侮辱人的态度使他感到愤怒,也可能是他病态的自尊心容易受到刺激,但是不管原因如何,反正麦克柯诺尔完全变了样子。他满脸通红,一直红到发根,鼻翼由于内心激动张得大大的,额上冒出豆大的汗珠,一条深深的皱纹从紧咬着的嘴唇向气势汹汹地往前突出的下巴伸展过去。我不安地注意到,他眼里闪烁着一股无法遏制的怒火,这种怒火通常只有赌台旁边的赌徒才有,如果他所需要的牌在成倍成番地加注以后接连六七次都不出现的话。这时我已经明白,这个好胜心强的狂热分子将要一个劲地同琴多维奇下棋,下普通的注或者下成倍的注,一直下到至少赢他一盘为止,即使这样会花去他的全部财产,他也在所不惜。如果琴多维奇坚持干下去,那么麦克柯诺尔就会变成他的真正的金窖,在他到达布宜诺斯艾利斯之前,他完全可以从这个金窖里挖出几千美元。

    琴多维奇纹丝不动,“请吧”,他很有礼貌地回答说,“这次你们下黑棋。”

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